In seiner Kolumne spricht sich SPORT1-Kommentator Markus Götz in der Abstellungs-Debatte für eine Reduzierung der Spiele aus.

Hallo Handball-Fans,

die Diskussion ist nicht neu. Und trotzdem wird sie immer wieder aufs Neue hitzig geführt. Kein Wunder, denn im Kern hat sich in den vergangenen Jahren rein gar nichts zum Positiven entwickelt. Im Gegenteil.

Die Belastung für Top-Handballer - zumindest für die Nationalspieler - ist erheblich zu hoch. Darüber besteht im Grunde Einigkeit.

Jedes Jahr ein großes Turnier auf Nationalmannschaftsebene, in olympischen Jahren sogar zwei. Europapokalspiele, nationale Ligen, Pokalwettbewerbe, Quali-Turniere, und so weiter und so fort. Da kommen Spitzenspieler gut und gerne auf 70 bis 80 Pflichtspiele pro Jahr.

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Der Handballer an sich ist der Wehleidigkeit ja unverdächtig. Und trotzdem: egal, wen und wann man fragt, man bekommt fast immer die gleiche Antwort: "Ich bin platt."

Das ist schlecht. Schlecht für die Gesundheit der Spieler und schlecht für die Sportart an sich. Die wird nämlich verwässert, weil dauerhafte Spitzenleistungen bei ständiger Überbelastung nicht möglich sind.

Und weil das alles auf der Hand liegt, sagen alle Parteien seit Jahren mantraartig: "Wir müssen reduzieren!"

Genauso unerbittlich fordern Klubs und Verbände die Eingeständnisse bei der jeweils anderen Seite. Es liegt in der Natur der Sache, dass das nicht funktionieren kann.

Ich bin kein Funktionär, aber ein paar Ansätze, die Gesamtzahl der Spiele zu reduzieren, sehe ich schon. Man könnte die Champions-League-Gruppen auf vier Teams reduzieren und danach direkt in die K.o.-Runden starten. Damit würde man alleine vier Spieltage einsparen.

Die Top-Klubs könnten in den nationalen Pokalwettbewerben vielleicht noch später als bislang einsteigen. Eine Reduzierung der HBL von 18 auf 16 Mannschaften sehe ich nur für den äußersten Notfall.

Auf Verbandsebene halte ich ein großes Ereignis pro Jahr für wichtig und richtig. Aber eben nur eines! Man könnte Weltmeisterschaften auch weiterhin im Zweijahresturnus durchführen, eine EM aber nur alle vier Jahre und damit eben nicht in Olympischen Jahren. Auch die für meinen Geschmack zu umfangreiche EM-Quali könnte verschlankt werden. Und die Turniere an sich könnten - was die Anzahl der Spiele betrifft - noch abgespeckt werden.

Also, man könnte schon, wenn man wollte - ganz fair, auf allen Ebenen.

HSV-Coach Martin Schwalb hat zuletzt dem ein oder anderen Spieler zum Nationalmannschaftsverzicht geraten. Bundestrainer Martin Heuberger weiß um das Problem der Überbelastung, verweist aber aus meiner Sicht völlig zurecht auf die Kurzsichtigkeit dieses Vorschlages (BERICHT: Heuberger kontert Schwalb).

Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass ein Klub, der vielleicht um die Meisterschaft oder den Klassenerhalt kämpft, zunächst einmal nur den eigenen Mikrokosmos lebt und pflegt. Außerdem zahlen die Vereine die Spielergehälter. Keine Frage. Und dauerhaft volle Hallen bei Traditionsclubs wie Kiel, Flensburg oder Göppingen sind auch schön, wichtig und lobenswert.

Aber, dabei darf nicht das große Ganze übersehen werden! Nämlich die Gesamtbedeutung der Sportart Handball in Deutschland.

Ich begleite nun schon seit 10 Jahren die Bundesliga, Welt- und Europameisterschaften als Kommentator. Ein Zusammenhang ist ganz offensichtlich: der Erfolg der Nationalmannschaft hat Einfluss auf die Einschaltquoten bei Bundesligaübertragungen.

Klar, es gibt auch noch andere wichtige Aspekte.

Aber die Grundformel steht: erfolgreiche Nationalmannschaft -> größere Wahrnehmung und Bedeutung der Sportart Handball -> größeres Interesse auch an der Bundesliga.

Der deutsche Handball braucht also eine erfolgreiche Nationalmannschaft. Ohne Wenn und Aber. Dümpelt unsere Bundesauswahl auf Dauer irgendwo im Niemandsland, dann werden das selbst die größten, erfolgreichsten und gesündesten Klubs in Deutschland irgendwann zu spüren bekommen.

Euer Markus Götz

Markus Götz, 39, kommentiert seit 2003 für SPORT1 Spiele der Handball Bundesliga, des DHB-Pokals und bei Welt- und Europameisterschaften. Als Aktiver spielte er in der Verbandsliga bei der TSG Ehingen. Für SPORT1.de nimmt er regelmäßig Themen im Handballsport unter die Lupe. Zudem moderiert er für SPORT1 "Hattrick - die 2. Bundesliga".

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