Nikola Karabatic spielte von 2005 bis 2009 beim deutschen Rekordmeister THW Kiel © getty

Offenbar wird gegen Karabatic-Klub Montpellier HB ermittelt. Spieler des Teams sollen auf eine eigene Pleite gesetzt haben.

München - Der französische Spitzenklub Montpellier HB um den ehemaligen Kieler Nikola Karabatic soll in der vergangenen Saison absichtlich ein Spiel verloren haben.

Ein Ermittlungsverfahren ist eingeleitet worden. Dies bestätigten Justizkreise.

Unter Verdacht stehen Klub-Mitglieder, Spieler und Offizielle. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Bei der 28:31-Pleite gegen OC Cesson HB (Zehnter der vergangenen Spielzeit) am 12. Mai 2012 sollen die Beteiligten insgesamt 5.000 Euro auf einen Halbzeitrückstand des französischen Meisters der vergangenen fünf Jahre gesetzt haben.

Der anschließende Gewinn betrug angeblich 200.000 Euro.

Spielerfrauen wetten

Die Wetteinsätze sollen über die Spielerfrauen getätigt worden sein. Zur Halbzeit lag Cesson tatsächlich mit 15:12 vorne. Mit dem 31:28-Sieg sicherten sich die Bretonen schließlich den Klassenerhalt.

Trainer Patrice Canayer erklärte am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Flensburg: "Bis zum heutigen Tag sind die Spieler nicht befragt worden." Er selbst sei in der vergangenen Woche angehört worden.

Darüber habe er seine Spieler informiert. Alle seien "überrascht" von den Vorwürfen. Es gelte die Unschuldsvermutung, "auch für Sportler".

Der französische Wettanbieter Francaise de Jeux (FDJ) war auf die auffällig hohen Wetteinsätze aufmerksam geworden und hatte den Vorwurf gemedelt.

Klubpräsident Remy Levy erklärte am Mittwoch, er sei im Zuge der Untersuchung angehört worden.

Er stellte aber auch klar, dass der Verein mit dieser Angelegenheit nichts zu tun habe. "Der Klub streitet jede Verwicklung energisch ab", sagte Levy der Zeitung "Le Midi Libre".

Liga und Verband warten ab

Ligaverband LNH und der französische Dachverband FFHB betonen die bestehenden Regelungen im Wettgeschäft, erklären aber auch, bislang "nur die Informationen aus der Presse" zu haben.

"Es ist zu diesem Zeitpunkt, ohne genaue Details über die Art der Vorwürfe sowie der betroffenen Personen zu haben, voreilig, etwaige disziplinarische Konsequenzen zu diskutieren", stellen Liga und Verband klar.

Präsident droht

Verbandpräsident Joel Delplanque droht dagegen mit schweren Strafen. "Es gibt keine Toleranz", so Delplanque gegenüber "RTL". "Wenn wir die Unterlagen erhalten, dann werden wir die entsprechenden Entscheidungen zu diesem Problem treffen."

Darin seien sich Verband und Ligavereinigung einig.

LNH-Geschäftsführer Stephen Capon formuliert gegenüber "sports.fr." dagegen vorsichtiger: "Wir wissen nicht genau, um welche Vorwürfe es sich handelt und gegen wen ermittelt wird."

Sportministerin: "Frankreich voll mobilisiert"

Frankreichs Sportministerin Valerie Fourneyron äußerte sich via Presseerklärung und erklärte, es sei "Sache der Justiz sei, Licht in die Angelegenheit" zu bringen.

"Kein Land und kein Sport ist immun vor dem Risiko des Betrugs durch Spielabsprachen", gibt die Ministerin zu bedenken, versichert aber: "Frankreich ist voll mobilisiert, um gegen diese große Bedrohung - mit Warnsystem, die ihre Effektivität bewiesen hätten -, zu kämpfen."

Berater: Karabatic weiß von nichts

Karabatic' Berater Bhakti Ong sagte der Nachrichtenagentur "AFP": "Ich habe mit Niko gesprochen, er wusste von nichts. Er dachte, die Angelegenheit sei erledigt. Die Spieler sind in dieser Sache niemals angehört worden, auch wurde, soweit ich weiß, niemand vorgeladen."

Karabatic, sein Bruder Luka und Samuel Honrubia fehlten gegen Cesson allerdings verletzungsbedingt.

Verhaftungen werden erwartet

In wenigen Tagen sollen alle zehn Verdcähtigen von der Justiz befragt werden. Sogar Verhaftungen seien zu erwarten.

Derzeit befindet sich das Team in Flensburg, um dort am Donnerstag (19 Uhr LIVESCORES) das erste Gruppenspiel der Champions League gegen die SG Flensburg-Handewitt zu bestreiten.

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