SPORT1-Kolumnist Stefan Kretzschmar pflichtet Bundestrainer Martin Heuberger bei und hat auch einen Lösungsansatz parat.

Hallo Handball-Fans,

Der anhaltende Terminstress der Nationalspieler nervt HSV-Coach Martin Schwalb, der einen WM-Verzicht seiner Spieler in Erwägung zieht. Bundestrainer Martin Heuberger verweist auf den Zusammenhang zwischen Stärke des DHB-Teams und dem Renommee der Bundesliga (BERICHT: Heuberger kontert Schwalb). Wer liegt nun richtig?

Zunächst einmal kann ich sowohl Bundestrainer Heuberger als auch Martin Schwalb in dieser Angelegenheit verstehen. Beide vertreten ihre eigenen Interessen, doch für den Sport ist natürlich der Standpunkt Heubergers der richtige Ansatz.

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Die Nationalmannschaft ist das Aushängeschild des Handballs und generiert bei den großen Turnieren im Januar mit Abstand die höchsten Einschaltquoten. Darum ist es natürlich wichtig, dass die Nationalmannschaft eine schlagkräftige Truppe hat, die auch mal wieder etwas gewinnen kann. Dafür braucht Heuberger Zeit, schließlich muss er mit dem Team auch in Ruhe arbeiten können.

Für mich als Spieler hätte sich die Frage Nationalmannschaft oder nicht keine Sekunde gestellt, und mir wäre ziemlich egal gewesen, was mein Trainer davon hält. Mir hat es immer wahnsinnig Spaß gemacht, mit den Jungs bei einem großen Turnier zu spielen. Für jeden Handballer ist es das Größte, sein Land zu vertreten.

Generell muss natürlich die Frage gestellt werden, ob es noch Sinn macht, jedes Jahr ein großes Turnier zu spielen. Diese ganze Terminhatz mit all den Qualifikationsturnieren ist absolut untragbar und kann den Spielern auf absehbare Zeit nicht mehr zugemutet werden.

Mein Vorschlag in diesem Zusammenhang: Alle vier Jahre eine Weltmeisterschaft, alle vier Jahre eine Europameisterschaft und bei den olympischen Spielen im Winter nimmt man auch teil. Wenn im dann Sommer die Olympischen Spiele anstehen, würde ich Beach-Handball vorschlagen. So könnte der Zyklus etwas entzerrt werden, und die Spieler hätten auch etwas mehr Luft.

Jetzt zurück zum aktuellen Geschehen: Die Tests des DHB-Teams gegen Serbien sehe ich eher durchwachsen (NACHBERICHT: Zurück zum Erfolg). Zwar fehlten bei Deutschland Spieler wie Holger Glandorf oder Regisseur Michael Haaß, aber auch die Serben haben nur mit ihrer B-Garnitur gespielt. Daher sollte man eigentlich schon den Anspruch haben, beide Spiele zu gewinnen. Immerhin hatte Heuberger so die Möglichkeit, mit den Debütanten ein paar neue Dinge auszuprobieren.

Noch ein kurzer Blick auf die Bundesliga. Für Magdeburg schwant mir nichts Gutes. Nachdem die Kieler gegen Berlin einen Punkt liegen gelassen haben (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle), dürfte der THW jetzt doppelt motiviert und angestachelt sein. Wer Trainer Alfred Gislason kennt, der weiß, dass der Isländer die Fehler schonungslos angesprochen hat. Kurzum, die Ausgangslage für Magdeburg dürfte nicht allzu gut sein, und Kiel wird ein Zeichen setzen.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 39, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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