Martin Schwalb bestritt 193 Länderspiele und 428 Bundesligapartien © getty

Schwalb legt in der Debatte um die Belastung der Spieler nach. Für Heuberger ist das Einwirken auf die Akteure fahrlässig.

Mannheim/Hamburg - Rund fünf Wochen vor dem ersten Qualifikationsspiel zur EM 2014 gegen Montenegro kehrt beim Deutschen Handball-Bund (DHB) keine Ruhe ein.

Dabei war der Redebedarf nach dem 32:23-Erfolg im zweiten Test gegen Serbien (Bericht) eigentlich gar nicht so groß, die Leistung des Teams von Bundestrainer Martin Heuberger machte Mut für die kommenden Aufgaben.

Doch die öffentliche Diskussion um die Überbelastung der Spitzenhandballer zwischen HSV-Handball-Trainer Martin Schwalb und Heuberger sorgte für Aufregung (BERICHT: Heuberger kontert Schwalb: "Kurzsichtige Denke").

"Fahrlässig, Spieler zu überreden"

"Eigentlich wollte ich mich dazu gar nicht mehr äußern", sagte der Bundestrainer am Dienstag: "Ich glaube, es ist fahrlässig, wenn man versucht, Spieler zu überreden, nicht mehr für ihr Land aufzulaufen. Das Gesicht des Handballs in Deutschland wird in erster Linie von der Nationalmannschaft geprägt."

Schwalb hatte in Hamburger Medien angekündigt, seine Spieler von einem Verzicht auf die WM im Januar in Spanien überzeugen zu wollen.

Dies hatte bei Heuberger für Unverständnis gesorgt. "Dabei geht es mir aber überhaupt nicht um die deutsche Nationalmannschaft", stellte Schwalb klar: "Ich bin ihr größter Freund, und sie war bei Olympia ja auch gar nicht dabei."

"Trainer, ich kann nicht mehr"

Schwalb betonte mit Nachdruck, dass er immer die besten Spieler bei den großen Turnieren sehen möchte. "Aber warum spielt ein Marcus Ahlm vom THW Kiel nicht mehr für Schweden? Ein Pascal Hens nicht mehr für Deutschland? Und warum steht Igor Vori vor mir und sagt: Trainer, ich kann nicht mehr?"

Die Belastung mit drei Großevents (EM, WM, Olympische Spiele) innerhalb von 13 Monaten sei einfach auf Dauer zu hoch. "Im Interesse der Spieler muss ich mit ihnen reden. Sie werden ausgequetscht wie Zitronen."

Zu große Belastung im Jahr

Mit seinen Sorgen steht Schwalb nicht alleine dar. Auch Heuberger stimmt dem HSV-Coach zu, dass die Belastung der Nationalspieler in diesem Jahr besonders groß sei.

Zudem verstehe er, dass Vereine "eine andere Interessenlage" als der Verband hätten. Trotzdem müssten "andere Wege" gefunden werden, um damit fertig zu werden.

Entzerrung des Programms

Deshalb schlägt auch SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar eine Verringerung der Turnieranzahl vor.

"Alle vier Jahre eine WM, alle vier Jahre eine EM und bei den olympischen Spielen im Winter nimmt man auch teil. Wenn im Sommer dann die Olympischen Spiele anstehen, würde ich Beach-Handball vorschlagen. So könnte der Zyklus etwas entzerrt werden, und die Spieler hätten auch etwas mehr Luft", schreibt der ehemalige Nationalspieler in seiner Kolumne auf SPORT1.de (Kretzsche-Kolumne: Heuberger hat recht).

Mit der Entzerrung des extrem fordernden Programms wären Schwalb und Heuberger gleichermaßen gedient.

Denn eigentlich haben beide das gleiche Interesse: In allen Wettbewerben Spitzenhandball zu sehen.

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