Der Pole Bartosz Jurecki (v.) spielt seit 2006 beim SC Magdeburg © imago

Die Sektflaschen stehen kalt, die Konfettikanonen sind geladen. Die letzte Hürde auf dem Weg zum Kieler Titel heißt Magdeburg.

Von Barnabas Szoecs und Florian Pertsch

München - Für die meisten ist der 1. Mai ein gesetzlicher Feiertag, wie der Name bereits verrät: ein Tag zum Feiern, nicht zum Arbeiten.

Für den THW Kiel gilt dies allerdings nicht, jedenfalls nicht ganz. Denn damit am Tag der Arbeit bei den "Zebras" die Korken mächtig knallen, muss zunächst der SC Magdeburg (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) bezwungen werden.

Klappt das angestrebte Vorhaben, dürfen die Norddeutschen ihre 17. Deutsche Meisterschaft bejubeln - und hätten ihren verdienten Feiertag. Zwar nicht gesetzlich, dafür umso meisterlicher (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Die Chancen sind sehr gering"

Große Zweifel am Sieg des souveränen Tabellenführers hat SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar nicht, sein Ex-Team dürfte wohl kaum die Rolle des Partycrashers am geplanten Kieler Feiertag einnehmen: "Wenn es überhaupt eine Chance darauf gibt, dann ist sie sehr gering."

Mit Pessimismus hat "Kretzsches" Einschätzung gar nicht zu tun, dafür aber mit viel Realismus: "Die Kieler sind viel zu ehrgeizig, als das der SCM ihnen die Meisterfeier verderben könnte", so der frühere Nationalspieler bei SPORT1: "Die Qualität ist einfach zu groß beim THW."

Elf Punkte Vorsprung

Elf Punkte beträgt Kiels Vorsprung auf "Verfolger" SG Flensburg-Handewitt, nur noch fünf Spieltage stehen aus: ein nahezu uneinholbares Polster, das auch ein Patzer gegen Magdeburg nicht bedeutend verändern wird.

Selbst der Blick auf Statistiken und Historie dürfte die Chancen der Gäste aus Sachsen-Anhalt kaum steigern, obwohl es tatsächlich der SCM war, der dem Team von Trainer Alfred Gislason die letzte Niederlage zufügen konnte - vor fast genau einem Jahr.

Letzte Heimpleite gegen SCM vor neun Jahren

Am 4. Mai 2011 gewann die Mannschaft von Trainer Frank Carstens mit 30:24, allerdings in Magdeburg. Die letzten Punkte, die Magdeburg aus der Sparkassen-Arena zu Kiel entführte, liegen viel weiter zurück - nämlich am 5. April 2003.

Rutschen die "Zebras" nach ihrem mühevollen Einzug ins Halbfinale der Champions League (Roundup) aufgrund ihrer Müdigkeit vielleicht doch aus? Aufklärungsarbeit in Sachen THW-Schwachstellen lieferte ihr Gegner RK Zagreb.

SCM wohl "sehr deprimiert"

"Die Kieler tendieren dazu, die Anfangsphasen der Halbzeiten zu verschlafen", analysiert Kretzschmar den Favoriten: "Sie stehen nicht über den Dingen, schwächeln manchmal und sind definitiv angreifbar. Das hat man gegen Zagreb gesehen." (Kretzschmars Kolumne: Stoff aus dem Legenden sind)

Immerhin ein Ansatzpunkt für den SCM, der zuletzt mit viel Pech gegen Dünkirchen das EHF-Finale verpasste: "Die Magdeburger dürften sehr deprimiert von ihrer Europacup-Reise zurück kommen", so Kretzschmar: "Das Ausscheiden in Dünkirchen war sehr unglücklich."

Punkte "sicher nicht eingeplant"

Ein Sieg als Rehabilitation für den Liga-Endspurt käme laut Kretzschmar natürlich genau richtig, gegen den haushohen Favoriten hat die Carstens-Truppe nichts zu verlieren:

"Für Magdeburg geht es noch um eine gute Platzierung in der Liga, um nächstes Jahr wieder international zu spielen. So wie es derzeit aussieht, könnte Platz sieben noch reichen, das werden die Magdeburger auch schaffen, da bin ich mir ziemlich sicher. Dafür müssen sie aber nicht zwingend in Kiel punkten, das ist mit Sicherheit nicht eingeplant."

Weitere Großtaten stehen an

Anders sieht es beim Fast-Meister aus dem hohen Norden aus, dort ist der letzte Schritt Richtung Meisterschaft gegen Magdeburg nahezu Pflicht, damit man sich entspannt auf das Champions-League-Halbfinale vorbereiten kann.

Die ganz große Meister-Sause soll es demnach am 1. Mai im Falle eines Sieges (es wäre der 29. in 29 Partien) noch nicht geben, vielmehr plant der THW die Party am 2. Juni, dem Saisonfinale gegen den VfL Gummersbach.

Ganz ohne Jubel, Trubel und Feuchtfröhlichkeit wird die Meisterfete im Falle des Falles aber doch nicht ablaufen - der 1. Mai ist schließlich ein Feiertag.

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