Martin Kaymer gewann bei der PGA Championship 2010 seinen ersten Major-Titel © getty

Martin Kaymer spricht bei SPORT1 über sein Sondertraining, Vergleiche mit Boris Becker und seine Sicht auf den Ryder Cup.

Von Martin Hoffmann und Marc-Oliver Robbers

München - In anderthalb Jahren von Nummer 1 auf 32. Den nackten Resultaten nach geht es mit Martin Kaymer abwärts.

Doch das Abrutschen in der Weltrangliste ist auch einer dreiwöchigen Pause geschuldet, die sich der Rheinländer Mitte August nahm, um an seinem Schwung zu feilen.

Eine technische Umstellung bei einem Weltklasse-Golfer? Das rief ebenso Kritiker auf den Plan wie Kaymers Pokerspiel vor dem Ryder Cup:

Beim Turnier in Gleneagles verließ sich der 27-Jährige - anstatt selbst die letzten Qualifikationspunkte zu sammeln - darauf, dass Nicolas Colsaerts nicht auf den ersten beiden Plätzen landete. Mit Erfolg. (DATENCENTER: Die Turniere im Überblick)

Nun kämpft der Shooting Star des Jahres 2011, der sich mit Platz 21 in Hilversum und Platz 5 in Turin zurückmeldete, mit dem Team Europa in den USA um den Titel. (TV: Golftotal auf SPORT1)

Im SPORT1-Interview der Woche spricht er über den Stellenwert des Ryder Cups, die Wettkampfpause und seine Bedeutung für das deutsche Golf. (VORSCHAU: Bereit für den Hexenkessel)

SPORT1: Herr Kaymer, Sie haben in letzter Zeit alles daran gesetzt, Ihre Technik im Training zu verbessern, dafür sogar die direkte Qualifikation für das Turnier riskiert. Hat es sich gelohnt und was genau ist besser geworden?

Martin Kaymer: Ich weiß, dass in der Vergangenheit viel über meine Entscheidung gesprochen und diskutiert wurde, obwohl ich mit dem "alten" Schwung ja erfolgreich gespielt habe. Ich habe sehr viel an Details und Minimalitäten gearbeitet und nicht meinen Schwung komplett umgestellt. Es gilt sich im Leben weiterzuentwickeln und diesen Prozess habe ich vor einiger Zeit angeschoben. Wichtig ist der Glaube an einen selbst und den Weg, den man bestreitet.

SPORT1: In den vergangenen 20 Jahren gewann das Team Europa sechs von neun Wettbewerben. Wie kommt es, dass sich das Kräfteverhältnis so verschoben hat?

Kaymer: Ich sehe die USA aufgrund des Heimvorteils in diesem Jahr leicht in der Favoritenrolle. Wir verfügen über ein sehr ausgeglichenes und frisches Team - ich traue uns die Titelverteidigung mit ein wenig Glück zu.

SPORT1: Welchen Kontrahenten beim Ryder Cup würden Sie besonders gerne schlagen? Warum?

Kaymer: Das ist mir eigentlich egal. Ich möchte Top-Leistung bringen, Punkte für Europa sammeln und wünsche mir unseren Sieg! Es geht beim Ryder Cup nicht um einzelne Kontrahenten oder Matches, sondern darum als Mannschaft am Ende als Sieger vom Platz zu gehen.seine

SPORT1: Ihr Aufstieg zur Nummer eins hat Ihnen viel Aufmerksamkeit beschert, die scheint wieder nachgelassen zu haben, seit Sie das nicht mehr sind. Wie erleben Sie das gerade?

Kaymer: Ich habe nicht das Gefühl, dass das Interesse an mir abgenommen hat, es sind in diesem Jahr nur andere Fragen, die mir gestellt werden. Ich habe das Gefühl, dass vieles, was ich dieses Jahr tue, anders und kritischer gesehen wird. Ich jedoch bewerte meine derzeitige Situation viel unkritischer, habe meine langfristige Entwicklung im Blick.

SPORT1: Stört es Sie, wenn hier in Deutschland viele offenbar so auf das Thema mit der "Nummer 1" versteift sind?

Kaymer: Ich habe schon bevor ich Nummer 1 wurde gesagt, dass mir das nicht so wichtig ist! Wie andere das Thema bewerten liegt nicht in meiner Macht. Ich bin mir sicher, auf dem richtigen Weg zu sein und sehr bald wieder gutes Golf zu spielen.

SPORT1: Sie waren und sind ein großer Hoffnungsträger Ihres Sports, immer wieder war die Rede davon, dass Sie Golf so boomen lassen könnten wie Boris Becker das Tennis. Ist das nicht eine zu große Heilserwartung, die Ihnen da aufgebürdet wurde?

Kaymer: Ich bin Botschafter für Golf in Deutschland und in der Welt. Alle Vergleiche, Erwartungen, Lasten und Pflichten wurden von Dritten kreiert, dagegen kann ich nichts machen. Ich würde mich aber freuen, wenn meine sportliche Leistung positive Auswirkungen auf den Golfsport in Deutschland haben würden und versuche meiner Rolle als Botschafter auch gerecht zu werden.

SPORT1: Die Bewerbung für den Ryder Cup 2018 in München scheiterte. Was muss passieren, damit wir doch mal einen Ryder Cup in Deutschland erleben?

Kaymer: Wirklich schade, dass wir keine öffentliche Unterstützung für das Projekt erhalten haben. Nun ging letztendlich der Zuschlag an Frankreich, die auf allen Ebenen volle Rückendeckung hatten und sicherlich auch ein tolles Event veranstalten werden. Ich bin ja noch nicht so alt. Vielleicht erlebe ich den Ryder Cup ja eines fernen Tages noch in Deutschland.

SPORT1: Zum Abschluss ein kleiner Ausflug ins Persönliche: Sie haben in mehreren Interviews erzählt, dass Sie angefangen haben, Gitarre zu spielen. Welche Songs haben Sie denn mittlerweile drauf, klappt es schon mit "Stairway to Heaven"?

Kaymer: (lacht) Meine Gitarrenkünste... Leider hatte ich in den letzten Monaten nicht so viel Zeit, um mich meinem Lieblingsinstrument zu widmen, schade. Aber "Stairway to Heaven" klappt bestimmt ganz bald!

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