Die HSG Wetzlar konnte in dieser Saison beide Spiele gegen Hüttenberg gewinnen © imago

Wetzlar, der Bergischer HC und Hüttenberg kämpfen um einen Platz in der Toyota HBL. Die beiden Aufsteiger scheinen im Nachteil.

Von Barnabas Szoecs

München - So wollten sie die Aufmerksamkeit der Handball-Fans sicherlich nicht erregen, doch nun stehen der Bergische HC, die HSG Wetzlar und der TV 05/07 Hüttenberg im Rampenlicht.

Die Freude über das neu entfachte Interesse dürfte sich beim Trio allerdings sehr in Grenzen halten, das Keller-Trio fechtet zwei Spieltage vor Saisonende im Fernduell zwei Absteiger aus.

Und als ob es für die Teams nicht schon schlimm genug wäre, um ihre sportliche Existenz zu kämpfen, ist ihnen nun auch noch die Aufmerksamkeit der gesamten Toyota HBL sicher.

Schuld daran ist die kristallklare Situation an der Tabellenspitze: (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Kiel sorgt für Langeweile oben

Da der THW Kiel im Stile eines unaufhaltsamen Bulldozers die gesamte Konkurrenz beiseite geräumt hat und sich bereits seit Wochen Meister nennen darf, richten sich die Blicke nun auf den spannenden Abstiegskampf.

Selbst der sonst so hart umkämpfte Wettstreit um die Europa-Plätze ähnelt im Saisonfinale 2011/12 eher einem gutbesuchten Strand, an dem die Sonnenliegen schon im Morgengrauen mit einem ausgebreiteten Badetuch reserviert sind.

Mit anderen Worten: Die Würfel sind gefallen. Neben Liga-Krösus Kiel nehmen auch Flensburg und Berlin an der Champions League teil, der HSV hat den Qualifikations-Platz inne. Für die Rhein-Neckar Löwen geht es in der kommenden Spielzeit in den EHF-Pokal.

Spannung im Keller

Für große Spannung und Überraschungen ist also nur noch im Tabellenkeller gesorgt, dort jedoch gewaltig:

Nur zwei winzige Zähler trennen den Tabellen-15. Wetzlar von den punktgleichen Verfolgern Hüttenberg und Bergischer HC auf den Abstiegsplätzen 16 und 17, Ausrutscher im Fernduell könnten den bitteren Gang in die Zweite Liga bedeuten.

Aus tabellarischer Sicht hat es die HSG in der eigenen Hand, den Klassenerhalt zu schaffen.

[kaltura id="0_xwdwauqq" class="full_size" title=" Abstiegskampf ist Nervenschlacht pur "]

Wetzlar glaubt an Klassenerhalt

Doch mit einem Auswärtsspiel in Gummersbach sowie der abschließenden Heimpartie gegen Magdeburg dürften zwei Siege alles andere als leicht werden. Der Glaube an die Erstklassigkeit ist bei den Hessen aber ungebrochen:

"Ich bin guter Dinge, dass wir noch unsere Punkte holen", sagte HSG-Torwart Nikolai Weber nach der knappen Niederlage gegen Hamburg und vor den beiden Schicksalsspielen gegen Gummersbach und Magdeburg.

An mangelnder Einstellung wird es den Hessen im Liga-Endspurt sicherlich nicht fehlen: "Wir haben Moral gezeigt, das ist das Wichtigste für die letzten beiden Spiele", so Rückraummann Alois Mraz.

HSG-Trainer Kai Wandschneider bekräftigte dies: "Wir sind trotz der Niederlage einen Schritt weiter."

Zusätzlicher Druck bei Hüttenberg

Bei Konkurrent TV Hüttenberg ist die Lage vor dem zweiteiligen Showdown hingegen alles andere als stabil.

Besonders durch die Niederlage gegen den direkten Abstiegsgegner aus dem Bergischen Land am vergangenen Spieltag, haben sich die Spieler von Coach Jan Gorr zusätzlichen Druck verschafft

"Wir waren über 40 Minuten weit weg von dem, was wir als unsere Leistungsgrenze sehen. Wir haben erst frei und aggressiv gespielt, als wir aussichtslos hinten lagen. Ich bin sehr enttäuscht."

Keine guten Voraussetzungen für das anstehende Duell gegen die Rhein-Neckar Löwen (Sa., 19 Uhr im LIVESTREAM) sowie das wohl entscheidende Finale beim TV Grosswallstadt. In beiden Partien sind die Hüttenberger klarer Außenseiter, damit auch am meisten in Abstiegsgefahr.

Bergischer HC holt sich Selbstvertrauen

Die besseren Karten im Kampf um den Ligaverbleib hat der Bergische HC, der Sieg gegen Hüttenberg steigert das zuletzt angekratzte Selbstbewusstsein enorm:

"Mit jeder Niederlage ist unser Selbstvertrauen ein Stück weniger geworden. Das hat uns zuletzt gefehlt. Jetzt können wir aber die letzten beiden Partien mit Selbstvertrauen angehen", sagte Kenneth Klev unmittelbar nach dem Abstiegsduell.

Zumal der BHC am vorletzten Spieltag den 14. aus Balingen empfängt - ein Sieg ist quasi Pflicht. Mit der Auswärtspartie bei den Rhein-Neckar Löwen wartet jedoch am Ende ein umso schwierigerer Brocken.

Nerven und Wille entscheidend

Klar scheint nur, dass am Ende wohl die Nerven und der Wille über Freud und Leid entscheiden werden.

Aufgrund des vergangenen Spieltags dürfte somit Hüttenberg klarster Abstiegskandidat sein. Doch an Kampfgeist mangelt es ihnen dennoch nicht, wie Trainer Gorr klarmacht: "Wir haben in dieser Saison schon mehrfach bewiesen, dass wir nach Niederlagen wieder aufstehen."

Gelingt ihnen das in den letzten beiden Spielen nicht, ist der Abstieg perfekt.

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