Daniel Stephan wurde 1998 als erster Deutscher zum Welthandballer gewählt © imago

Der Wettskandal um Nikola Karabatic und die Unregelmäßigkeiten beim TBV Lemgo bereiten den Handball-Ikonen Kopfzerbrechen.

Kreta - Sorge um den TBV Lemgo, ein schlechtes Zeugnis für die Bundesliga und Verständnis für die Kritik von HSV-Trainer Martin Schwalb:

Die ehemaligen deutschen Weltstars Christian Schwarzer und Daniel Stephan haben bei der Wahl zum "Champion des Jahres" auf Kreta Tacheles geredet.

Auch der Manipulationsskandal um Superstar Nikola Karabatic ist für die beiden deutschen Handball-Schwergewichte ein großes Thema.

"Ich kann mir nur sehr schwer vorstellen, dass solche hochkarätigen Profis so etwas machen", sagte Stephan: "Die Verwandten sollen gesetzt haben auf Niederlagen - das ist schwer vorstellbar, aber die Sache muss man natürlich klären."

Schwarzer ist geschockt

Auch für Schwarzer waren die Nachrichten aus Frankreich, wonach gegen mehrere Spieler des französischen Meisters Montpellier ein Ermittlungsverfahren wegen Manipulationsverdachts eingeleitet worden ist, ein Schock.

"Im Moment sind es ja nur Gerüchte, aber wenn ein Spieler wie Nikola Karabatic involviert sein sollte, wäre das schon arg bedenklich", sagte der Weltmeister von 2007.

Lemgo macht Sorgen

Noch mehr sorgen sich Schwarzer und Stephan aber um die Zukunft des finanziell angeschlagenen TBV Lemgo, nachdem dort wegen finanzieller "Ungereimtheiten" Geschäftsführer Fynn Holpert entlassen und gegen den ehemaligen Sportchef Volker Zerbe eine Strafanzeige gestellt worden ist.

"Das ist ein Schlag mit dem riesengroßen Hammer", sagte Junioren-Bundestrainer Schwarzer: "Die Frage wird sein, ob man sich davon nochmal erholen kann. Für die jungen Spieler ist das eine ganz ganz schwere Zeit."

Strafanzeige gegen Zerbe

Stephan, der 16 Jahre lang beim TBV als Profi und Funktionär tätig war, schlägt in die gleiche Kerbe. "Für den Verein ist es eine schwere Zeit, das wird sich auch so schnell nicht ändern können", sagte Stephan.

Die Strafanzeige gegen seinen ehemaligen Mitspieler Zerbe, mit dem er 2004 zusammen Europameister war, sieht der Welthandballer von 1998 zwiegespalten.

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"Der Beirat besteht aus drei Leuten, die große Wirtschaftsunternehmen leiten oder geführt haben - wenn die zu dem Schluss kommen, das TBV-Idol Volker Zerbe anzuzeigen, dann muss da schon irgendwas geschehen sein", sagte Stephan:

"Aber ich traue dem Volker nicht zu, dass er irgendwas in die eigene Tasche gewirtschaftet hat. Da kann man nur abwarten und darf nicht spekulieren."

THW-Dominanz könnte Handball schaden

Ein weiteres Problem des deutschen Handballs sieht Schwarzer in der Übermacht des THW Kiel. Die Langeweile an der Spitze könnte dem Handball nachhaltig schaden. (DATENCENTER: DKB Handball-Bundesliga)

"Es war natürlich eine Katastrophe, dass eine Mannschaft zu Null durch die Bundesliga wandert", sagte der Ex-Kreisläufer:

"Ich will nicht die Leistung des THW schmälern - das war sensationell - aber es ist ein Armutszeugnis für den Rest, dass es keiner schafft, Kiel einen Punkt abzunehmen. Deshalb hat sich ja jeder so gefreut, dass es im Spiel gegen die Füchse den ersten Punktverlust gab."

Verständnis für Schwalb

Auch in der Diskussion um einen möglichen WM-Verzicht der Nationalspieler, wie er von HSV-Trainer Martin Schwalb angeregt wurde, bezog Schwarzer klar Stellung.

"Für mich war das immer die größte Ehre, sein Land vertreten zu können", sagte "Blacky", zeigte aber Verständnis für die Argumentation von Schwalb, der eine weitere Überbelastung seiner Spieler befürchtet.

Schwarzer gegen Reduzierung des Terminkalenders

Von einer Reduzierung des Terminkalenders auf nur noch ein internationales Großereignis alle zwei Jahre hält er nichts. "Ich habe das als Spieler auch immer gedacht, aber wir brauchen die Medienpräsenz", sagte Schwarzer.

Man müsste sich vielmehr um den Rahmen, in dem solch ein Turnier durchgeführt wird, Gedanken machen.

"Optimal ist es, wenn man - wie bei den Olympischen Spielen - nur jeden zweiten Tag spielt. Das ist dann entspannt und angenehm. Wenn man dann aber sieben, acht Spiele in zehn, elf Tagen macht, ist das kräfteraubend und auf dem Niveau eigentlich nicht machbar."

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