Oliver Roggisch (r., mit Niklas Landin) spielt seit 2007 bei den Rhein-Neckar Löwen © imago

Trotz einiger Hindernisse legen die Löwen einen grandiosen Saisonstart hin. Neue Spieler und Eigenschaften machen sich bezahlt.

Von Annette Bachert

München/Mannheim - Weniger Geld, keine übersteigerten Erwartungen und ein rundum erneuerter Kader: Das ist das neue Erfolgsrezept der Rhein-Neckar Löwen.

Seit dem Ausstieg von Geldgeber Jesper Nielsen vor wenigen Monaten, dem damit verbundenem Umbruch im Kader und einer ungewöhnlichen Vorbereitung läuft es bei den Mannheimern besser denn je.

Mit 10:0 Punkten führt das Team von Cheftrainer Gudmundur Gudmundsson die Tabelle der DKB Handball-Bundesliga an. Keinen einzigen Punkt gaben die Löwen bisher ab - und das gelang noch nicht einmal dem Zu-Null-Meister von 2012 THW Kiel (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Acht Abgänge, neun Neuverpflichtungen

Zu erwarten war dieser Lauf jedoch nicht. Mit Karol Bielcki, Krzysztof Lijewski, Michael Müller, Ivan Cupic, Henning Fritz, Robert Gunnarsson, Börge Lund und Niklas Ruß hatten die Mannheimer zahlreiche namhafte Abgänge zu verkraften.

Im Gegenzug mussten mit Kim Ekdahl Du Rietz, Alexander Petersson, Marius Steinhauser, Matthias Gerlich, Gedeon Guardiola, Isaias Guardiola, Nils Kretschmer, Niklas Landin und Jonas Maier gleich neun neue Spieler integriert werden.

Und das in einer Vorbereitung, in der einige Spieler sowie Cheftrainer Gudmundsson bis wenige Tage vor Saisonstart bei den Olympischen Spielen weilten.

Kretzschmar begeistert

Das alles scheint den neuen Löwen nichts auszumachen. Fünf Siege in fünf Partien lautet die Bilanz in der laufenden Spielzeit - auch wenn der ganz große Gradmesser bisher noch nicht dabei war.

SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar ist, wenn auch wider Willen, vom Gudmundsson-Team begeistert.

"Ich hätte nicht gedacht, dass ich das noch einmal sagen werde, aber die Rhein-Neckar Löwen haben sich sehr gut und zu einer sympathischen Mannschaft entwickelt, der man gerne zuschaut. Sie können die Überraschungsmannschaft er Saison sein", sagt der ehemalige Nationalspieler.

In diesem Sommer haben die Mannheimer die Neuverpflichtungen nicht nach der Torschützenliste gekauft. "Man hat geschaut, dass sie auch menschlich ins Team passen", führt Kretzschmar aus.

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"Beste Mannschaft aller Zeiten"

Sogar die unterlegenen Gegner geraten über die Löwen derzeit ins Schwärmen.

"Die Rhein-Neckar Löwen haben meiner Meinung nach ihre beste Mannschaft aller Zeiten. Ich habe alle Spiele gesehen und sie haben eine wahnsinnige Qualität in ihrem Kader", sagt Großwallstadts Coach Peter David nach der 24:30-Pleite in der "Allgemeinen Zeitung".

Riesiges Potential

Das bestätigt auch Kretzschmar und hebt einige Akteure hervor.

"Kim Ekdahl du Rietz gefällt mir gut, Uwe Gensheimer bietet jedes Spiel eine starke Leistung und auch der neue Rechtsaußen Marius Steinhauser macht seine Sache gut", lobt er.

Mit Goran Stojanovic und Niklas Landin verfügen die Löwen laut Kretzsche sogar über "das beste Torhüter-Duo der Liga. Da ist eine Menge Qualität im Kader".

Neben den starken Einzelspieler macht vor allem auch die Spielweise den Vorjahres-Fünften derzeit so stark.

"Die Löwen haben auch mittlerweile ein Spielsystem und eine Spielfreude entwickelt, mit der man sie wirklich ernst nehmen muss, und die vorne ein Wörtchen mitreden können", erklärt Kretzschmar.

"Immer eine sehr große Klappe gehabt"

Auffällig ist auch die neu-gewonnen Zurückhaltung, die die Löwen offenbar befreiter aufspielen lässt.

"Wir haben dieses Jahr keine so hohen Ziele ausgegeben, was ich sehr charmant finde. Die letzten Jahre hat man immer eine sehr große Klappe gehabt, was die Saisonziele angeht, und wir haben es nie erreicht", erkennt Kreisläufer und Abwehrchef Oliver Roggisch.

Und fügt an: "Dieses Jahr haben wir die Ziele nicht so hoch gesteckt. Wir wollen schönen und schnellen Handball spielen und die jungen Leute integrieren."

Manager Storm ist stolz

Eine weitere Stärke der Mannheimer ist neuerdings die Konstanz. In der vergangenen Saison ließen die Löwen einem starken Spiel oft ein schwaches folgen, wie die Pleite in Hannover nach dem Sieg gegen den HSV Hamburg zeigte.

In dieser Spielzeit aber steigerten sich die Löwen von Spiel zu Spiel und überzeugten auch mit ihrer kämpferischen Leistung, wie der knapp 31:29-Erfolg gegen die HSG Wetzlar beweist.

"Wir haben nicht super gespielt, aber trotzdem gewonnen. Diese Erfahrung ist wichtig", erklärt Gudmundsson.

Und Manager Thorsten Storm sagt nicht ohne Stolz: "Der Wille war sensationell, dafür haben die Jungs ein Kompliment verdient. Jetzt sind wir Tabellenführer, das können wir genießen."

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