Marko Vujin verlor mit Serbien das Finale bei der Heim-EM 2012 gegen Dänemark © getty

Rückraumstar Marko Vujin spricht im SPORT1-Interview über seine Abwehr-Schwäche, Handball in Serbien und Kiels Schwachstellen.

Von Annette Bachert

München/Kiel - Marko Vujin ist der neue Mann im Kieler Star-Rückraum.

Neben Filip Jicha, Daniel Narcisse, Aron Palmarsson, Christian Zeitz und seinem serbischen Nationalmannschaftskollegen Momir Ilic soll der Linkshänder beim Triple-Sieger für mehr Torgefahr sorgen.

Im ersten Pflichtspiel für Kiel, beim Super-Cup-Triumph über die SG Flensburg-Handewitt (Bericht), deutete Vujin als bester Schütze (9/4) bereits sein Potential an.

Ob er den nach Kopenhagen abgewanderten Kim Andersson ersetzen kann, bleibt allerdings fraglich.

Kein Andersson-Ersatz

Doch das will der 2-Meter-Hüne auch gar nicht, wie er SPORT1 verrät: "Ich bin ein anderer Spieler und möchte meine eigenen Akzente setzen."

Der 27-Jährige spricht im SPORT1-Interview über seinen Wechsel nach Kiel, Handball in Serbien und seine Abwehr-Schwäche.

SPORT1: Herr Vujin, Sie sind jetzt seit einigen Wochen in Kiel. Haben Sie sich schon eingelebt?

Marko Vujin: Inzwischen kenne ich die Stadt schon ganz gut. Ich weiß jetzt, wo ich was bekommen kann. In den ersten Tagen war dies immer etwas schwierig, da musste ich bei jeder Fahrt das Navigationssystem laufen lassen.

SPORT1: Wie ist Ihr Eindruck vom Team und dem ganzen Umfeld in Kiel?

Vujin: Die Mannschaft ist fantastisch, jeder will mir helfen. Das ist wichtig für mich, das macht mir meinen Start hier einfacher. In Kiel spielen nicht nur große Spieler, sondern auch große Persönlichkeiten. Ich bin stolz, mit ihnen in einer Mannschaft spielen zu dürfen.

SPORT1: Was hat Sie bisher am meisten beeindruckt?

Vujin: Am meisten beeindruckt haben mich die Menschen in Kiel: Kiel ist eine absolute Handballstadt, das spürt man überall. Mein erstes Spiel war eine großartige Erfahrung, vor 10.285 Zuschauern gegen Minden zu spielen war einfach unglaublich.

SPORT1: Was hat Sie dazu bewogen nach Deutschland zu wechseln?

Vujin: Ich wollte schon immer bei einem großen Verein spielen. Jetzt bin ich Teil des besten Klubs der Welt. Für mich ist das ein wichtiger Schritt in meiner Karriere, ich möchte mich weiterentwickeln und mit dem THW Großes erreichen.

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SPORT1: Welche Rolle hat Coach Alfred Gislason dabei gespielt?

Vujin: Ich arbeite jetzt mit dem besten Trainer der Welt zusammen. Ich hoffe, ich kann ihm irgendwann ein bisschen von dem zurückgeben, was er an Vertrauen in mich setzt.

SPORT1: Welche Ziele haben Sie sich beim THW gesetzt?

Vujin: Ich spiele beim besten Verein der Welt. Natürlich möchte man hier eine Menge Titel gewinnen.

SPORT1: Wie werden die Bundesliga und auch der THW in Serbien wahrgenommen?

Vujin: Jeder kennt den THW Kiel in Serbien. Und ich bin stolz, als serbischer Nationalspieler bei diesem Klub spielen zu dürfen. Das ist das höchste Ziel für einen Handballspieler überhaupt. In meiner Heimat wissen die Menschen gut Bescheid über die Bundesliga, viele Spiele werden live im Fernsehen gezeigt - vor allem die des THW.

SPORT1: Im Januar war die Europameisterschaft in Ihrer Heimat. Hat dieses Event dem Handball einen Schub gegeben?

Vujin: Die Silbermedaille im eigenen Land war eine großartige Werbung für den Handball, der in Serbien einen hohen Stellenwert hat. Natürlich war unser Abschneiden bei Olympia enttäuschend, aber wir hoffen, bei der Weltmeisterschaft in Spanien an unsere Leistung bei der EM anknüpfen zu können und ein besseres Resultat zu erreichen.

SPORT1: Bisher hat Kiel alle Spiele in der Liga souverän gewonnen. Wo hat der THW derzeit aber noch Schwachstellen?

Vujin: Der THW hat keine Schwachstellen. Die Mannschaft ist auf jeder Position mit zwei Weltklasse-Spielern besetzt, das ist unser großes Plus. Andere Mannschaften haben das nicht.

SPORT1: Sie sind Kim Anderssons Nachfolger und treten damit ein sehr schweres Erbe an. Können Sie ihn voll und ganz ersetzen?

Vujin: Kim Andersson hat eine überragende Saison gespielt. Aber ich bin ein anderer Spieler und möchte meine eigenen Akzente setzen.

SPORT1: Woher kommt es, dass Sie bisher kaum in der Abwehr eingesetzt wurden?

Vujin: Meine bisherigen Trainer haben mich geschont. Ich denke, das war ein Fehler. Um ein kompletter Spieler zu sein, muss man auch in der Defensive gut spielen. Das möchte ich in Kiel erreichen. Jetzt fühle ich mich von Spiel zu Spiel sicherer in der Abwehr. Marcus Ahlm ist mir dabei eine große Hilfe, von ihm kann ich viel lernen.

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