Bertrand und Guillaume Gille (r.) erzielten über 900 Tore in über 500 Spielen © getty

Das Spiel gegen Gummersbach gerät zur Nebensache. Beim HSV endet eine Ära: Die Gille-Brüder werden tränenreich verabschiedet.

Hamburg - Die Scheinwerfer waren noch einmal nur auf Guillaume und Bertrand Gille gerichtet.

Und so konnte jeder der 10.209 Zuschauer in der Hamburger Arena sehen, wie sehr dieser emotionale Abschied den HSV-Urgesteinen zusetzte.

Die beiden hartgesottenen Handballer, jeder vom Format einer Eiche, schämten sich ihrer Tränen nicht.

Die Fans tauchten die Halle in die französischen Nationalfarben Blau, Weiß und Rot, feierten ihre Helden mit Sprechchören und hielten überdimensionale Porträts ihrer Lieblinge in die Luft.

Ein absoluter Gänsehautmoment am Ende einer Ära.

Ende einer Ära

Nach zehn Jahren in der Toyota HBL verlassen die Gille-Brüder Hamburg und wechseln in ihre Heimat zu Chambery Savoie HB, wo auch ihr jüngerer Bruder Benjamin unter Vertrag steht.

"Es ist schon komisch, so in der Mitte zu stehen und Tschüss zu sagen. Ihr wart unsere Energie. Ihr wart unsere Kraft. Über Jahre. Es war eine geile Zeit", rief ein sichtlich bewegter Guillaume Gille (35) nach dem letzten Heimspiel der Saison den Fans zu. (BERICHT: Lektion für Löwen)

Sieg als Nebensache

Der für die Qualifikation zur Champions League so wichtige Sieg über den VfL Gummersbach (37:30) war da schon längst zur Nebensache geraten. Bruder Bertrand (34), der wegen einer Schulterverletzung zum Zuschauen verdammt war, meinte: "Dadurch, dass ich leider nicht spielen konnte, habe ich es umso intensiver erlebt und diese Momente genossen."

Keine Namen verkörpern das Projekt "Bundesliga-Handball in Hamburg" besser als "Gino" und "Bobo", wie sie an der Elbe liebevoll genannt werden. Die beiden Altmeister waren bei dem Klub, der seit der Saison 2002/03 in der Eliteliga spielt, von Anfang an dabei und stiegen schnell zu absoluten Identifikationsfiguren auf (Stenogramme: der 32. Spieltag).

[kaltura id="0_7g8o02o4" class="full_size" title="Gille F r immer vom HSV gepr gt"]

Aushängeschilder und Leader

Sympathischere Aushängeschilder hätte der Verein nicht finden können. Gemeinsam rackerten und kämpften sie und warfen den HSV zu zwei Pokalsiegen, einem Europapokal-Triumph und im vergangenen Sommer zur deutschen Meisterschaft (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle der Toyota HBL).

Bertrand, der als Kraftpaket am Kreis allein durch seine Präsenz in die dichtesten Deckungen Löcher zu reißen schien, hielt allein in 255 Liga-Spielen (895 Tore) seine Knochen für den HSV hin. Guillaume, der Kapitän, Spielmacher auf schnellen Beinen und geniale Abwehrrecke, kommt auf 655 Tore in 259 Liga-Spielen.

Doch noch bedeutender, als es Zahlen je ausdrücken könnten, war ihre Rolle als Leader in der Mannschaft. "Alles, was der Klub erreicht hat, hat er zu einem großen Teil ihnen zu verdanken. Mit ihrem Abgang geht beim HSV die erste Ära zu Ende", sagte Trainer und Präsident Martin Schwalb, der neben den Gilles auch Marcin Lijewski, Renato Vugrinec und Zoran Djordjic verabschiedete.

Noch zwei Spiele

Im Scheinwerferlicht aber standen am Mittwochabend nur "Gino" und "Bobo". Obwohl noch zwei Spiele anstehen - in Wetzlar und Göppingen - sagten die Hamburger "Adieu" und die Gille-Brüder "tschüss". In Hamburg heißt das: Auf Wiedersehen.

Am 16. August kommt Chambery Savoie HB zu einem Testspiel an die Elbe.

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