ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder der WM-Auslosung © getty

Argentiniens WM-Gruppe soll vorher festgestanden haben, Verschwörungstheorien stützen sich unter anderem auf ein YouTube-Video.

Von Jan Reinold

München - Böse Zungen behaupten ja, das einzig Aufregende an der doch sehr langatmigen Auslosung der WM-Gruppen am vergangenen Freitag im brasilianischen Costa do Sauipe sei Fernanda Lima gewesen (WM-Spielplan geändert).

"Das co-moderierende Model, langbeinig und tief dekolletiert, zog Blicke auf sich; ausgenommen im sittenstrengen Iran, wo manche Nahaufnahme der Präsentation ausgeblendet wurde", heißt es beispielsweise in der "Süddeutschen Zeitung".

Im argentinischen TV war Fernanda Lima hingegen in ihrer vollen Pracht zu bestaunen, und doch sorgte die Auslosung beim zweimaligen Weltmeister zunächst kaum für Aufregung.

Iran, Bosnien-Herzegowina und Nigeria lauten die Gegner der Albiceleste in der Gruppe F (SERVICE: Der Tabellenrechner zur WM). "Im Allgemeinen" sei das "ein positives Resultat", befand Argentiniens Nationaltrainer Alejandro Sabella recht sachlich: "Uns ist eine Todesgruppe erspart geblieben."

Auf den zweiten Blick aber löst die Auslosung dann doch Geraune aus. Es wird getuschelt und gemunkelt, von Betrug ist in südamerikanischen Medien die Rede.

"Bleiben Sie ruhig"

Wie die Webseite "canchallena.com" - ein digitaler Ableger der angesehen argentinischen Tageszeitung "La Nacion" - berichtet, soll dem argentinischen Losglück gewaltig nachgeholfen worden sein. (SHOP: Jetzt Fanartikel von Argentinien kaufen)

"Hohe Quellen" sowohl der FIFA als auch des argentinischen Verbandes AFA hätten im Vorfeld der Auslosung gegenüber mindestens zwei Journalisten des Blattes bestätigt, dass die Mannschaft um Superstar Lionel Messi wunschgemäß in die sechste Vorrundengruppe gelost werde.

"Bleiben Sie ruhig, Argentinien wird in Gruppe F sein", werden die nicht namentlich genannten Informanten zitiert.

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Weitsicht oder Absprache?

Beweise gibt es - wie in solchen Fällen immer wieder üblich - nicht, aber eine Verkettung (un)glücklicher Umstände. So hatte die AFA bereits Monate vor der WM-Auslosung ihr Quartier für die Endrunde in Brasilien gefunden: in Belo Horizonte.

Dort findet am 21. Juni das zweite Gruppenspiel gegen den Iran statt. Zuvor (15.6.) geht es zum Auftakt im für brasilianische Verhältnisse nahen Rio de Janeiro gegen WM-Neuling Bosnien. Und das dritte Vorrundenspiel bestreitet Argentinien am 25. Juni gegen Nigeria in Porto Alegre, tief im Süden Brasiliens und damit relativ heimatnah.

Bewies die vom skandalumwitterten FIFA-Vizepräsidenten Julio Grondona geführte AFA also mit der Wahl des äußerst günstig gelegenen Quartiers ein "Höchstmaß an Weitsicht" ("Süddeutsche Zeitung")? Oder ist alles ein abgekartetes Spiel?

Für Letzteres spricht, dass die gewählte Team-Unterkunft auf dem Gelände des ortsansässigen Erstligisten Atletico Mineiro zunächst gar nicht auf der Liste der offiziellen FIFA-Quartiere gestanden haben soll.

Erst nach der Vertragsunterzeichnung zwischen AFA und Klub, die der Verband am 23. Oktober vermeldete, sei es dort aufgenommen worden. Man kann das als Indiz für Unregelmäßigkeiten werten, muss man aber nicht.

Twitter-Meldung sorgt für Aufsehen

Auch bei der eigentlichen Auslosung will "La Nacion" Unregelmäßigkeiten entdeckt haben.

Während Fernanda Lima die Loskugeln auf der Bühne deutlich sichtbar öffnete, tat FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke dies oft hinter einer Art Sichtblende an dem blauen Pult.

Sieht man sich Videos der Auslosung im Internet noch einmal an, bestünde in der Tat die Möglichkeit, dass die Zettel in den Kugeln vor dem Verkünden getauscht worden sind. Eine Theorie, aber kein Beweis.

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Gleiches gilt für Twitter-Meldungen, in denen schon vor der Auslosung die korrekte Zusammensetzung der ominösen Gruppe F verkündet wurde. Es kann sich um einen Zufall handeln, auch ein technisches Problem ist nicht auszuschließen.

[tweet url="//twitter.com/search?q=%23FifaFraude"]

Sicher ist nur: Der eine oder andere wird an der Seriosität der FIFA-Veranstaltung zweifeln, daher reagierte der Weltverband am Dienstag und wies die Vorwürfe zurück.

FIFA widerspricht

"Diese Gerüchte entbehren jeder Grundlage. Die gesamten Vorbereitungen der Auslosung wurden von drei Vertretern von Ernst überwacht und validiert", teilte der Weltverband mit.

Neben der Überwachung durch die Wirtschaftsprüfer seien zudem während der Auslosung "mindestens sieben Kameras aus verschiedenen Perspektiven zu allen Zeiten auf den Generalsekretär gerichtet" gewesen, hieß es in der Stellungnahme weiter. Welche Einstellung für die TV-Zuschauer sichtbar war, habe der Showdirektor im Übertragungswagen entschieden.

Und bei der Sichtblende am Pult habe es sich lediglich um einen Monitor gehandelt, der die Grafiken anzeigte, "damit der Generalsekretär den vollen Überblick über den Stand der Gruppen hatte".

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