Der Schwede Kim Andersson wechselte 2005 von IK Sävehof zum THW Kiel © getty

Der THW Kiel besiegt die Hamburger souverän und sichert sich damit den 30. Erfolg im 30. Spiel. Andersson und Ilic glänzen.

Hamburg - Die Spieler tanzten ein bisschen im Kreis, Trainer Alfred Gislason ballte kurz die Fäuste - mit der Routine eines Seriensiegers zelebrierten die Handballer des THW Kiel ihren richtungsweisenden Triumph beim HSV Hamburg.

Nach dem meisterlichen 38:34 (21:17)-Erfolg beim Vorjahres-Champion nimmt der Traum von der "perfekten Saison" in der Toyota HBL Konturen an - das mussten am Ende auch die Kieler Protagonisten zugeben.

"Das war ein Meilenstein für unser Vorhaben. Wenn wir die Konzentration bis zum 2. Juni hochhalten, können wir die Null bis zum Saisonende halten", sagte Meistermacher Gislason.

Rekord für die Ewigkeit?

Mit dem nie gefährdeten Sieg in Hamburg schraubte der unangefochtene Tabellenführer sein Punktekonto auf nunmehr 60:0.

Vier Spieltage vor dem Saisonende zweifelt angesichts von 30 Siegen aus 30 Spielen kaum jemand mehr an dem Rekord für die Ewigkeit: dem ersten Gewinn der deutschen Meisterschaft ohne Punktverlust.

Hens beeindruckt

Auch HSV-Trainer Martin Schwalb gratulierte den übermächtigen Kielern nach der ersten Liga-Pleite in eigener Halle seit zwei Jahren.

"Wir müssen es leider akzeptieren: In dieser Saison ist der THW einfach deutlich besser als wir." Und HSV-Star Pascal Hens ergänzte: "Immer wenn die heute treffen mussten, haben sie einen freien Mann gefunden. Die Leistung muss man anerkennen."

Treffender hätten es Schwalb und Hens nicht ausdrücken können.

Steigerung zum Pokal-Halbfinale

Kiel beeindruckte vor allem im Angriff mit einer nahezu perfekten Leistung und konnte es sich sogar leisten, Superstar Filip Jicha und Torhüter Thierry Omeyer zunächst auf der Bank sitzen zu lassen.

"Das war kein Freundschaftsspiel, aber wir waren über 60 Minuten die bessere Mannschaft", sagte Kiels Kim Andersson, der mit elf Treffern zum besten Schützen avancierte. Daniel Narcisse fügte an: "Wir waren deutlich besser als in der vergangenen Woche und haben immer bis zur besten Lösung gewartet."

Der französische Spielmacher ließ aber auch keinen Zweifel an der vorrangigen Zielsetzung des THW.

"Wir wollen uns bis zum Final-Four in der Champions League ständig verbessern - das ist unsere Aufgabe", sagte Narcisse. In knapp zwei Wochen soll in Köln nach Meisterschaft und Pokalsieg auch der Titel in der Königsklasse gefeiert werden.

THW dominiert nach Belieben

In einem emotionsgeladenen Spitzenspiel vor 13.296 Zuschauern in der ausverkauften Arena im Hamburger Volkspark war der deutsche Rekordmeister und frischgebackene Double-Sieger aus Kiel von Beginn an am Drücker.

Der THW, der auf nationalem Terrain seit dem 4. Mai 2011 alle Spiele gewonnen hat, diktierte das Geschehen fast nach Belieben und erlaubte dem Gegner bis zum Ende keine einzige Führung.

Der Rekord wackelt extrem

In der Liga hat die Konkurrenz noch vier Spiele Zeit, den Kielern in die perfekte Meistersuppe zu spucken. Gelingt das nicht, würde der THW die Uralt-Bestmarke des VfL Gummersbach auslöschen.

Die Oberbergischen blieben in der Saison 1974/75 in der zweigleisigen Bundesliga eine komplette Spielzeit unbesiegt, leisteten sich dabei allerdings drei Unentschieden.

Hamburg bangt weiter um die Champions League

Der HSV muss als Vierter dagegen mehr denn je um die Champions League bangen.

Die Mannschaft von Trainer Schwalb hat bereits drei Minuspunkte mehr auf dem Konto als die Füchse Berlin, die am Sonntagabend den TV Großwallstadt mit 35:19 bezwangen. Die Füchse festigten damit Platz drei, der die direkte Teilnahme an der Königsklasse garantiert.

Bei nur einem Zähler Vorsprung auf die Rhein-Neckar Löwen ist für den HSV inzwischen sogar Rang vier in Gefahr. Die TSV Hannover-Burgdorf sicherte sich derweil durch einen 29:24 bei Absteiger Eintracht Hildesheim vorzeitig den Klassenerhalt.

Weiterlesen