Louis van Gaal (r.) übernimmt nach der WM das Team von Manchester United © getty

Der Coach der Niederlande baut um, Bayerns Taktik im Pokalfinale lässt grüßen. Gegen Ghana folgt der erste Härtetest.

Von Mathias Frohnapfel

München - Das Ende war bitterböse: Mit null Punkten scheiterten die Niederlande bei der EM 2012 in der Gruppenphase.

Ein Albtraum in Oranje, der sich bei der WM in Brasilien auf keinen Fall wiederholen darf. Für den ebenso stolzen wie eigenwilligen Trainer Louis van Gaal ist das oberste Verpflichtung, denn Holland vergeigte just unter van Gaal 2002 die WM-Quali (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

Der Ex-Bayern-Coach will jetzt alles besser machen und weicht dafür sogar vom traditionellen 4-3-3-System ab, in Brasilien plant der Tulpen-General derzeit mit Dreierkette und Fünfermittelfeld spielen zu lassen.

Ghanas Präsident fordert WM-Titel

Beim Testspiel gegen Ghana (Sa., ab 20.25 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) wird das neue System auf seine Praxis- und WM-Tauglichkeit überprüft.

Ghana ist Deutschlands Gruppengegner und für die Niederlande ein idealer Sparringspartner.

Angeführt vom Schalker Kevin-Prince Boateng hegt Ghana für die WM große Pläne: Staatspräsident John Dramani Mahama verlangte bereits öffentlich, nach der WM die Trophäe in Ghana bestaunen zu wollen.

Und Nationaltrainer Kwesi Appiah sagt mit beschwörendem Unterton: "Unsere Einheit ist fantastisch, die Disziplin ist riesengroß."

Appiah wird seinen Kader nach dem Spiel von 26 auf 23 Spieler reduzieren, sein Kontrahent Louis van Gaal ist ihm da einen Schritt voraus. Der Bondscoach gab bereits am Samstag seinen endgültigen Kader bekannt. (ÜBERSICHT: Die vorläufigen WM-Kader der Gruppen A bis D).

Van Gaal will Kader vor Test benennen

Speziell könnte man sagen. Doch wenn einer über die Nationalelf entscheiden kann, ohne den letzten Test abzuwarten, ist es van Gaal. Das meint wer? Natürlich van Gaal.

Sein Selbstvertrauen spiegelt sich auch in der Systemwahl: Mit dem 3-5-2 setzt er auf Offensive und ein geballtes Mittelfeld.

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Und dass sein Team ? wie der FC Bayern beim 2:0-Sieg im Pokalfinale gegen Borussia Dortmund ? im Rückwärtsgang dann quasi fünf Verteidiger hat, wenn die äußeren Mittelfeldspieler sich nach hinten fallen lassen, gefällt van Gaal obendrein.

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In der Todesgruppe mit Weltmeister Spanien, Geheimfavorit Chile und Australien müssen die Niederländer nämlich zeigen, dass sie auch das Defensivhandwerk beherrschen (SPORT1-WM-Vorschau: Gruppe B).

Die Qualifikation meisterte Holland bravurös mit 34:5-Toren, doch hinter den prominenten Namen für die Offensive wie Robin van Persie, Arjen Robben, Klaas-Jan Huntelaar und Wesley Snejder klafft eine Lücke.

"Unangenehm für den Gegner"

Ron Vlaar (Aston Villa) und der junge, bullige Bruno Martins Indi (Feyenoord Rotterdam) gehören zu den wenigen Defensivleuten, die bereits mehr als eine Handvoll Länderspiele absolviert haben.

Das neue System soll den Jungspunden in der Abwehr helfen und zudem den Ausfall des Mittelfeld-Lenkers Kevin Strootmann kompensieren. Ein Kreuzbandriss durchkreuzte alle Brasilien-Pläne des Roma-Profis.

Auch wegen Strootmann baute van Gaal um.

"Ich denke, dass dieses System für unsere Gegner sehr unangenehm sein wird", sagte der Ballbesitz-Liebhaber jetzt. Und im Moment hat van Gaal auch keine Lust zu offenbaren, ob er so auch in Südamerika spielen lässt.

Sein Eindruck ist aber, dass seine Stars immer mehr die neuen taktischen Leitlinien akzeptieren und umsetzen.

In den Niederlanden wird die Systemumstellung mit Argusaugen verfolgt, zumal es nicht jedem passt, dass in den Medien sich derzeit fast mehr Geschichten zu van Gaals künftiger Aufgabe als Cheftrainer von Manchester United als zu seinem Job als Bondscoach finden.

Robben glaubt an Hollands Chance

Bayern-Star Robben zeigt sich indes zufrieden mit der bisherigen Vorbereitung. Das Gefühl in der Mannschaft sei gut: "Wir arbeiten jeden Tag daran, dass wir von Anfang an voll dabei sind."

Die Todesgrupe schreckt ihn - trotz des Ausfalls von HSV-Spielmacher Rafael van der Vaart - nicht.

"Wir müssen nicht so sehr auf die Gegner schauen, auch wenn die weltklasse sind. Wenn wir bei 100 Prozent sind, haben wir eine gute Chance."

Oranje startet bei der WM am 13. Juni gleich mit der Neuauflage des Finales von 2010 gegen Welt- und Europameister Spanien: Mit van Gaals neukonzipierten Fünfer-Mittelfeld soll ein Fehlstart wie bei der EM 2012 (0:1 gegen Dänemark) unbedingt vermieden werden.

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