Alfred Gislason wurde zum Trainer des Jahres 2001, 2009 und 2011 gewählt © getty

Alfred Gislason hat den THW Kiel zu Meisterschaft und Pokalsieg geführt. Nun strebt der isländische Perfektionist das Triple an.

Hamburg - Als die Spieler des THW Kiel ihren Siegestanz aufführten, hatte ihr Chef das Parkett längst verlassen.

Keine zwei Minuten waren nach dem eindrucksvollen 38:34-Erfolg in der Toyota HBL beim Ex-Meister HSV Hamburg vergangen, da stand Alfred Gislason bereits im Kabinentrakt der Hamburger Arena und fokussierte sich auf die nächsten Aufgaben. (BERICHT: Sieg gegen HSV - Kiel vor blütenreiner Meisterschaft)

"Wir müssen die Konzentration bis zum 2. Juni hochhalten", sagte der Kieler Trainer und verzog dabei keine Miene. Typisch Gislason.

Getrieben und besessen vom Erfolg

Der Mann aus dem nordisländischen Akureyri ist ein Getriebener, besessen vom Erfolg seiner Mannschaft.

Auf der Jagd nach Titeln und Triumphen ist er unersättlich, sein unbändiger Ehrgeiz verbietet es ihm, Siege wie den gegen den HSV, den großen Rivalen der vergangenen Jahre, überschwänglich zu feiern. (DATENCENTER: Toyota HBL)

Obwohl seine Mannschaft ihr Punktekonto in der Liga auf nunmehr 60:0 geschraubt hat und damit unmittelbar vor dem ersten Gewinn der deutschen Meisterschaft ohne Punktverlust steht, richtete der Isländer den Blick am Sonntag sofort wieder nach vorn.

Das Triple: Krönung seiner Karriere

Seine Mission ist noch nicht beendet. Nach vorzeitiger Meisterschaft und Pokalsieg will Gislason die Saison am letzten Mai-Wochenende veredeln.

"Die Champions League ist für mich größer als Olympische Spiele. Dort spielen die besten Mannschaften der Welt", sagt der 52-Jährige.

Für den nur auf den ersten Blick etwas dröge und schrullig daherkommenden Gislason wäre das Triple die Krönung seiner Karriere. Sechs von acht möglichen Titeln hat er auf nationaler Ebene gewonnen, seit er 2008 für eine Ablöse von 750.000 Euro vom VfL Gummersbach auf die Kieler Trainerbank wechselte.

[kaltura id="0_ql4jj6f8" class="full_size" title="Jicha Siege keine Selbstverst ndlichkeit"]

Zudem holte er 2010 die Champions League. Mit einem Erfolg in der Königsklasse 2012 würde er endgültig aus dem Schatten von Trainer-Legende Zvonimir Serdarusic treten. Der hatte mit dem THW 2007 das bis dato einzige Triple in der Vereinsgeschichte gewonnen.

"Ich bin stolz auf dieses Team"

Bei der Frage nach seinem Erfolgsgeheimnis verweist der dreifache Familienvater Gislason immer wieder auf die unglaubliche Qualität seines Kaders:

"Ich bin stolz auf dieses Team. Es ist die beste Mannschaft, die ich je trainiert habe." Er hat Recht. Wahrscheinlich ist es sogar die beste, die es je gab.

Und doch ist der Anteil des studierten Historikers am Kieler Höhenflug nicht hoch genug einzuschätzen.

Die jüngsten Erfolge des THW sind das Ergebnis vor allem seiner harten Arbeit. Bis zu sechs Stunden sitzt Meistermacher und Perfektionist Gislason täglich vor dem Fernseher und betreibt Videostudien. "Ich bin von Berufs wegen unzufrieden. Ich schaue nicht auf das Ergebnis. Ich schaue nur: Wer macht was falsch?", erklärte Gislason einst.

Entspannung im ehemaligen Kutscherhaus

Bei der Analyse bezieht er seine Spieler allerdings immer mit ein. Gislason will mündige Handballer. Er hört sich ihre Vorschläge an, gibt ihnen ein Mitspracherecht.

"Ich erkläre den Jungs, warum sie Sachen machen sollen. Wenn sie etwas anderes meinen, reden wir drüber", so Gislason: "Die Spieler sind für mich wie eigene Kinder. Ich liebe diese Mannschaft."

Und trotzdem freut er sich schon auf die Zeit nach dem 2. Juni. Wenn die Saison vorbei ist, geht es zum Ausspannen in sein ehemaliges Kutscherhaus in Wendgräben in der Nähe von Magdeburg.

Dann rücken Titel und Rekorde ausnahmsweise mal in den Hintergrund, und Alfred Gislason kann sich mal wieder voll und ganz seinen Hobbys widmen: Rosen züchten und Geschichtsbücher wälzen.

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