Holger Glandorf wechselte 2011 vom TBV Lemgo zur SG Flensburg-Handewitt © imago

Nach seiner langen Verletzungspause spricht Flensburgs Glandorf bei SPORT1 über seine Leidenszeit und seine Zukunft im DHB-Team.

Von Annette Bachert

München - Holger Glandorf ist wieder da - noch nicht zu 100 Prozent, aber jeden Tag ein bisschen mehr.

Die ersten Partien nach seiner schweren Fersen-Verletzung (Bericht) hat der Halbrechte der SG Flensburg-Handewitt bereits hinter sich gebracht und dabei aufblitzen lassen, wie wichtig er für den Vize-Meister ist und bald auch wieder für die deutsche Nationalmannschaft sein kann.

Bei den Kantersiegen in der DKB Handball-Bundesliga gegen Essen und Balingen steuerte Glandorf acht sowie zwei Treffer bei.

Im SPORT1-Interview spricht der 29-Jährige über seine Leidenszeit, die Ziele mit Flensburg sowie den Ausfall von Petar Djordjic und die Vorzüge von Ersatz Arnor Atlason.

SPORT1: Nach der schweren Verletzung haben Sie nun die ersten Spiele bestritten. Wie fühlt es sich an, wieder auf dem Handballfeld zu stehen?

Holger Glandorf: Es ist absolut super, dass ich wieder dabei bin und es zum Saisonstart schon geklappt hat. Ich hatte mehrere Prognosen - auch für später. Dass alles nun so schnell ging, überrascht mich auch ein wenig und ich bin froh, dass es funktioniert hat.

SPORT1: Teilweise war schon wieder fast der alte Holger Glandorf zu sehen. Bei wie viel Prozent sind Sie nun etwa?

Glandorf: Das ist schwer zu sagen, ich habe bislang nur drei Spiele über 30 Minuten gemacht. Bei hundert Prozent bin ich sicherlich noch nicht, ganz klar. Es ist abhängig von der Tagesform. Aber ich bin auf einem guten Weg und mache jeden Tag einen kleinen Schritt in die richtige Richtung.

SPORT1: Sie lagen lange Zeit im Krankenhaus, wurden mehrfach operiert und es wurde sogar über Ihr Karriereende spekuliert. Wie haben Sie die letzten Monate erlebt?

Glandorf: Ich habe mir eine Auszeit genommen, bin mit meiner Familie in den Urlaub gefahren, um den Kopf einfach völlig frei zu bekommen. Alle haben mir sehr geholfen: meine Familie, der Verein, die ganze Mannschaft und das Umfeld. So war für mich die ganze Quälerei wesentlich einfacher.

SPORT1: Haben Sie um Ihre Karriere gefürchtet?

Glandorf: Ja, natürlich. Auch, weil es für die Ärzte schwer war etwas zu sagen. Keiner weiß genau, wie so etwas verläuft. Daher musste ich mich zwischenzeitlich auch mit diesem Thema beschäftigen. Gehofft habe ich es natürlich nicht - stattdessen fest dran geglaubt, dass ich wieder spielen werde.

SPORT1: Kann man sich nach so einer schweren Verletzung davon wieder komplett frei machen?

Glandorf: Solange ich nichts merke, kann ich mich davon frei machen. Aber sobald etwas anfängt zu zwicken oder zu drücken, werde ich etwas vorsichtiger. Echte Probleme bereitet mir das zur Zeit nicht, obwohl das Risiko nach solchen Verletzungen an dieser Stelle immer steigt.

SPORT1: Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?

Glandorf: Ich werde nicht mehr so langfristig planen, sondern mich eher auf die kürzeren Sachen konzentrieren. Auch an meinem Beispiel kann man sehen, dass es relativ schnell vorbei sein kann.

SPORT1: Mehr auf den eigenen Körper hören?

Glandorf: Es ist ganz klar, dass Gesundheit und Familie an erster Stelle stehen. Dennoch ist Handball für mich eines der wichtigsten Dinge.

SPORT1: Wie sind nun generell Ihre Ambitionen im Nationalteam, ist die WM 2013 ein Thema?

Glandorf: Das muss ich abwarten. Natürlich ist mein Trainingsrückstand ziemlich groß, da ich bei einem Großteil der Vorbereitung nicht dabei war. Ab Oktober kommen die schweren Wochen mit Spielen im Drei-Tage-Rhythmus durch Bundesliga und Champions League. Erst wenn ich sehe, wie mein Körper darauf reagiert, kann ich eine Entscheidung treffen. Eines ist aber klar: Ich werde nur topfit zur WM anreisen - sonst macht es für mich zur Zeit keinen Sinn.

SPORT1: Zurück zur Liga. Wie bewerten Sie Flensburgs Saisonauftakt?

Glandorf: Es war ein ordentlicher Saisonstart, die Siege waren gut, um wieder hineinzukommen.

SPORT1: Welche Ziele haben Sie sich und mit dem Team für die kommende Saison gesetzt?

Glandorf: Wir wollen alles geben und so viel wie möglich erreichen. Aber aktuell freuen wir uns über den guten Saisonstart.

SPORT1: Ist die SG stark genug, den THW anzugreifen?

Glandorf: Wir sind nicht so weit weg, obwohl der THW in der abgelaufenen Saison so dominant war. Oft entscheidet einfach die Tagesform. Wir werden immer kämpfen und alles geben - mal sehen, was dabei herumkommt.

SPORT1: Mit Djordjic fällt ein wichtiger Baustein im Flensburger Team länger aus. Wie schwer wiegt dieser Ausfall und inwieweit kann Atlason ihn ersetzen?

Glandorf: Djordjic ist ein starker Verlust, weil er letzte Saison einen großen Schritt gemacht und in der Vorbereitung sehr gut trainiert hat. Besonders mit seiner Wurfgefahr kann er uns sehr weiterhelfen. Arnor hingegen ist ein ganz anderer Spielertyp, nicht so wurfgewaltig. Aber mit seiner Erfahrung kann er uns weiterhelfen.

SPORT1: An Wurfgewalt fehlt es der SG mit Ihnen und beispielsweise Lars Kaufmann ohnehin nicht. Macht Atlason den Rückraum etwas variabler?

Glandorf: Ja natürlich. Er ist spielerisch sehr stark und gut im Eins-gegen-Eins. Da sind wir jetzt schon breiter aufgestellt.

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