Martin Kaymer (r.) war von Februar 2011 bis April 2011 Weltranglistenerster © getty

Martin Kaymer wähnt sich nach monatelanger Formschwäche bereit für das größte Golf-Event. Auch Langer sieht einen Aufwärtstrend.

Chocago/München - Von wegen Sorgenkind! Martin Kaymer will davon nichts wissen.

Vor der Abreise zum prestigeträchtigen Ryder Cup ab Freitag in Medinah vor den Toren Chicagos hat Deutschlands bester Golfer alle Zweifel im heimischen Mettmann gelassen und sich mit Vater Horst und Bruder Philip auf den Weg über den Großen Teich gemacht.

Das Ziel: Kaymer will den zweiten Sieg bei seiner zweiten Teilnahme am größten Golf-Event der Welt, dem Kontinentalvergleich zwischen Gastgeber USA und Titelverteidiger Europa.

Dafür will er alles tun und kann es wohl auch wieder. Unmissverständlich stellte er klar: "Ich bin bereit."

Durststrecke hinter sich

Worte, die Europas Team-Kapitän Jose Maria Olazabal und der Rest der Mannschaft sicher gerne hören werden.

Denn der 2010 noch gefeierte Deutsche quälte sich monatelang durch eine sportliche Durststrecke.(DATENCENTER: Die Turniere im Überblick)

Da sah sich sogar der ehemalige Team-Kapitän Bernard Gallacher gemüßigt zu sagen: "Martin ist nicht mehr der gleiche Spieler wie vor zwei Jahren. Er ist das einzige Sorgenkind in der Mannschaft."

Vorteil des Außenseiters?

Diese Kritik lässt der ehemalige Weltranglistenerste Kaymer nicht an sich ran.

Trotzig sagt er: "Die Wahrheit liegt auf dem Platz. Ich bin gut vorbereitet und habe zuletzt einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Manchmal ist es ja auch von Vorteil, wenn man unterschätzt wird."

Fast wie in erfolgreichen Zeiten

Nicht nur die Vorbereitungsturniere in Hilsersum (Platz 21.) und in Turin (5.) haben dem früheren US-PGA-Champion wieder das gute Gefühl zurückgegeben.

"Auch die Trainingswochen vor Holland und Italien haben mir sehr gut getan. Ich habe weiter gut trainiert und die Ergebnisse danach gingen in die richtige Richtung", sagte Kaymer.

Phasenweise wähnte er sich wie auf einer Zeitreise zurück zu den erfolgreicheren Tagen: "Es gab in Turin Momente, die mir sehr bekannt vorkamen. Auch in Hilversum habe ich mich in weiten Teilen schon sehr wohl gefühlt." (BERICHT: Gelungene Generalprobe)

Deutschlands Golf-Legende Bernhard Langer glaubt an seinen jungen Kollegen: "Seine letzten Ergebnisse zeigen eindeutig nach oben, und ich bin sicher, dass Martin in den USA seine beste Leistung abrufen wird", sagte Langer dem "Focus".

Fans gegen sich

Das zwölfköpfige Team Europa, das 2010 in Wales mit Kaymer den Pokal erfolgreich verteidigt hatte, braucht am Wochenende auch dringend jedes Pünktchen gegen enorm starke Gastgeber, die zudem als 13. Mann das euphorische US-Publikum hinter sich haben.

Das weiß Kaymer. Dem "kicker" sagte er: "Die Fans sind fanatisch, laut und zu 80 bis 90 Prozent gegen uns. Das wird eine Aufgabe."(TV: Golftotal auf SPORT1)

Teamgeist als Trumpf

Die aber zu bewältigen ist, so Kaymer. Der Mettmanner setzt auf den Teamgeist, der die Europäer in der Vergangenheit immer wieder zu Triumphen geführt hatte.

Meist stellten die USA zwar die stärkeren Einzelspieler, Europa konterte mit mannschaftlicher Geschlossenheit.

"Die Amerikaner haben in den letzten Monaten sehr gut gespielt und außerdem den Heimvorteil", räumt Kaymer ein.

Doch er setzt auf andere Komponenten: "Es kommt nicht von ungefähr, dass wir nur einen Rookie dabei haben, elf Spieler haben schon Erfahrung im Ryder Cup. Dazu kommt, dass wir uns untereinander ausnahmslos gut verstehen, als Team brauchen wir uns also nicht zu verstecken."

Hoffen auf Vierer-Einsatz

Und dies will Martin Kaymer in Medinah auch nicht. Und so hofft er, auch an den ersten beiden Tagen in den Vierern zum Einsatz zu kommen. Schließlich will er der Mannschaft etwas geben.

Selbstbewusst sagt er: "Ich bin Teil des Teams - mit allen Stärken und Schwächen."

Und Letzteres hat er ja wohl nebst Zweifeln in der Heimat gelassen.

Weiterlesen