SPORT1-Kolumnist Stefan Kretzschmar fordert nach der Atlason-Verletzung endlich eine Entlastung der Spieler.

Hallo Handball-Fans,

Es ist schlimm, dass die SG Flensburg-Handewitt schon wieder eine schwere Verletzung verkraften muss.

Arnor Atlasons Achillessehnenriss ist extrem bitter für so einen Mann, der sich aufopferungsvoll in das Flensburg-Handewitt-Projekt rein gestürzt hat. Er ist ein Vorbild-Profi und ein absolut positiver Spieler.

Es ist schade für ihn persönlich und natürlich auch für die SG Flensburg-Handewitt, die ihn ja eigentlich geholt hat, um die Verletzung von Djordjic zu kompensieren.

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Man muss sich dringend ernsthaft Gedanken machen, ob man das den Spielern das alles noch zumuten kann. Diese Doppel- und Dreifachbelastung mit der Nationalmannschaft noch dazu - irgendwann reicht es.

Die Verantwortlichen müssen sich zusammen an einen Tisch setzen und nicht immer nur davon reden, sondern in kurzer Zeit Ergebnisse präsentieren, dass der Terminkalender endlich mal entzerrt wird.

Wenn die Jungs weiterhin permanent dieses wahnsinnige Pensum absolvieren müssen, dann werden wir an vielen Spielern nicht mehr lange Freude haben.

Dann wird der ein oder andere sich eben mal gegen die Nationalmannschaft entscheiden. Und das kann ja nicht die Lösung sein.

Den THW Kiel habe ich lange nicht mehr so schlecht gesehen wie bei der Niederlage beim Hinspiel in Celje am Samstag. Sowohl im Angriff als auch in der Abwehr und im Tor war das keine gute Leistung.

Trotzdem: Von einer Krise zu reden halte ich für total verfrüht und überhaupt nicht angebracht. Die Qualität der Kieler ist nach wie vor unfassbar.

Mit der Niederlage ist eine Alarmglocke angegangen. Wenn noch etwas nötig war, um die Kieler wachzurütteln, dann war es das. Man hat gesehen, dass man nicht mehr einfach so im Vorbeigehen durchmarschieren kann.

Das kommt vor dem Tospiel in der DKB Handball-Bundesliga nächste Woche gerade recht. Ich mal gespannt, was die Rhein-Neckar Löwen gegen Kiel auf die Platte zaubern.

Sie haben sich bisher schadlos gehalten und zuletzt auch das Spitzenspiel gegen die Füchse Berlin gewonnen - das macht sie natürlich automatisch zum Kiel-Jäger Nummer eins. Und zu der Mannschaft, die Kiel am ehesten ins Wanken bringen kann.

Ich hoffe, dass es einen lange andauernden Zweikampf zwischen den Löwen und Kiel geben wird.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 39, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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