Uwe Gensheimer führt mit den Rhein-Neckar Löwen derzeit die Tabelle der Bundesliga an © imago

Thorsten Storm führt den Achillessehnen-Riss seines Kapitäns auf die Terminfülle zurück - und auf den Sparzwang in Mannheim.

München - Uwe Gensheimer wusste sofort, dass es passiert war. "Er hatte das Gefühl, freischwebend auf einem Sockel zu stehen", berichtete Thorsten Storm, Manager der Rhein-Neckar Löwen, am Tag nach dem Achillessehnenriss seines Kapitäns. (BERICHT: Löwen bezahlen Kantersieg teuer)

Operation am Montag oder Dienstag, dann die Reha und insgesamt sechs Monate Pause - Bundestrainer Martin Heuberger nennt das "eine fatale Situation. Für die Nationalmannschaft und vor allem für die Löwen."

Für Storm ist die schwere Blessur seines Kapitäns "eine typische Überlastungsverletzung, der Körper hat gestreikt". Kein Wunder sei das "angesichts unseres permanenten Termin-Wahnsinns mit Bundesliga, Europapokal, DHB-Pokal und Nationalmannschaft. Alle reden, keiner tut was."

Das berüchtigte Knallen beim Absprung

Es geschah in der Anfangsphase des EHF-Pokalspiels am Samstagabend gegen den griechischen Meister Diomidis Argous (37:17).

Gensheimer, Deutschlands "Handballer des Jahres", erzielte das 5:0 für die Löwen und hörte bereits beim Absprung das typische Knallen, wenn die Achillessehne reißt.

Schon länger habe es im linken Fuß des 26-Jährigen "gezwickt und gezwackt", sagte Storm: "Aber im Handball hat ja niemand die Zeit, sowas auszukurieren."

"Immer alles durchgespielt"

Die Löwen haben nun auf Linksaußen ein Problem, da aufgrund der wirtschaftlichen Situation nach dem Rückzug des Hauptgeldgebers Jesper Nielsen beide Außenpositionen jeweils nur einfach besetzt wurden.

"Uwe hat praktisch immer alles durchgespielt", sagte Storm: "Der zweite Mann, Kevin Bitz, ist eigentlich Rückraumspieler, er sollte auf Linksaußen nur hin und wieder ein bisschen Spielpraxis sammeln."

Heuberger braucht Bedenkzeit

Auch Bundestrainer Heuberger muss im Hinblick auf den Lehrgang der Nationalmannschaft vom 3. bis 5. Dezember und vor allem auf dem Weg zur WM im Januar in Spanien eine schnelle Lösung finden.

Heuberger war von Gensheimers Verletzung "so richtig geschockt. Wir hätten bei der WM mit Uwe und Dominik Klein ein echtes Top-Duo auf Linksaußen gehabt", sagte er: "Jetzt müssen wir mal wieder umdenken und unseren Weg mit jungen Leuten weitergehen."

Namen wollte Heuberger noch nicht nennen: "Ich muss noch ein wenig darüber nachdenken."

Kiel-Kracher schon abgeschrieben

Fatal sei die Situation natürlich auch für die Löwen. "Jetzt sind sie in dieser Saison endlich mal richtig gut drauf, sind ohne Punktverlust Tabellenführer, spielen ganz oben mit, und dann passiert sowas. Das ist echt ein schwerer Schlag", sagte Heuberger.

Dass die Sieges-Serie in der Bundesliga (26:0 Punkte) das Heimspiel am Mittwoch gegen Meister THW Kiel überdauert, glaubt Storm jedenfalls nicht: "Der THW ist auf jeder Position mit so hochkarätigen Individualisten besetzt, da können wir im Normalfall nicht gegenhalten."

"Der Geschäftsführer auf dem Spielfeld"

Ob ein neuer Mann für Linksaußen verpflichtet wird, ließ Storm offen. "Uwe ist als Spielerpersönlichkeit auf dem Feld, als Kapitän, als Leistungsträger sowieso nicht zu ersetzen", sagte er.

Gensheimer sei "der Geschäftsführer auf dem Spielfeld". Ihm und seinem "riesengroßen Einsatz für den Verein" sei es zu verdanken, "dass in Mannheim überhaupt noch Erstliga-Handball gespielt wird.

Jetzt müssen wir erstmal ein halbes Jahr ohne ihn klarkommen. Das ist bitter."

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