Der 31-jährige Christian Zeitz (l.) steht seit 2003 in Diensten des THW Kiel © imago

Vor dem Nordderby gibt sich Mimi Kraus bei SPORT1 selbstbewusst. Kretzschmar erwartet ein umkämpftes Spiel mit offenem Ausgang.

Von Annette Bachert

München - Der Titel als Deutscher Meister ist dem THW bereits sicher, der Liga-Rekord auch. Und dennoch gibt es einen weiteren Aspekt, der den Kielern auch in den letzten fünf Partien in der Toyota HBL höchst motiviert bleiben lässt: Die so oft angesprochene Null.

Denn die makellose Bilanz soll auch noch nach dem Auswärtsspiel am 31. Spieltag beim HSV Hamburg (So., ab 13 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) Bestand haben.

"Es ist eine reizvolle Aufgabe. Es ist nicht so, dass wir geschont werden, nur weil wir Meister sind. Wir werden immer alles geben. Wer diese Mannschaft kennt, weiß, dass die Spieler - mir inklusive - nur sehr ungern verlieren", sagt Kiels Rückraum-Ass Filip Jicha bei SPORT1.

Enges Rennen um Champions-League-Quali

Einen deutlich anderen, doch nicht weniger wichtigen Ansporn verspürt der HSV:

Für den entthronten Deutschen Meister geht es um die Qualifikation für die Champions League. Mit derzeit 45:15 Punkten rangiert das Team von Cheftrainer Martin Schwalb nur auf dem vierten Tabellenplatz, einen Punkt hinter den Füchsen Berlin, die sich damit gerade noch für die Königsklasse qualifizieren würden.

Rang vier berechtigt noch zum Wildcard-Turnier, die folgenden Plätze für die Teilnahme am EHF-Pokal.

Einen Zähler hinter dem HSV lauern allerdings schon die Rhein-Neckar Löwen, die aber bereits eine Partie mehr absolviert haben.

Schwalb sehr zurückhaltend

Dazu kommt, dass die Hamburger zum Ende der schwierigen, von Verletzungen und Rückschlägen geprägten Saison nicht gerade vor Selbstbewusstsein strotzen.

"Die letzten vier, fünf Monate waren wirklich hart. Unser gesundes Selbstvertrauen aus der letzten Saison werden wir nach den vielen Rückschlägen wohl nicht mehr bekommen", gibt Schwalb zu, "aber jetzt müssen wir versuchen, irgendwie noch die letzten vier Spiele zu gewinnen."

"Das wahre Gesicht der Mannschaft"

Hamburgs Spielmacher Michael Kraus gibt sich bei SPORT1 dennoch "topmotiviert, Revanche zu nehmen für die knappe Niederlage beim Pokalfinale" vergangenen Samstag (Bericht).

Aber nur unter einer Bedingung: "Man hat gesehen, was das wahre Gesicht der Mannschaft ist. Und wenn sie nun das zweite Gesicht, das sie ab und zu zeigt, wirklich ablegt, dann bin ich sehr sehr optimistisch, dass wir unsere Ziele erreichen."

"Am oberen Leistungslimit"

Weniger zuversichtlich gibt sich dagegen der Cheftrainer.

"Wir wissen, dass wir gegen Kiel nur eine Chance haben, wenn wir als Kollektiv am oberen Leistungslimit spielen. Wie letzte Woche", erklärt "Schwalbe": "Das heißt, dass jeder einzelne in jeder Sekunde des Spiels aufmerksam ist. Wenn wir das nicht schaffen, schwinden unsere Chancen. Nichts desto trotz muss es unser Ziel sein, die Maschine des THW zu stoppen."

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Ein Rekord für die Ewigkeit

SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar rechnet den Elbstädtern schon Chancen aus dem THW die ersten Punkte in dieser Spielzeit abzuluchsen: "Ich gehe davon aus, dass es ein sehr hart umkämpftes Spiel werden wird. Aber die Hamburger haben die Möglichkeiten."

Und schränkt ein: "Die Frage ist, wie sehr die Kieler die Meisterschaft zu Null gewinnen und einen Rekord feiern wollen, der in die Geschichtsbücher eingehen würde, der nie wieder erreicht werden würde."

Zwei Fragezeichen für Schwalb

Personell bietet sich vor dem Nordschlager eine ähnliche Situation wie in der gesamten Spielzeit:

THW-Coach Alfred Gislason wird voraussichtlich auf seinen gesamten Kader zurückgreifen können.

Sein Gegenüber Schwalb muss neben den Langzeitverletzten Oscar Carlen, Johannes Bitter (beide Kreuzbandriss) und den an der Schulter operierten Bertrand Gille auch noch um die Einsätze von Kreisläufer Igor Vori (eingeklemmter Nerv) und Stefan Schröder (Bänderdehnung) bangen.

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