Uwe Gensheimer wechselte 2003 vom TV Friedrichsfeld zu den Rhein-Neckar Löwen © imago

Nach der bitteren Diagnose gilt bei den Löwen das Motto "Jetzt erst recht". Ersatzmann Kevin Bitz gibt sich dennoch realistisch.

Von Annette Bachert

München/Mannheim - Der erste Schock ist verdaut, die Häupter wieder erhoben.

Nicht einmal zwei Tage ist es her, da erschütterte die Nachricht von Uwe Gensheimers Achillensehnenriss (Bericht) die Mannheimer.

Doch unterkriegen lassen sie sich vor dem Spitzenspiel gegen den THW Kiel (Mi., 20.10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) nicht. Im Gegenteil: Nun lautet das Motto "Jetzt erst recht".

"Natürlich können wir Uwe nicht gleichwertig ersetzen, aber jetzt sind wir alle ein bisschen mehr gefordert. Die Spitzenpartie gegen Kiel ist für uns eine gute Möglichkeit, Uwe ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern", erklärte Rechtsaußen Patrick Groetzki.

Gensheimer nimmt's mit Humor

Und der Verletzte selbst, der in den kommenden Tagen in Basel operiert wird, scherzte bereits wieder.

"Heute ist nicht alle Tage, ich komme wieder, keine Frage!!!", verkündete Gensheimer über "Facebook" und zitierte dabei den rosaroten Panther.

Doch bis dahin fehlt dem Spitzenreiter der DKB Handball-Bundesliga nicht nur der Mannschafts-Kapitän und etatmäßige Siebenmeterschütze, sondern auch der geniale Linksaußen, der aus nahezu jedem Winkel jeden Wurf beherrscht.

Kein Ersatz auf Außen

Als Vize-Kapitän steht mit Kreisläufer Bjarte Myrhol ein großer Kämpfer bereit, der das Team von Gudmundur Gudmundsson sicher ähnlich souverän anführen wird.

Mit Zarko Sesum und Andy Schmid stehen zwei Akteure im Kader, die in dieser Saison bereits vom Siebenmeterpunkt getroffen haben und damit den 25-Jährigen sicher bestmöglich vertreten werden.

Auf dem linken Flügel muss mit Kevin Bitz nun aber ein junger Unbekannter in die Bresche springen. Eigentlich ist der 19-jährige auf der Spielmacherposition sowie halblinks zu Hause, doch als Backup für Gensheimer eingeplant.

Denn aufgrund des begrenzten Etats setzten die Mannheimer für die Flügel mit "Gensel" und Groetzki auf rechts auf je nur einen erfahrenen Spieler. Mit Marius Steinhauser (rechts) und Denni Djozic (links) stehen zwar noch zwei junge Talente im offiziellen Kader, doch letzter kam bisher zu keinem Einsatz für die Löwen.

Gudmundsson hofft auf Nach-Verpflichtung

Und an eine Nach-Verpflichtung ist nicht zu denken, glaubt man Storm.

"Wir können es uns nach Uwes Verletzung finanziell nicht erlauben, einfach einen Neuen zu verpflichten. Das gibt der Etat nicht her", wird der Löwen-Manager im "Mannheimer Morgen" zitiert.

Coach Gudmundsson ist diesbezüglich noch voller Hoffnung.

"Wir werden nun erstmal abwarten, was passiert, aber ich hoffe natürlich schon, dass vielleicht etwas machbar ist. Wir werden sämtliche Möglichkeiten abchecken", erklärte der Isländer der "Rhein-Neckar Zeitung".

Storm ist optimistisch

Doch momentan ist Bitz gerfordert.

"Natürlich ist das ein großer Druck. Einen Uwe kann man nicht ersetzen und ich werde das auch nicht können", gab Bitz zu: "Aber ich versuche mein Bestes zu geben."

Ähnlich sieht das auch Manager Thorsten Storm: "Dieser Ausfall ist eigentlich nicht zu kompensieren. Aber wir werden jetzt alle Kevin Bitz unterstützen."

Und fügt an: "Auch Kevin kann Handball spielen. Er bekommt jetzt unser Vertrauen und unsere Unterstützung. Und los geht?s!"

"Spielen nicht in Unterzahl"

Dieses Vertrauen und dieser Elan sind nun aber auch unerlässlich, schließlich kommt dem THW der wohl schwerste Gegner in der Liga nach Mannheim.

"Wir haben vielleicht die Möglichkeit, Kiel zu ärgern. Und dafür werden wir alles tun. Wir werden uns sehr teuer verkaufen und alles geben", verspricht Gudmundsson.

Ganz ähnlich sieht es auch Schmid: "Wir sind eine starke Mannschaft mit 14 guten Spielern. Jetzt muss jeder eine Schippe drauflegen. Es ist ja nicht so, dass wir gegen Kiel in Unterzahl agieren müssen."

Heuberger nominiert Schmidt

Doch nicht nur im Verein, auch in der Nationalmannschaft wiegt der Ausfall des Liga-Torschützenkönigs von 2012 schwer.

Bundestrainer Martin Heuberger erklärte noch am Sonntag: "Das ist sehr bedauerlich. Zum einen für die Löwen mit Blick auf das Spitzenspiel gegen den THW sowie die gesamte, bisher sehr aussichtsreich verlaufene Saison, zum anderen für uns und die WM ist das ein schwerer Schlag."

Mit U-21-Weltmeister Kevin Schmidt von der HSG Wetzlar hat Heuberger nun aber einen Gensheimer-Vertreter für den Lehrgang in Barsinghausen (3. Bis 5. Dezember) nominiert.

"Kevin kann uns weiterhelfen. Er hat in den vergangenen Wochen konstant gute Leistungen gezeigt und ist mitverantwortlich für den Höhenflug der HSG", erklärte der Bundestrainer.

"Bedenkliche Lage"

Gelöst sind Heubergers Personal-Probleme dadurch allerdings nicht. Denn neben Gensheimer muss auch Berlins Sven-Sören Christophersen passen - nach Markus Richwien, Lars Kaufmann und Gensel bereits der vierte Ausfall.

Mit einem Teilanriss des Außenbandes und einer Meniskusverletzung wird Christophersen auf jeden Fall vier Wochen pausieren müssen.

"Smöre und ich stehen im engen Kontakt und warten den weiteren Genesungsverlauf ab", sagte Heuberger: "Mit Blick auf die WM in Spanien ist die Lage langsam bedenklich."

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