Konstantin Igropulo wurde 2004 Europameister im Beach-Handball © imago

Bei SPORT1 spricht Konstantin Igropulo über den Start in Berlin und erklärt, warum viele Russen einen Auslandswechsel scheuen.

Von Tobias Wiltschek

München/Berlin - Er folgte Iker Romero im Sommer vom FC Barcelona zu den Füchsen Berlin und soll nach dem Abgang von Alexander Petersson im rechten Rückraum der Hauptstädter wirbeln.

Der russische Nationalspieler Konstantin Igropulo ist neben Börge Lund der einzige Neuzugang der Berliner. Mit 17 Toren in den ersten sechs Spielen der DKB Handball-Bundesliga führte er sich bereits gut ein.

Mit seiner neuen Mannschaft steht er vor der Partie bei der TuS N-Lübbecke (ab 20.10 Uhr LIVE auf SPORT1+ und im LIVESTREAM) auf Platz zwei der Tabelle (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Allerdings zog sich der 27-Jährige schon im vorletzten Spiel der Füchse gegen MT Melsungen eine Bauchmuskelverletzung zu, die ihn auch beim viel umjubelten Unentschieden gegen den großen Favoriten THW Kiel behinderte (Bericht).

Gegen Lübbecke muss er daher aussetzen.

Im Interview mit SPORT1 spricht Konstantin Igropulo über seinen Wechsel an die Spree sowie den größten Unterschied zwischen der spanischen und der deutschen Liga. Außerdem erklärt er, warum die meisten russischen Nationalspieler einen Wechsel ins Ausland scheuen.

SPORT1: Herr Igropulo, Sie haben in einem dramatischen Spiel mit den Füchsen die Siegesserie des THW Kiel gestoppt. Wie hat das Team dieses Unentschieden gefeiert?

Konstantin Igropulo: Das war ein wichtiger Punkt für uns und ein wichtiger Schritt vorwärts. Jeder hat sich gefreut. Die große Party ist aber nicht ausgebrochen.

SPORT1: War Ihnen vor dem Wechsel zu den Füchsen bekannt, dass Kiel im letzten Jahr alle Spiele in der Bundesliga gewonnen hat?

Igropulo: Ich weiß, dass sie gegen uns den ersten Punkt seit eineinhalb Jahren verloren haben und habe die Bundesliga natürlich auch aus Spanien verfolgt. Normalerweise informiere ich mich erst vor dem jeweiligen Spiel über den Gegner, um mich zu motivieren. Je mehr Informationen man über den Gegner hat, desto besser ist man auf ihn vorbereitet.

SPORT1: Sie kamen zu Beginn der Saison von Barcelona nach Berlin. Was hat Sie an der Bundesliga und Berlin so gereizt, dass Sie der spanischen Sonne den Rücken gekehrt haben?

Igropulo: Es waren drei sehr schöne Jahre. Wenn man sich aber weiterentwickeln will, muss man etwas ändern. Für mich war es eine perfekte Gelegenheit und sehr interessant, eine neue Mannschaft und ein neues Projekt kennenzulernen. Natürlich war auch Iker Romero (sein früherer Teamkollege bei Barcelona, Anm. d. Redaktion) ein Faktor bei meiner Entscheidung für Berlin. Dazu ist die Bundesliga die beste Liga auf diesem Planeten.

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SPORT1: Was sind Ihre Eindrücke bislang vom Verein und von der Stadt?

Igropulo: Wir hatten bislang so viele Trainingseinheiten und Spiele, dass ich noch nicht so viel über die Stadt erzählen kann. Aber die Mannschaft ist gut, und die Spieler helfen mir sehr bei der Eingewöhnung. Es ist nur schade, dass ich mich jüngst verletzt habe. Deshalb trainiere ich auch gerade nicht mit der Mannschaft. Gegen Lübbecke muss ich daher leider noch pausieren.

SPORT1: Können Sie schon Vergleiche ziehen zwischen Ihrem alten und Ihrem neuen Klub?

Igropulo: Der größte Unterschied ist, dass hier zu jedem Spiel knapp 10.000 Zuschauer kommen. Die sorgen für eine unglaubliche Atmosphäre. Das erlebt man in Spanien nirgends. Auch in Barcelona kommen nicht so viele Zuschauer, außer gegen Atletico Madrid oder in der Champions League.

SPORT1: In der Bundesliga spielen sehr wenige russische Spieler. Warum scheuen sie den Sprung nach Deutschland?

Igropulo: 90 Prozent der russischen Nationalspieler spielen bei Medwedi Tschechow, wo sie gutes Geld verdienen. Sie wollen sich nicht verändern, sondern lieber mit ihren Familien dort bleiben. Es ist eben nicht so leicht, das Land zu verlassen, eine neue Sprache zu lernen und sich an einen anderen Lebensstil zu gewöhnen. Für mich ist es nicht genug, das ganze Jahr über in der russischen Liga zu spielen. Denn die ist absolut öde. Medwedi ist den anderen Mannschaften zwei Schritte voraus.

SPORT1: Sie sind mit den Füchsen sehr erfolgreich in die Saison gestartet. Wo liegen die Stärken des Teams?

Igropulo: Unser Start war in der Tat nicht schlecht. Ich denke aber, dass wir noch besser spielen können. Wir sind noch nicht bei 100 Prozent. Mit jedem Spiel werden wir uns verbessern.

SPORT1: Auch der kommende Gegner Lübbecke ist sehr gut gestartet. Haben Sie sich schon über ihn informiert?

Igropulo: Natürlich habe ich Informationen über die Mannschaft. Aber die kann ich Ihnen natürlich nicht vor dem Spiel erzählen, denn sie gehören zu unserer Taktik. Wir schauen aber vor allem auf uns und werden auf jeden Fall 100 Prozent geben. Es wird keine leichte Aufgabe für uns. In der Bundesliga ist es immer schwer, auswärts anzutreten. Denn jede Mannschaft hat ihre Fans, die sie antreiben.

SPORT1: Wir haben bei SPORT1 ein Online-Managerspiel (Handball-Manager: Jetzt aufstellen!), bei dem Sie am häufigsten gekauft wurden. Woran könnte das liegen?

Igropulo: Da müssten Sie die Hobby-Manager fragen, die mich gekauft haben, ich kann Ihnen leider keine Erklärung geben. Aber es überrascht und ehrt mich natürlich, dass die Fans auch spielerisch das Vertrauen in mich setzen.

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