Volker Zerbe wurde mit dem TBV Lemgo zweimal Deutscher Meister © getty

Der Bundesligist zieht gegen Ex-Geschäftsführer Zerbe vor Gericht. Der Grund sind finanzielle Ungereimtheiten. Auch Holpert geht.

Lemgo - Neues Kapitel im Finanz-Krimi beim TBV Lemgo:

Der DKB Handball-Bundesligist TBV Lemgo stellt Strafanzeige gegen seinen ehemaligen Sport-Geschäftsführer Volker Zerbe und trennt sich von seinem Finanz-Geschäftsführer Fynn Holpert.

Das gab der Beirat des zweimaligen deutschen Meisters nach einer außerordentlichen Sitzung am Donnerstag bekannt. Hintergrund sind finanzielle "Ungereimtheiten", die die Ostwestfalen im Sommer an den Rand der Insolvenz geführt hatten.

Der Vertrag mit Ex-Nationalspieler Zerbe, Europameister von 2004, war Ende August wegen eines Burn-outs aufgelöst worden. Jetzt wirft der Klub dem 44-Jährigen vor, ihn finanziell geschädigt zu haben.

Keine außergerichtliche Einigung

"Im Rahmen intensiver Überprüfungen", teilte Beirat Herbert Vogel mit, seien "Ungereimtheiten festgestellt" worden.

"Weitergehende Nachforschungen führten zu der Erkenntnis, dass der Verein in den zurückliegenden zwei Geschäftsjahren in sechsstelliger Höhe geschädigt wurde", sagte Vogel weiter.

Es seien in diesem Zeitraum Sponsorenverträge abgeschlossen worden, "die nicht erfüllt wurden".

Man habe erfolglos versucht, sich außergerichtlich mit Zerbe zu einigen. Der 284-malige Nationalspieler war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

"Es ist bitter, dass so eine Ikone einer kleinen Gemeinde in solch ein tiefes Loch stürzt", sagte der Beiratsvorsitzende Siegfried Haverkamp: "Wir haben versucht, es moderat zu lösen, aber leider ist es in eine andere Richtung gegangen."

[kaltura id="0_lcuuaocj" class="full_size" title=" Tag der Offenbarung in Lemgo"]

Liquiditätslücke von über einer Millionen Euro

Im Sommer hatte eine Liquiditätslücke von über einer Million Euro den Klub nahe an den Kollaps gebracht. Durch eine Rettungsaktion in nur zwei Wochen verhinderte der Traditionsklub das Aus.

Lokale Sponsoren sprangen ein, die Spieler verzichteten auf 15 Prozent ihrer Gehälter.

"Der Verein stand kurzzeitig mit dem Rücken zur Wand", sagte Haverkamp im Sommer, befinde sich inzwischen aber wieder "in ruhigen Gewässern".

Holpert tritt zurück

Gegen Holpert ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Urkundenfälschung und des versuchten Betrugs.

Es geht um einen Scheck über 200 Millionen Euro, den der TBV-Geschäftsführer zusammen mit angeblichen Investoren bei der Sparkasse Lemgo präsentiert haben soll.

Staatsanwalt Michael Kempkes bestätigte die Ermittlungen gegenüber SPORT1.

"Bei der Sparkasse Lemgo waren im Dezember letzten Jahres Herr Holpert und drei weitere Personen erschienen, um Verhandlungen für ein Großprojekt zu führen. Es sollte versucht werden, die Sparkasse Lemgo mit in dieses Projekt einzubinden", sagte Kempkes und erläuterte:

"Es hat sich dann der Verdacht ergeben, dass dieser Scheck gefälscht sein könnte. Diesem Verdacht wird jetzt nachgegangen."

Sprdlik und Beuchler übernehmen

Der ehemalige Torhüter kündigte an, mit dem Beirat und der Staatsanwaltschaft zusammenzuarbeiten, um den Fall aufzuklären. Sein Amt als Geschäftsführer übernimmt vorerst der 33 Jahre alte Sportfachwirt Christian Sprdlik. Trainer Dirk Beuchler wird zusätzlich den Posten von Zerbe übernehmen.

"Wir sind überzeugt, dass er das schafft. Er besitzt den Trainerschein in Deutschland und in Spanien und hat darüber hinaus Sportmanagement studiert. Bessere Voraussetzungen kann man eigentlich nicht haben", sagte Haverkamp.

Zerbe spielte von 1986 bis 2006 für den TBV Lemgo in der Bundesliga. Der Linkshänder wurde mit den Ostwestfalen 1997 und 2003 deutscher Meister.

Nach seinem Karriereende wechselte er als Sportlicher Leiter und Geschäftsführer ins Management und sprang zweimal als Interimstrainer ein.

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