Nach der Entlassung von Sead Hasanefendic 2011 übernahm Co-Trainer Kurtagic das Amt © imago

Vor dem Duell gegen Magdeburg spricht Kurtagic bei SPORT1 über das Pokal-Aus und den alles überschattenden Abstiegskampf.

Von Annette Bachert

München - Der Weg vom Co- zum Cheftrainer ist eigentlich kein ungewöhnlicher in einer Karriere.

Doch für Emir Kurtagic kam dieser Aufstieg ziemlich plötzlich, und die Aufgabe, die sich dahinter verbirgt ist alles andere als einfach.

"Ich bin quasi über Nacht zu dieser Position gekommen, und das war für mich eine sehr unangenehme Situation", sagt der 31-Jährige bei SPORT1.

Auf Tabellenplatz 16 und damit auf einem Abstiegsplatz der Toyota HBL rangierte der VfL Gummersbach am 2. Dezember 2011, als der Verein die Trennung des damaligen Trainers Sead Hasanefendic verkündete und mit Kurtagic den neuen Hauptverantwortlichen präsentierte (News).

Vor dem Liga-Duell gegen den SC Magdeburg (Samstag, ab 14.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und ab 15 Uhr im LIVESTREAM) spricht Kurtagic im Interview mit SPORT1 über das Pokal-Aus (Bericht), die Partie gegen den SCM und den alles überschattenden Abstiegskampf.

SPORT1: Herr Kurtagic, das Pokal-Aus ist erst wenige Tage her. Wie ist Ihre Gefühlslage derzeit?

Emir Kurtagic: Es ist wahnsinnig schade, dass wir verloren haben - vor allem weil wir nicht schlecht gespielt haben. Am Ende haben wir einfach zu viele Chancen vergeben. Das muss man jetzt ganz schnell abhaken und sich nach vorn orientieren. Schließlich haben wir eine viel größere Aufgabe: in der Liga zu bleiben.

SPORT1: Hätte eine bisher durchwachsene Saison mit der Lufthansa-Final-Four-Teilnahme aufgewertet werden können?

Kurtagic: Ja, das haben wir abgehakt. Es wäre natürlich schön gewesen, nach Hamburg zu fahren. Aber das bringt alles nichts, wenn man am Ende nicht sein Ziel in der Liga erreicht. Von daher glaube ich, dass wir unsere Saison nur mit dem Nicht-Abstieg retten können.

SPORT1: Ziehen Sie dennoch Positives aus der Niederlage?

Kurtagic: Ja schon. Wir haben gegen eine starke Mannschaft eine gute Leistung sowohl in der Abwehr als auch ab der zehnten Minute im Angriff abgeliefert. Das lässt für die nächsten Aufgaben hoffen.

SPORT1: Das Heimspiel gegen den SC Magdeburg steht an. Was muss besser werden, damit Sie dieses Mal als Sieger vom Platz gehen?

Kurtagic: Wir müssen noch konzentrierter sein, und eine deutlich bessere Chancenauswertung an den Tag legen. Auf der anderen Seite müssen wir unsere Abwehrleistung aus Lübbecke bestätigen und vielleicht sogar noch einen Tick verbessern (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

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SPORT1: Welchen Spieler oder Mannschaftsteil schätzen Sie am gefährlichsten ein?

Kurtagic: Was Magdeburg in erster Linie ausmacht ist, dass sie eine echte Mannschaft sind. Da hat jeder seine Aufgabe, jeder kämpft für den anderen. Aber man muss die Achse Stian Tönnesen/ Bartosz Jurecki herausheben, die seit Jahren hervorragend funktioniert. Auch die beiden Linkshänder Andreas Rojewski und Jure Natek sind unglaublich torgefährlich. Aber sie spielen insgesamt einen sehr schnellen Handball und man muss schon eine gute Leistung an den Tag legen, damit man überhaupt eine Chance hat.

SPORT1: Wie wichtig wäre ein Erfolg, um nicht wieder auf die Abstiegsränge abzurutschen?

Kurtagic: Jeder weiß, wo wir stehen, wie viele Punkte wir haben und wie schwer es wird, da unten herauszukommen. Aber das hilft uns nicht. Es hilft uns nur, wenn wir uns vernünftig präsentieren und eine ordentliche Leistung - zumindest das, das wozu wir in der Lage sind - abrufen und dann werden wir sehen, ob es am Ende reicht. Natürlich hat man diese "was wäre wenn"-Gedanken, aber ich versuche, sie so weit wie möglich von mir zu schieben.

SPORT1: Sie sind durch die Entlassung von Sead Hasanefendic vom Co- zum Cheftrainer aufgestiegen. Wie haben Sie diese Situation erlebt?

Kurtagic: Ich bin quasi über Nacht zu dieser Position gekommen, und das war für mich eine sehr unangenehme Situation. So einen Traditionsverein, der zum ersten Mal im Abstiegskampf steht, zu übernehmen, ist eine sehr schwierige Aufgabe.

SPORT1: Das Team hat sich seit dem Trainerwechsel stärker präsentiert als noch in den ersten Saisonwochen. Woran liegt das?

Kurtagic: Wir haben in der EM-Pause sehr gut trainiert, und die Spieler haben sich körperlich gesteigert. Wir müssen beste Voraussetzungen schaffen, um mit diesem kleinen Kader die komplette Rückrunde zu bestreiten. Das zweite große Ziel war, aus einer relativ individuellen Mannschaft ein Team zu formen, das füreinander kämpft und spielt. Das ist uns ziemlich gut gelungen. Aber wir haben erst zwei Spiele gewonnen und stehen immer noch ganz weit unten.

SPORT1: Hat Ihr Vorgänger nicht so viel Wert darauf gelegt?

Kurtagic: Doch, natürlich. Aber aufgrund der Verletzungen konnten einige Spieler gar nicht vernünftig vorbereitet werden. Dazu kommt, dass sich das Gesicht des Teams im Vergleich zur vergangenen Spielzeit sehr verändert hat. Eine Mannschaft muss erst zusammenwachsen und das braucht eben seine Zeit. Mittlerweile läuft dieser Prozess seit sieben Monaten und wir alle kennen uns besser und wissen, was geht und was nicht.

SPORT1: Welche Ziele haben Sie sich für die zweite Saisonhälfte in der Toyota HBL und auf europäischer Ebene gesetzt?

Kurtagic: Den internationalen Wettbewerb nehmen wir einfach mit. Wir stehen im Viertelfinale und haben gegen Bern Muri auch gute Chancen ins Halbfinale einzuziehen. Aber ähnlich wie beim Final Four ist der Pokalsieger-Cup nur ein Nebenschauplatz. Unsere volle Konzentration gilt der Bundesliga und dass wir uns so schnell wie möglich uns von den Abstiegsplätzen zu entfernen - soweit das eben möglich ist.

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