Joachim Löw ist seit 2006 Bundestrainer der Fußball-Nationalmannschaft © getty

Im DFB-Team sind viele WM-Plätze vergeben. Doch verletzte Stars bereiten Sorgen. Der Bundestrainer macht Youngstern Hoffnungen.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch und Jochen Stutzky

Salvador da Bahia - Die Lose sind gezogen, die WM-Würfel aber nicht komplett gefallen.

Am 16. Juni startet Deutschland in Salvador da Bahia gegen Portugal ins Hitze-Turnier, das allen das Maximum abverlangen wird. (SERVICE: Der Tabellenrechner zur WM)

Der Großteil des DFB-Aufgebots steht wohl schon fest, doch es gibt noch einige unbekannte Größen - und vielleicht noch dicke Überraschungen.

Schalkes Max Meyer, Stuttgarts Timo Werner und vielleicht auch Kevin Großkreutz dürfen auf die Teilnahme an der Weltmeisterschaft (12. Juni bis 13. Juli) hoffen.

Nach dem Testspiel gegen Polen (12. Mai in Mainz) wird man die Antworten wissen. Dann nominiert Bundestrainer Joachim Löw seinen Kader, zu dem auch Shootingstars gehören könnten, die bisher niemand auf der Rechnung hatte.

"Es gibt schon einige Spieler, die zwar noch jung, aber von ihrem Talent her überragend sind. Da kann es schon sein, dass einer bei der WM mit dabei ist", sagte Löw der "Bild am Sonntag".

Khedira schon im April zurück?

Youngster wie Meyer oder Werner haben sich zuletzt mit guten Leistungen in den Vordergrund gespielt. Beide wurden bisher noch nicht von Löw eingeladen, doch der Bundestrainer hat sie auf dem Zettel, seine Späher beobachten genau.

Einen Platz hält Löw für Khedira frei. Der Mittelfeldspieler von Real Madrid hatte sich beim Testspiel in Italien (1:1, 15. November) einen Kreuzbandriss zugezogen.

Im Normalfall droht ihm eine mindestens sechsmonatige Pause. Doch der Bundestrainer hat den Real-Star längst nicht abgeschrieben.

"Sami hat einen extrem ausgeprägten Willen. Ihn könnten wir in Brasilien wahnsinnig gut gebrauchen", erklärte Löw. "Trainer, ich kann es schaffen. Ich bin positiv", gibt sich Khedira kämpferisch.

Physio macht Hoffnung

"Läuft alles nach Plan, ist er im April wieder auf dem Platz und es klappt mit der WM", zitiert die Münchner "tz" einen behandelnden Physio.

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Sollte Khedira allerdings nicht rechtzeitig fit werden, steigen Sven Benders Chancen, in den WM-Kader zu rücken. Der Dortmunder war in Italien und beim 1:0 in England eingesprungen.

Werden verletzte Leistungsträger wie Khedira, Bastian Schweinsteiger, Ilkay Gündogan, Miro Klose oder Mario Gomez für die WM fit sein? Und wer springt noch auf den Zug auf?

SPORT1 erklärt, wer zur WM fliegt, wer hoffen darf und wer eher schlechte Aussichten hat.

TOR:

Roman Weidenfeller feierte in Wembley sein Länderspieldebüt. Benders Vereinskollege bekam viel Lob von Löw und Torwarttrainer Andreas Köpke für seine starken Leistungen beim BVB und seine Top-Einstellung.

Weidenfeller darf hoffen, neben Manuel Neuer und Rene Adler als Nummer drei nach Brasilien zu fliegen. Ron-Robert Zieler und Marc-Andre ter Stegen drohen leer auszugehen.

ABWEHR:

Vier Mann sind gesetzt: Philipp Lahm, Jerome Boateng, Per Mertesacker und Mats Hummels. Der Dortmunder hatte zwar zuletzt seinen Platz in der Innenverteidigung verloren, ist aber für die WM fest eingeplant.

Marcel Schmelzer sitzt nicht so fest im Sattel wie sein Vereinskollege. Der Linksverteidiger war zuletzt im Formtief und spürt den Druck von Marcell Jansen. Wahrscheinlich werden beide bis zur WM um den Platz hinten links kämpfen.

Benedikt Höwedes' Vorteil ist seine Vielseitigkeit. Als Innenverteidiger und Außenverteidiger ist er Backup, solche Spieler bracht man bei einem Turnier.

Auch Heiko Westermann kann auf verschiedenen Positionen spielen, doch der HSV-Profi hat gegenüber seinen Konkurrenten deutliche spielerische Defizite.

Allrounder Kevin Großkreutz spielt in Dortmund seit Monaten auf Top-Niveau auf der für ihn zuerst ungewohnten Position als Rechtsverteidiger.

Lars Bender hat bei der EM 2012 gegen Dänemark gezeigt, dass er als Rechtsverteidiger jederzeit aushelfen könnte. Der Leverkusener ist von Löw aber nicht für die Abwehr-Viererkette eingeplant.

MITTELFELD:

Bender kommt im Mittelfeld die Rolle eines Ergänzungsspielers zu, ähnlich ist es bei seinem Zwillingsbruder Sven.

Beim 1:0 in England standen beide in Abwesenheit der Verletzten Khedira, Schweinsteiger und Gündogan sogar erstmals zusammen in der Startelf und machten ihren Job in der defensiven Zentrale gut.

Wenn Schweinsteiger und Gündogan fit sind, werden die Benders aber auf der Bank sitzen.

In der Offensive kann Löw aus dem Vollen schöpfen: Mit Thomas Müller, Mesut Özil, Toni Kroos, Marco Reus und Mario Götze hat der Bundestrainer fünf potenzielle Stammspieler für drei Positionen.

Andre Schürrle drängt ins Team, Lukas Podolski hat nach der EM seinen Platz an Reus und durch Verletzungen an Boden verloren. Podolskis Plus: Er steht dank seiner großen Turniererfahrung bei Löw hoch im Kurs.

Julian Draxler galt als Durchstarter, doch der Schalker kommt nicht an den Etablierten vorbei. Hinter Draxler drängen sich sein Klubkollege Max Meyer und Stuttgarts Überflieger Timo Werner auf. Für beide sprechen Technik, Dynamik und ihre Unbekümmertheit.

Sidney Sam hat in Leverkusen einen großen Schritt nach vorn gemacht und könnte auf der rechten Seite als Joker die Gegner überraschen. Ähnliche Vorzüge hat auch Nicolai Müller.

Der Mainzer durfte auch mit auf die USA-Reise, wurde aber seitdem nicht mehr eingeladen.

STURM:

Im Sturm ist die Situation übersichtlich, aber deshalb nicht einfach. Klose und Gomez wurden zuletzt immer wieder von Verletzungen gestoppt.

Max Kruse glänzt in Mönchengladbach, doch der Ex-Freiburger ist kein klassischer Stürmer und auf internationaler Ebene wird für ihn die Luft dünner. So ähnlich beschrieb Löw vor einigen Monaten Stefan Kießlings Eigenschaften.

Der Leverkusener hat nur WM-Chancen, wenn der Bundestrainer keine andere Alternative mehr haben sollte. U-21-Kapitän Kevin Volland könnte eine sein.

Löw hat noch einige Probleme zu lösen, aber auch viele Optionen in der Hinterhand. Bis zur Entscheidung im Mai steht noch das Spiel am 5. März in Stuttgart gegen Chile auf dem Programm.

Eine gute Gelegenheit für Löw, in seiner alten Heimat einen VfB-Youngster aus seiner Wundertüte zu zaubern.

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