Löw und DFB-Boss Niersbach sprechen über Gegner und Quartiersuche. Die deutschen Trainer und Wilmots hoffen auf die K.o.-Runde.

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Aus Brasilien berichten Thorsten Mesch und Jochen Stutzky

Costa do Sauipe - Joachim Löw warf freundlich ein "Servus" in die Runde, als er nach der Auslosung der WM-Gruppen (Bericht) neben dem Pool des Hotels "Sauipe Class" zum Interview bat.

Nur noch lässig im hellen Hemd statt mit dunklem Jackett sprach der Bundestrainer kurz über Portugal, die USA und Ghana ( 817600 DIASHOW: Bilder der Auslosung ).

"Es ist eine schwere Gruppe", sagte Löw, schließlich seien bei der WM 2010 alle drei Gegner über die Gruppenphase hinausgekommen. "Portugal ist natürlich der schwerste Gegner und einer der Favoriten", meinte Löw und gab zu, dass die Partie gegen die USA und Trainer Jürgen Klinsmann "etwas Besonderes für uns beide" ist.

Klinsmann spricht von härtester Gruppe

"Das Duell wird bestimmt von den Medien aufgebauscht, aber wir müssen das professionell angehen. Wir sind Gegner und müssen das Beste daraus machen", sagte Löw im Gespräch mit SPORT1.

"Wir haben vorher im Hotel noch gescherzt 'Jürgen, lauf nicht so weit weg, wir kommen sowieso in eine Gruppe'", ergänzte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bei SPORT1 (SERVICE: Der Tabellenrechner zur WM).

Klinsmann freute sich zwar auf das Treffen mit Löw, war aber von der Auslosung nicht gerade begeistert. "Wir haben vielleicht die härteste Gruppe erwischt, aber wir müssen da durch. Es ist eine große Herausforderung und wir wollen die nächste Runde erreichen", sagte Löws ehemaliger Chef.

Bierhoff warnt

"Machbar, aber ganz bestimmt nicht im Vorbeigehen zu schaffen", fand Niersbach die Gruppe G. "Portugal ist ein hartes Kaliber, aber sie haben bestimmt Manschetten vor uns", meinte Niersbach und spielte auf die deutschen Siege gegen Cristiano Ronaldo und Co. bei der WM 2006, der EM 2008 und der EM 2012 an ( 816143 DIASHOW: Die deutschen Vorrundenspiele seit 2002 ).

Mit Ghana habe die DFB-Auswahl hingegen bei der WM in Südafrika "schon einige Probleme" gehabt. Und für die Qualität dieser Mannschaft steht ja nicht zuletzt Kevin-Prince Boateng.

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"Ronaldo macht bei Portugal den Unterschied aus, das hat man auch gegen Schweden gesehen. Und afrikanische Mannschaften sind manchmal schwer berechenbar", erklärte DFB-Teammanager Oliver Bierhoff.

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Quartiersuche drängt

Bevor es an die Gegnerbeobachtung geht, müssen Löw und Bierhoff ein anderes Problem lösen. "Wir müssen Lösungen finden, wie wir mit der Hitze umgehen", erklärte der Trainer.

Dabei hat die Quartiersuche zunächst höchste Priorität.

"Wir unterhalten uns am Abend noch eingehend, dann werden wir im Laufe dieses Monats bestimmen, wo wir hingegen, wie die Vorbereitungen aussehen soll und wer die möglichen Gegner (für Testspiele) sind", erklärte Löw am Freitag.

Porto Seguro ist Favorit

Bis zum 18. Dezember muss sich der DFB entscheiden, das ist eine Vorgabe der FIFA. Eile ist also geboten.

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"Wir werden morgen und übermorgen die Quartiere in den drei Städten noch einmal genau inspizieren", sagte Niersbach.

Das "Mabu Brasili Resort" in Porto Seguro, etwa 600 Kilometer südlich von Salvador da Bahia gilt nach der Auslosung wegen seiner strategisch günstigen Lage als Favorit.

Nach SPORT1-Informationen wird die deutsche Delegation schon am Samstag dort erwartet.

Niersbach duldet keine Ausreden

Der "San Rapahel Country Club" in Itu in der Nähe von Sao Paulo hat als Alternative schlechtere Aussichten, ob der DFB wirklich noch einen Plan C in der Hinterhand hat, ist ungewiss.

"Wir werden uns zu 100 Prozent so aufstellen, dass am Ende keiner sagen kann, das Hotel oder die Verpflegung war zu schlecht", meinte Niersbach. Wichtig sei, dass die Mannschaft die Bedingungen in Brasilien annimmt. "Wenn wir anfangen zu lamentieren, haben wir schon verloren."

Wenn das DFB-Team das Achtelfinale erreicht, trifft es auf einen Gegner aus der Gruppe H mit Belgien, Algerien, Südkorea und Russland.

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"Es wäre schön gegen Deutschland zu spielen, aber wir müssen zunächst das Achtelfinale erreichen", sagte Belgiens Trainer Marc Wilmots zu SPORT1.

Hitzfeld und Wilmots wollen Deutschland

"Unsere Mannschaft ist sehr jung und hat ganz wenig Erfahrung bei Turnieren. Aber sie geht nach vorn und versucht immer, so weit wie möglich zu kommen", ergänzte Wilmots: "Aber Reden und Tun sind zwei unterschiedliche Dinge."

Übersteht die deutsche Mannschaft die erste K.o.-Runde als Gruppenerster, könnte es im Viertelfinale zum Duell mit Frankreich oder der Schweiz kommen.

"Wenn wir im Viertelfinale auf Deutschland treffen können, wäre es für mich ein besonderer Anreiz als deutscher Trainer", sagte "Nati"-Coach Ottmar Hitzfeld zu SPORT1: "Frankreich und die Schweiz sind die Favoriten, aber es gibt Stolpersteine mit Honduras und Ecuador. Die Hitze könnte auch ein Vorteil für diese beiden sein."

"Brasilien ist das leichteste Spiel"

Ein fast deutsch-deutsches Duell könnte es in der Gruppe A geben, wo Gastgeber Brasilien auf Mexiko, Kamerun mit Trainer Volker Finke und Kroatien mit Coach Niko Kovac trifft.

"Ich habe noch am Tag vor der Auslosung lange mit Niko Kovac gesprochen. Wir kennen uns gut, es wird zwischen uns keine Geheimnisse geben", sagte Finke zu SPORT1.

Das Spiel gegen Brasilien sei "vielleicht ein emotional schönes Erlebnis und das leichteste Spiel für uns", erklärte der ehemalige Bundesligatrainer. "Selbst bei einem schlechten Ergebnis könnte es ein positives Erlebnis für uns sein. Die anderen Spiele sind viel schwieriger, weil wir da den Druck aufbauen müssen, um die Punkte zu holen."

Der ehemalige Bundesligaprofi Kovac fiebert dem Duell mit dem Gastgeber entgegen. "Wir sind ein kleines Land und wir spielen gegen Brasilien. Die ganze Welt schaut auf uns. Ich finde, es ist perfekt."

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