Filip Jicha (r.) wurde zum vierten Mal mit dem THW Kiel Deustcher Meister © imago

Trotz Meisterschaft nimmt sich der THW kaum Zeit zum Feiern. Auch Jicha ist noch nicht satt - der Coach stichelt.

Kiel/München - Nein, tanzen wollte er nicht. Zumindest noch nicht.

Während Dominik Klein und Filip Jicha mit dem Mikrofon in der Hand kreuz und quer durch die Ostseehalle fegten, genoss Alfred Gislason die Rückkehr auf den deutschen Handball-Thron auf seine Art.

Er zog sich in die Kabine zurück und schwieg. Den Tanz hat sich der isländische Trainer des THW Kiel für den 2. Juni aufbewahrt.

Dann könnte er mit seinem Team deutsche Sport-Geschichte schreiben.

Keine Zeit zum Ausschlafen

Keine zwölf Stunden waren nach dem 32:27-Erfolg gegen den SC Magdeburg (Video u. 552640 Diashow ) vergangen, da war die vorübergehende Partystimmung längst wieder verflogen.

Trotz des vorzeitigen Gewinns ihrer 17. Meisterschaft und nunmehr 58:0 Punkten aus 29 Spielen bat Gislason seine Handball-Helden bereits um zehn Uhr morgens zur Vormittagseinheit in die Sporthalle.

An der Einstellung "ändert sich nichts"

Der THW ist noch lange nicht satt. Am Ende der Woche will der Klub das Double, am Ende des Monats das Triple und am Ende der Saison die perfekte Meisterschaft mit null Minuspunkten unter Dach und Fach bringen.

"Ich glaube, wir werden genauso weiterspielen, da ändert sich nichts - ob wir Meister sind oder nicht", sagte Jicha: "Unsere restlichen Gegner werden sich unglaublich anstrengen, uns ein Bein zu stellen. Das ist eine reizvolle Aufgabe für uns."

Die Konkurrenz darf die Aussage des Rückraumschützen durchaus als Warnung verstehen, der "Erntemonat" Mai hat für den THW schließlich gerade erst begonnen.

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Die Null - wegen der "sportlichen Fairness"

Im Halbfinale des DHB-Pokals wartet am Samstag der HSV Hamburg. Jener Verein also, der im vergangenen Jahr vorübergehend in die Phalanx des THW eingebrochen war und die Kieler nach zuvor sechs Meistertiteln in Folge vom Thron gestoßen hatte.

Drei Wochen später steigt das Endrundenturnier der Champions League in Köln. Gegner im Halbfinale sind die Füchse Berlin (NEWS).

"Nie hat ein Verein den anderen Teams so die Grenzen aufgezeigt wie der THW in dieser Saison. Jetzt erwarte ich von Kiel, dass sie zu Null durchgehen, schon wegen der sportlichen Fairness", sagte Bob Hanning.

Heuberger fürchtet Langeweile

Der Manager der Füchse glaubt nicht an ein baldiges Ende der schwarz-weißen Vorherrschaft im Männer-Handball: "Kiel kann so eine ähnliche Saison noch mal hinlegen. Die anderen Teams werden Jahre brauchen, um sich ihnen anzunähern."

Bundestrainer Martin Heuberger sieht in der schier grenzenlosen Überlegenheit der Zebras gar eine Gefahr.

"Für die kommende Saison wünsche ich mir wieder mehr Konkurrenz und mehr Spannung", sagte Heuberger: "Es schadet der Attraktivität der Liga, wenn eine Mannschaft praktisch schon nach der Hinrunde als Meister feststeht."

Freundschaft als Erfolgsgeheimnis

Viel Hoffnung dürfte angesichts der Darbietungen des deutschen Rekord-Champions allerdings nicht bestehen.

Zu effektiv, zu dominant und zu unersättlich hatten sich die Norddeutschen zuletzt gezeigt. An 29 Spieltagen gewannen sie zwei Mal "nur" mit drei Toren.

Ansonsten spielte Kiel die Konkurrenz mit einer fast unerträglichen Leichtigkeit in Grund und Boden.

"Wir sind nicht nur Weltklasse-Handballer, sondern auch ein Haufen von Freunden", erklärt Jicha das Erfolgsgeheimnis: "Das ist in diesem Business nicht selbsverständlich."

Gislason setzt auf Lauftraining

Und sein Trainer mochte sich einen kleinen Seitenhieb an die Konkurrenz nicht verkneifen.

"Wir fahren im Winter nicht Ski oder gehen im Sommer Golf spielen, sondern es wird richtig gelaufen. Deswegen gewinnen wir die Spiele oft in den letzten zehn Minuten", sagte Gislason.

Fünf Spiele hat die Konkurrenz noch Zeit, den Kielern in die perfekte Meistersuppe zu spucken (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Gelingt das nicht, würde der THW die Uralt-Bestmarke des VfL Gummersbach auslöschen. Die Oberbergischen blieben in der Saison 1974/75 in der zweigleisigen Bundesliga eine komplette Spielzeit unbesiegt, leisteten sich allerdings drei Unentschieden.

Getanzt haben sie damals trotzdem.

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