Volker Finke (Mitte) trainierte von 1991 bis 2007 den SC Freiburg © getty

Kamerun schafft mit der WM-Qualifikation ein Wunder. Jetzt wollen die "Löwen" mit Trainer Volker Finke die Deutsche Elf ärgern.

Aus Kufstein berichtet Reinhard Franke

Kufstein - Volker Finke schlurfte ganz entspannt ins Pressezelt, blieb kurz am Buffet stehen und verdrückte schnell einen Muffin.

Ein Grinsen legte sich auf sein Gesicht. Dann setzte er sich hin und beantwortete die Fragen der Journalisten - auf Französisch.

Nur wenige der wartenden Reporter wollten eine Antwort auf Deutsch vom früheren Freiburg-Coach haben.

Finke ist erst seit rund einem Jahr Nationaltrainer von Kamerun und hat schon einiges richtig gemacht. Inklusive Sprachbarriere.

Die Leute lieben Finke nicht nur dafür, sondern auch für seine direkte, manchmal etwas schroffe, aber ehrliche Art. Und Finke fühlt sich wohl als "Löwen"-Dompteur.

Mäßige Leistung

Die mäßige Leistung im vorletzten Test gegen Paraguay (1:2), bevor es dann bei der Weltmeisterschaft in Brasilien ernst wird, konnte dem 66-Jährigen nicht die gute Grundstimmung vermiesen.

"Meine Jungs haben eine tolle Qualifikation gespielt, jetzt freuen wir uns einfach dabei zu sein, wollen natürlich eine gute Leistung abliefern und es kann nur ein Ziel geben, nämlich die zweite Runde zu erreichen", sagte Finke zu SPORT1.

"Das erste Spiel gegen Mexiko ist das Wichtigste, auf das wir uns vorbereiten." (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

[image id="19b1559d-63ab-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Matip: "Halb so wild"

Paraguay ist abgehakt. "Es lief alles andere als optimal", befand Schalkes Abwehrspieler Joel Matip bei SPORT1, "wir haben da noch einiges an Luft nach oben, aber wir sind ja noch in der Vorbereitung, deshalb ist das alles halb so wild."

Sein Mannschaftskollege, der Mainzer Offensivmann Maxim Choupo-Moting, meinte auf SPORT1-Nachfrage: "Natürlich ist es enttäuschend, dass wir verloren haben, aber gerade in der zweiten Halbzeit haben wir gut dagegen gehalten und Druck ausgeübt. Es war schade, aber es war ein guter Test."

Die Kameruner sind jedenfalls selbstkritisch genug, um zu wissen, dass der Auftritt gegen Paraguay kein Heldenritt war.

(FANSHOP: Jetzt Fan-Artikel des DFB-Teams kaufen)

Matip sagte weiter: "Wir haben wieder etwas dazu gelernt und jetzt hoffen wir, dass wir uns vielleicht gegen die Deutschen ein Erfolgserlebnis holen können."

[tweet url="//twitter.com/search?q=%23ChoupoMoting"]

Blick in Richtung DFB

Mit dem Abpfiff gegen Paraguay ging der Blick also schon in Richtung Sonntag. Dann spielt Kamerun in Mönchengladbach gegen die Deutsche Nationalmannschaft (ab 20 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER), bei der auch längst nicht alles rund läuft.

Das Spiel soll der nächste Schritt für die "unzähmbaren Löwen" sein, deren WM-Qualifikation ein kleines Wunder ist (ÜBERSICHT: Die vorläufigen WM-Kader der Gruppen A bis D).

Denn der Fußball des Afrika-Meisters von 2000 und 2002 steckt immer noch in einer schweren Krise. "Der lokale Fußball ist eigentlich am Boden", berichtet Finke. "Hier funktioniert nichts. Jetzt ist die Riesenchance da, daraus etwas zu machen."

Zwischenzeitlich wurde Kamerun sogar von der FIFA suspendiert, da sich die Politik in die Angelegenheiten des Fußballverbandes eingemischt hatten.

Die WM-Qualifikation war Balsam auf die wunden Seelen. Sie löste in Kamerun einen Begeisterungsturm aus. Und sie ließ die Erwartungen in Windeseile in den Himmel wachsen.

"Im Grunde ist es so, dass die Menschen sicher sind, wir kommen ins Finale", sagt Finke und lächelt. Seit Beginn seines Engagements im Mai 2013 ging er auf das Land und seine besonderen Bedingungen ein.

Mannschaftlicher Zusammenhalt

"In Kamerun wird viel gemeinsam gebetet. Eigentlich vor jedem Training. Dann, wenn wir als Mannschaft zusammen essen. Die Spieler gehören verschiedenen Religionsgruppen an. Es ist eine wichtige Aufgabe für mich, aus den unterschiedlichen Menschen eine Mannschaft zu formen, die zusammenhält."

Das Echo aus der Mannschaft ist positiv.

"Ich spreche da für alle im Team. Es ist eine Ehre für Kamerun zu spielen und es macht mich unheimlich stolz. Wir wollen bei der WM alles geben und erst mal die Gruppenphase überstehen", sagte Matip.

Und der 22-Jährige fügte hinzu: "Volker Finke ist ein super Trainer, der die Sache richtig angeht. Er gibt uns allen ein gutes Gefühl und mit ihm können wir noch stärker werden. Wir freuen uns jetzt auf das Spiel gegen die Deutschen."

Die Partie dürfte für beide Mannschaften ein echter Härtetest werden.

Weiterlesen