Igor Vori (r.) wechselte 2009 von RK Zagreb zum HSV Hamburg © imago

Das Remis gegen Flensburg verärgert Hamburgs Kapitän Pascal Hens. In Berlin herrscht vor dem Knaller gegen Kiel dicke Luft.

Von Annette Bachert

München - Es war der vierte Krimi in neun Tagen - doch erstmals ohne ein glückliches Ende für den HSV Hamburg.

Nach den knappen und hart erkämpften Siegen gegen den SC Magdeburg, Wisla Plock und St. Raphael reichte es gegen die SG Flensburg-Handewitt nur zu einem 25:25-Remis (Bericht).

Die Stimmung bei den Hamburgern war nach dem Nord-Derby dementsprechend gedrückt.

"Wir mussten am Ende sogar noch zittern, dass wir überhaupt einen Punkt holen. Das darf uns nicht passieren, aber es ist uns passiert. Das ist bitter", gestand HSV-Kapitän Pascal Hens im SPORT1-Interview.

Cheftrainer Martin Schwalb sagte: "Am Ende hatten wir die Chance zu gewinnen, aber wir müssen und können mit dem Unentschieden leben."

Keine Ausreden von Hens

Denn die Voraussetzungen gegen den Vize-Meister waren alles andere als optimal.

Fünf Partien absolvierte der HSV in der laufenden Spielzeit bereits, die SG im gleichen Zeitraum dagegen nur zwei. Und nach dem vierten engen Match in neun Tagen war die Erschöpfung bei den Hamburgern nicht zu übersehen (STENOGRAMME: Der 4. Spieltag).

"Die Mannschaft hat gekämpft, aber die Beine waren doch etwas schwer. In einigen Situationen hätte ich mir etwas mehr Durchsetzungsvermögen gewünscht", gab Schwalb zu.

"Man darf nicht vergessen, wir haben heute gegen Flensburg gespielt und ein hartes Wochenende hinter uns", sagte Hens und fügte an: "Das ist aber keine Ausrede."

Flensburger Plan geht nicht auf

Eine Ausrede ist das vielleicht nicht, aber doch eine Tatsache, aufgrund der sich die Flensburger große Chancen ausrechneten.

Neuzugang Steffen Weinhold erklärte bei SPORT1: "Wir haben versucht Druck zu machen, weil der HSV drei Spiele hinter sich hat. Deswegen haben wir gedacht, dass wir hintenraus mehr Körner haben. Leider hat es nicht gereicht."

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Aufwärtstrend erkennbar

Was auch an der Klasse des Gegners lag: Der HSV präsentiert sich von Spiel zu Spiel besser und hat sich seit der Auftakt-Pleite bei der HSG Wetzlar (Bericht) deutlich gesteigert. Spielerisch lief es gegen die SG im Angriff flüssiger als noch zuletzt und auch die aggressive Deckung der Hamburger stand kompakter.

Bezüglich der Einstellung kann man den Hamburgern, betrachtet man die vergangenen Partien, ohnehin keinen Vorwurf machen.

"Wir müssen viel über den Kampf kommen. Die Leichtigkeit ist momentan nicht so vorhanden, aber die müssen wir uns wiederholen, eben über den Kampf", sagte Hens.

Hamburger auf Platz acht

Vielleicht schon beim nächsten Auftritt der Hanseaten, wenn die Schwalb-Truppe beim TSV Hannover-Burgdorf erneut um wichtige Punkte kämpft und den nächsten Schritt nach vorne machen kann.

In der Tabelle der DKB Handball-Bundesliga spiegelt sich der Aufwärtstrend der Hamburger bislang nicht wieder. Mit 5:3 Zählern stehen die Hamburger derzeit auf dem achten Rang, die SG (5:1) einen Platz davor.

Füchse-Kapitän Laen schimpft

Ganz oben im Tableau stehen die Füchse Berlin, spielerisch überzeugte der Vorjahres-Dritte bisher allerdings noch nicht.

Gegen die MT Melsungen, den Zehnten der vergangenen Spielzeit, kamen die Hauptstädter nicht über ein 27:27-Unentscheiden heraus.

"So viele von uns bringen ihre Leistung nicht - ich auch! Alle denken, es kommt von alleine. So haben wir heute einen Katastrophen-Punkt verloren", schimpfte Füchse-Kapitän Torsten Laen.

Sigurdsson Schuld?

Coach Dagur Sigurdsson zeigte sich weniger aufbrausend und nahm die Schuld, zumindest in Teilen, auf sich.

"Wir haben zu viele Gegenstöße bekommen und auch kraftmäßig nachgelassen. Wir hätten breiter aufgestellt sein müssen, das geht auch auf meine Kappe. Wenn Lund und Igropulo nicht spielen, haben wir wenig Alternativen", gab der Isländer zu.

Spielmacher Börge Lund plagt sich seit Wochen mit einer schmerzhaften Rippenverletzung herum, Linkshänder Konstantin Igropulo verletzte sich gegen die MT in den ersten Minuten (Verdacht auf Bauchmuskelzerrung) und konnte anschließend nur noch bedingt eingesetzt werden.

Extra-Lob für "Smöre"

Einzig Nationalspieler Sven-Sören Christophersen, der mit zehn Treffern bester Berliner Schütze war, schöpft sein Potential derzeit aus (STENOGRAMME: Der 9. Spieltag).

"Sven-Sören Christophersen hat uns in der zweiten Halbzeit getragen, aber wir haben nicht gut gespielt", hob Sigurdsson den Halblinken heraus.

Und nun steht den Füchsen gegen den THW Kiel (So., ab 17 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) die denkbar schwerste Aufgabe bevor.

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