Dennoch glaubt SPORT1-Kolumnist Stefan Kretzschmar kaum, dass sich der THW den Triumph im Final Four nehmen lässt.

Hallo Handball-Fans,

die Saison neigt sich dem Ende zu - Zeit, die Pokale zu verteilen.

In allen internationalen Wettbewerben sind deutsche Teams vertreten, und es sieht definitiv nicht schlecht aus für ein paar knallende Sektkorken.

Los geht's mit der Champions League: Im Halbfinale des Finale Four kommt es zum Duell des THW Kiel gegen die Füchse Berlin. Auch wenn THW-Keeper Thierry Omeyer sagt, dass das Team ein wenig müde ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Kieler das im Turnier bemerken wird.

Klar denken alle langsam an Urlaub, aber wenn man irgendwo noch mal die Kräfte mobilisieren kann, dann doch an so einem Wochenende.

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Ich glaube nicht, dass ein THW-Spieler zulassen wird, auch nur ein Prozent weniger Leistung zu bringen wie die ganze Saison über. Müdigkeit dürfte also der letzte Grund sein, warum hier ein Team ein Spiel verliert.

Kiel hat sich die ganze Saison über präsentiert, wie ich es mir in meinen kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können. Von daher kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, dass Kiel etwas anbrennen lässt.

Aber Berlin hat mit Dagur Sigurdsson einen sehr cleveren und smarten Trainer, der sich mit Sicherheit ein paar Sachen einfallen lässt, um diesen schier übermächtigen Gegner zu überraschen.

Bestes Bespiel dafür ist das Rückspiel gegen Leon (29:18, Anm. d. Red.) - das hatte damals auch niemand für möglich gehalten.

Letztlich glaube ich, dass Kiel zu dominant und gut ist. Aber sollte es wirklich passieren, dass diese Übermannschaft mal einen schlechten Tag erwischt, dass auch die Berliner Keeper Silvio Heinevetter und Petr Stochl über sich hinauswachsen, dann wären die Füchse ein Kandidat, um Kiel zu ärgern.

Wenn es also einer kann, dann die Berliner - einer anderen Mannschaft traue ich es selbst dann nicht zu.

Wer sich im anderen Halbfinale durchsetzt, ist fast egal. Beide Teams sind wahnsinnig stark: Kopenhagen hat ja bereits in der Vorrunde stark gegen Kiel gespielt, und Atletico ist seit Jahren das Maß aller Dinge.

Da findet im Finale alles auf einem Level statt. Der Unterschied liegt darin, dass die Dänen individuell unheimlich stark besetzt sind.

Madrid zeichnet sich durch eine sehr geschlossene Mannschaft aus: Sie haben keinen wirklichen Superstar, sind aber extrem eingespielt.

Trainer Talant Dujshebaev legt sehr viel Wert auf Training in Kleingruppen, und das zeigt sich dann auch in den perfekt getimten Spielzügen. Jeder weiß genau, was der andere macht.

Im Europacup der Pokalsieger treffen die beiden Teams der Rückrunde aufeinander: Flensburg hat meine Erwartungen erfüllt, die Gummersbacher haben sie sogar übertroffen.

Schlussendlich wird sich Flensburg das aber zu Hause nicht mehr nehmen lassen, dafür ist das Team einfach zu stark.

Mit dem frenetischen Publikum und dem Trumpf des Hinspiels in der Hand (34:33, Anm. d. Red.) lässt die SG nichts mehr anbrennen.

Mit Mattias Andersson im Tor, der einfach sensationell in Form ist, der kompromisslosen Abwehr und dem soliden Angriff muss schon extrem viel nicht passen, dass die Mission Titelgewinn für Flensburg in die Hose geht.

Last but not least, Frischauf Göppingen: Das Remis im Hinspiel des EHF Pokals gegen die Franzosen hat mich nicht so sehr überrascht. Dünkirchen hat schließlich in Magdeburg gewonnen, das ist also sicherlich keine Gurkentruppe.

Trotzdem bin ich davon überzeugt, das Göppingen sich vor eigenem Publikum durchsetzen wird - der Titelverteidigung dürfte nichts im Wege stehen.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 39, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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