Zeitz (r.) und Kiel sicherten sich 2011/12 mit einem Sieg gegen den SCM vorzeitig den Titel © xpb

Die Kieler wollen sich vom Ende ihrer Siegesserie in Berlin nicht aus der Spur bringen lassen. Der SCM wittert seine Chance.

Von Tobias Wiltschek

München - Die Pause nach dem 26:26 bei den Füchsen Berlin (Bericht) war lang.

Neun Tage hatten die Kieler Zeit, das Ende ihrer Superserie von 40 Siegen hintereinander zu verdauen, ehe es für sie am Dienstag gegen den SC Magdeburg (ab 19.25 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) wieder um Punkte in der DKB Handball-Bundesliga geht.

Die ersten beiden Tage hatte ihnen Trainer Alfred Gislason frei gegeben. Doch so richtig abschalten konnten die "Zebras" nicht.

Vier-Tore-Vorsprung verspielt

Spieler und Coach standen noch zu stark unter dem Eindruck dieses dramatischen Remis, das sich für die Kieler wie eine Niederlage anfühlen musste (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Schließlich hatten sie in den letzten sieben Minuten einen Vier-Tore-Vorsprung verspielt.

Es war zwar der erste Punktverlust in der laufenden Saison, doch er reichte, um die sonst so souveränen Kieler ins Grübeln zu bringen.

Team noch nicht eingespielt

Die Truppe sei erstens noch nicht richtig eingespielt und leide dazu noch unter den Nachwirkungen der Olympischen Spiele, monierte Gislason.

"Sie sind immer noch müde", sagte der Isländer über die sieben London-Fahrer. Auch Olympiasieger Daniel Narcisse sei "im Kopf noch in London".

Der Franzose schwankt in seinen Leistungen noch zu sehr und erwischte - wie auch Filip Jicha - in Berlin nicht seinen besten Tag.

Dennoch gibt sich Jicha trotzig und tönt: "Wir bewahren Ruhe und feiern im Juni auf dem Rathausplatz die Meisterschaft."

Verlust von Andersson wiegt schwer

Bis es soweit ist, muss sich der THW aber noch steigern. Vor allem den Verlust von Kim Andersson, der bei KIF Kolding anheuerte, konnten die Kieler noch nicht kompensieren.

"Er kann nicht sofort wie ein Andersson spielen", sagte Gislason auf die Frage nach den Qualitäten von Neuzugang Marko Vujin.

Dennoch hält er nach wie vor große Stücke auf den Serben, der auf die beiden Test-Länderspiele am vergangenen Wochenende gegen Deutschland verzichtete. (BERICHT: Schritt für Schritt zu alter Stärke)

"Es ist zu spüren, dass er alles dafür tun will, um besser reinzukommen", stellte der Coach zufrieden fest.

Schon im Heimspiel gegen den SC Magdeburg wird der 27-Jährige wieder voll gefordert sein.

Kretzschmar sieht schwarz für SCM

Denn mit dem Traditionsverein aus Sachsen-Anhalt stellt sich ein durchaus selbstbewusster Gegner an der Förde vor, auch wenn SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar den Gästen nicht viel zutraut:

"Für Magdeburg schwant mir nichts Gutes. Nachdem die Kieler gegen Berlin einen Punkt liegen gelassen haben, dürfte der THW jetzt doppelt motiviert und angestachelt sein."

Nach dem klaren 36:30-Erfolg in eigener Halle gegen HBW Balingen-Weilstetten kletterten die Grün-Roten auf Platz sechs, und Stefan Kneer schickt schon mal eine Kampfansage nach Kiel.

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"Nichts zu verlieren"

"Wir haben nichts zu verlieren, können befreit aufspielen. Am Anfang der Saison ist der THW noch nicht so gut eingespielt. Da kann unsere Chance liegen", erklärte der Nationalspieler, der vor der Saison vom TV Großwallstadt an die Börde wechselte.

Kneer stieß zusammen mit Moritz Schäpsmeier von den Nord-Bayern nach Magdeburg. Sie sollen erst einmal die langzeitverletzten Fabian van Olphen und Jure Natek auf den Halbpositionen ersetzen und später den Konkurrenzkampf in diesem Mannschaftsteil fördern.

Carstens will Platz fünf

Trainer Frank Carstens will den Aufschwung der Magdeburger in dieser Saison fortsetzen, nachdem sich der SCM schon in den vergangenen Spielzeiten von Platz elf über Platz sieben bis auf Rang sechs stetig steigerte.

"Wir wissen, dass Platz fünf ein ambitioniertes Ziel ist, aber wir haben einen Kader, mit dem diese Zielsetzung umgesetzt werden kann", betonte Carstens, der am Tag nach dem Spiel in Kiel 41 Jahre alt wird.

Sensation vor dem Geburtstag?

Sollte er mit einem Auswärtssieg in seinen Geburtstag hinein feiern können, wäre das sicherlich eine Sensation.

Immerhin sollte er noch am besten wissen, wie man den THW in die Knie zwingen kann.

Am 4. Mai 2011 gelang es seinem SCM beim 30:24 als bislang letztem HBL-Klub, dem Rekordmeister eine Niederlage zuzufügen.

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