Nikola Karabatic wechselte 2009 von Montpellier zum THW Kiel © getty

Montpellier-Coach Canayer räumt offen ein, dass die Rückkehr der unter Betrugsverdacht stehenden Spieler sein Team entzweit.

Von Martin Hoffmann und Raphael Weber

München - Oberflächlich betrachtet laufen die Dinge wieder rund beim Klub von Nikola Karabatic.

Mit 36:32 (18:14) bezwang Montpellier HB am Mittwochabend Ligakonkurrent Aix En Provence und feierte den ersten Sieg seit der Rückkehr des unter Manipulationsverdacht stehenden Ex-Welthandballers.

Karabatic war dabei mit sechs Toren zweitbester Werfer seines Teams (NEWS: Karabtic feiert Comeback), hinter dem ebenfalls belasteten Dragan Gajic, der neunmal traf.

Aufarbeitung der Probleme ist schwer

Doch auch wenn sie sportlich wieder ihre Klasse zeigen: das Comeback von Karabatic und Gajic sowie Issam Tej und Primoz Prost vergiftet die Atmosphäre in der Mannschaft.

Das gibt niemand Geringeres als der Trainer von Montpellier unverblümt zu.

"Die Leute möchten sehen, dass es einfach weiter geht. Der Superheld kommt und alles geht wieder in die richtige Richtung", erläutert Patrick Canayer bei "20minutes.fr" die Situation: "Aber es ist derzeit kein Team. Die Dinge lassen sich nicht so einfach beiseiteschieben."

"Unausgesprochene Dinge"

Es gebe "viele unausgesprochene, verborgene Dinge, die der Einheit der Mannschaft im Weg stehen".

Canayer spricht von "tiefen Narben" und "auseinandergehenden Interessen": "Wir müssen lernen, wieder zusammenzuarbeiten."

Betrugs-Anklage droht weiter

Karabatic und seine Teamkollegen stehen seit zwei Wochen wieder im Kader Montpelliers (BERICHT: Montpellier begnadigt Karabatic), allen droht aber weiterhin eine Betrugs-Anklage.

Ihnen wird vorgeworfen, am 12. Mai bei Cesson Rennes absichtlich verloren zu haben, um sich selbst oder Angehörigen erfolgreiche Wetten zu ermöglichen.

Luka Karabatic, noch suspendierter Bruder des ehemaligen THW-Kiel-Stars, hat eine solche Wette zugegeben, auch Nikola Karabatic räumte ein, dass seine Freundin eine Wette platziert hätte. Den Vorwurf der Spielmanipulation bestreiten alle Beteiligten aber vehement.

Klubchef Remy Levy glaubt den Begnadigten: "Sie haben uns in die Augen geschaut und gesagt, dass sie nicht gewettet haben. Wir haben keinen Grund, an den Aussagen zu zweifeln."

Prost entschuldigt sich gründlich

Coach Canayer lässt mehr Skepsis erkennen und macht Karabatic zum Vorwurf, dass er die Affäre besser hätte aufarbeiten können - wenn auch nicht direkt, sondern über Bande, indem er den Teamkollegen Prost und seinen Umgang mit der Angelegenheit aufs Positivste betont.

"Er hat sich in einer Gründlichkeit entschuldigt, die mich beeindruckt hat", so Canayer über den Torwart.

Prost habe weinend vor ihm gestanden und auch bei Kollegen, Klubmitarbeitern, Management und Fans um Verzeihung gebeten.

"Es ist ethisches Verhalten, wenn man sagt, dass man einen Fehler gemacht hat, dass man sich entschuldigt, die Konsequenzen trägt und dann wieder nach vorn schaut", so Canayer.

"Man weiß es nicht"

Er spricht nicht aus, macht aber doch überdeutlich, dass er sich von Karabatic und Co. ein ähnliches Verhalten wünschen würde.

Der Trainer müht sich dann aber doch, nicht den Stab über den Verfemten zu brechen: "Wenn sie nichts gemacht haben? man weiß es nicht, das macht die Situation kompliziert."

Eine komplizierte Situation, die den Klub noch lange beschäftigen dürfte.

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