Mattias Andersson wechselte im Sommer 2011 vom TV Großwallstadt zur SG Flensburg-Handewitt © imago

Vor der Partie gegen die Löwen spricht SG-Keeper Andersson über Glandorfs Saison-Aus, die Champions League und ManUnited.

Von Hardy Heuer

München - Champions-League-Sieger, EHF-Pokal-Gewinner, mehrfacher Deutscher Meister und DHB-Pokal-Gewinner, Europameister...

Mattias Andersson hat in seiner Karriere fast schon alles gewonnen, was es als Handballer zu gewinnen gibt. Zudem spielte der SPORT1-Handballer des Monats April viele Jahre bei der besten Mannschaft in der Toyota HBL und einer der besten der Welt, dem THW Kiel.

Und dennoch entschied sich der 34-Jährige, den einige schon eher auf dem absteigenden Ast sahen, im Sommer 2011 zum Erzrivalen nach Flensburg zu wechseln.

Die SG Flensburg-Handewitt, die in den vergangenen Jahren zur dritten oder sogar vierten Kraft in Deutschland abgerutscht war, spielt nun - auch dank Andersson - eine grandiose Saison und wird diese wohl auf dem zweiten Platz beenden (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle der Toyota HBL).

Beim Lufthansa Final Four wurde der Schwede sogar zum besten Torhüter des Turniers gewählt und stach damit den ehemaligen Welthandaller Thierry Omeyer aus.

Vor dem Kracher gegen die Rhein-Neckar Löwen (ab 20.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, ab 20.05 Uhr TBV Lemgo vs SC Magdeburg LIVE im TV auf SPORT1) spricht der schwedische Ex-Nationaltorhüter im SPORT1-Interview über das dramatische Saison-Aus von Teamkollege Holger Glandorf, die Champions League und Manchester United.

SPORT1: Herr Andersson, wie überrascht sind Sie von der Platzierung der SG in dieser Saison?

Mattias Andersson: Was heißt überrascht. Die Mannschaft hatte das Ziel, sich für die Champions League zu qualifizieren. Aber wenn mir jemand vor der Saison gesagt hätte, dass wir nach dem 31. Spieltag auf dem zweiten Platz stehen werden, dann hätte ich das wohl nicht geglaubt.

SPORT1: Wieso nicht?

Andersson: Weil wir nicht so einen breiten Kader wie die anderen Topmannschaften haben. Deshalb würde ich sagen, dass wir das bisher sehr gut gemacht haben.

SPORT1: Wirklich erwartet hat das vor der Spielzeit schließlich niemand.

Andersson: Nein. Aber die Integration der neuen Spieler lief sehr schnell und hat schließlich sehr gut geklappt. Deswegen ist dieser zweite Platz für viele doch überraschend (Bericht: Flensburg auf Champions-League-Kurs).

SPORT1: Haben Sie sich selbst zugetraut, noch einmal auf solch einem hohen Niveau spielen zu können?

Andersson: Ja, auf jeden Fall. Es lief auch schon in den letzten Jahren sehr gut, auch in Großwallstadt. Unsere gute Abwehr hilft mir natürlich auch sehr. Und wenn man dann Selbstvertrauen und Sicherheit bekommt, dann kommen gute Leistungen zustande.

SPORT1: Wie schwer wog der Ausfall von Holger Glandorf?

Andersson: Wie gesagt, wir haben nicht den breitesten Kader. Holger hat bis zu seinem Ausfall sehr gut gespielt und wenn dann so ein Spieler ausfällt, ist das natürlich bitter. Aber wir haben gezeigt, dass wir auch ohne ihn sehr gut Handball spielen und erfolgreich sein können. Das zeichnet diese Mannschaft aus.

SPORT1: Wie wurde diese dramatische Situation vom Team aufgenommen?

Andersson: Wir haben natürlich mit Holger gefühlt. Das war eine schlimme Situation. Aber wir wussten, dass wir dann auch für ihn spielen müssen. Man hat auch in vielen Spielen gesehen, dass jeder ein paar Prozent mehr gegeben hat.

SPORT1: Was ist das Geheimnis des Erfolgs in Flensburg?

Andersson: Wir haben eine sehr kompakte Abwehr und spielen sehr schnell nach vorne. Wir werden auch immer von Ljubomir Vranjes taktisch sehr gut eingestellt und entwickeln uns weiter. Man hat im Laufe der Saison gesehen, dass wir immer besser spielen. Wir geben auch nie auf. Gegen Berlin lagen wir zu Hause weit hinten und sind nochmal zurückgekommen. Das ist eine große Stärke von uns.

SPORT1: Was war das für ein Gefühl, als Sie beim Pokal-Final-Four sogar von den Kieler Fans gefeiert wurden?

Andersson: Das war natürlich toll, weil ich dort viele Jahre gespielt habe. Das war eine große Anerkennung. Es hat mich sehr gefreut und stolz gemacht.

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SPORT1:Jetzt geht es gegen die Löwen. Mit einem Sieg können Sie den zweiten Platz zementieren. Was sind die Schlüssel zum Erfolg?

Andersson: Das wird ein sehr hartes Spiel, das war es bereits in Flensburg. Da muss jeder voll da sein. Ich glaube, dass es sehr kampfbetont wird. Aber wenn wir weiterhin hinten so kompakt stehen und schnell nach vorne spielen, dann werden wir ein gutes Ergebnis erzielen.

SPORT1: Wie heiß sind Sie auf die Champions League?

Andersson: Wenn wir das wirklich schaffen sollten, momentan sieht es ja ganz gut aus, dann wäre es eine riesen Herausforderung. Das ist ja auch unser Ziel gewesen, uns für die Champions League zu qualifizieren, obwohl wir wussten, dass es sehr schwer wird. Das wäre auf jeden Fall ein riesen Erfolg.

SPORT1: Worauf muss Flensburg gegen die Löwen besonders achten?

Andersson: Sie spielen sehr schnell nach vorne und haben auf den meisten Positionen sehr gute Individualisten. Deshalb müssen wir sehr wach sein.

SPORT1: Sie sind ja Fan von Manchester United. Wie haben Sie das dramatische Saisonfinale in der Premier League miterlebt?

Andersson: Natürlich habe ich mitgefiebert. Ich habe nicht gedacht, dass Manchester City das Spiel noch gewinnen kann. Und dann schießen sie in der Nachspielzeit zwei Tore. Das war unfassbar, das geht ja gar nicht. Aber United hat die Meisterschaft bereits in der Partie gegen Everton verloren, als sie 4:2 geführt haben und noch 4:4 gespielt haben.

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