Diego Costa bestritt erst ein einziges Länderspiel für Spanien © getty

Für das Testspiel gegen Bolivien wird Spaniens WM-Hoffnung geschont. Ob der Stürmer nach Brasilien reist, steht noch nicht fest.

Von Jonas Nohe

München/Sevilla - Ist er fit oder nicht?

Es ist die wohl meistgestellte Frage der letzten Wochen, wenn es um Diego Costa geht.

Im spanischen Meisterschaftsfinale gegen den FC Barcelona musste der Stürmer von Atletico Madrid nach 16 Minuten wegen einer muskulären Verletzung im rechten Oberschenkel ausgewechselt werden.

Sechs Tage später stand er im Champions-League-Finale gegen Real Madrid wieder auf dem Rasen - und musste bereits nach neun Minuten kapitulieren.

Costa nicht im Kader

Weitere sechs Tage später droht ihm dieses Schicksal im Testspiel der spanischen Nationalmannschaft in Sevilla gegen Bolivien (ab 22 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) nicht. Costa steht gar nicht erst im Kader.

Die Hoffnung auf eine WM-Teilnahme hat aber weder er noch Nationaltrainer Vicente del Bosque aufgegeben.

Entscheidung am Samstag

"Die Aussichten sind gut", betonte del Bosque am Donnerstag, "Diego wird geröntgt, wir werden die Situation bewerten und am Samstagmorgen eine Entscheidung treffen."

Genau wie sein ebenfalls angeschlagener Nationalmannschaftskollege Jesus Navas (Knöchelverletzung) soll sich Costa zuvor noch einmal einer Untersuchung durch die Mannschaftsärzte unterziehen (ÜBERSICHT: Die vorläufigen WM-Kader der Gruppen A bis D).

Beim Verlassen des Trainingsgeländes "Las Rozas" nahe Madrid gab sich der 25-Jährige am Donnerstag immerhin verhalten optimistisch. "Mir geht es besser", sagte er den wartenden Reportern (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

Nur ein Länderspiel

In Spanien ist Costas Gesundheitszustand das bestimmende Thema dieser Tage - obwohl er gerade ein einziges Länderspiel für "La Furia Roja" absolviert hat.

Erst im vergangenen November entschied sich der gebürtige Brasilianer nach langem Hin und Her und trotz zweier Freundschaftsspiele für Brasilien im März 2013 für eine Nationalmannschaftskarriere in Spanien.

Brasiliens Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari reagierte merklich angefressen, Costa wurde in seinem Heimatland zur "Persona non grata" erklärt.

Debüt gegen Italien

Davon unbeeindruckt feierte er beim 1:0 gegen Italien im März sein Debüt in der "Seleccion" und avancierte mit 27 Saisontoren in der Primera Division schnell zum großen WM-Hoffnungsträger bei den Iberern.

Inzwischen plant aber auch del Bosque zweigleisig und hat für einen möglichen Ausfall von Costa und Navas vorgesorgt.

Fernando Torres, immerhin Torschütze in den EM-Finals 2008 und 2012, wurde trotz fast einjähriger Nationalmannschaftspause seit dem Confederations Cup in den vorläufigen 30-Mann-Kader berufen.

Auch Supertalent und Flügelstürmer Gerard Deulofeu, der nach einer starken Saison beim FC Everton zu seinem Heimatverein FC Barcelona zurückkehrt, wurde von del Bosque nominiert.

Martinez im Kader

Beide gehören wie auch Bayerns Javi Martinez zu den 19 Akteuren, die im Kader für den Test gegen Bolivien stehen.

Die Real-Profis Iker Casillas, Sergio Ramos, Daniel Carvajal und Xabi Alonso fehlen dagegen noch.

"Von den 19, die dabei sind, werden 17 zum Einsatz kommen", erklärte del Bosque und betonte: "Niemand muss hier noch etwas beweisen. Alle, die hier sind, haben es verdient."

Hierro hofft auf Costa

Zumindest der ehemalige Nationalspieler und dreimalige Champions-League-Sieger Fernando Hierro hofft dennoch auf eine WM-Teilnahme von Costa.

Der Ausfall eines solchen Spielers könne bei einem großen Turnier entscheidend sein, betonte der ehemalige Verteidiger von Real Madrid.

Am 2. Juni muss del Bosque seinen endgültigen 23-Mann-Kader bei der FIFA melden, am 13. Juni starten die Spanier mit der Final-Revanche von 2010 gegen die Niederlande ins Turnier.

Weitere Gruppengegner sind die hoch gehandelten Chilenen und Außenseiter Australien (ANALYSE: Die Gruppe B im SPORT1-Check).

"Wer am 2. Juni nicht trainieren kann, reist nicht nach Brasilien", stellte del Bosque klar. Bis dahin wird Costa alles unternehmen, um doch noch rechtzeitig fit zu werden.

Wunderheilerin bei WM

Bei der serbischen Wunderheilerin Marijana Kovacevic soll er vor dem Champions-League-Finale mit Stromstößen und Pferdeplazenta behandelt worden sein.

Eine mögliche Anreise von "Doktor Marijana" würde Costa in Brasilien übrigens nicht allzu teuer zu stehen kommen: Sie gehört wie schon bei der WM 2010 zum medizinischen Stab von Deutschlands Gruppengegner Ghana.

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