Deutschland trifft bei der WM auf alte Bekannte wie Klinsi, Ronaldo und Boateng. Wichtiger für Löw sind aber andere Dinge.

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Aus Costa do Sauipe berichten Thorsten Mesch und Jochen Stutzky

Costa do Sauipe - Als Ghana als erster Gegner der deutschen Mannschaft aus dem Lostopf gezogen wurde, ging im Medienbereich der Arena Sauipe das Getuschel los (Bericht).

Wieder Ghana, wie schon 2010 in Südafrika, als Deutschland mit Mühe und dank eines Treffers von Mesut Özil zusammen mit den Afrikanern das Achtelfinale erreichte.

Als kurz darauf die USA in Gruppe G landeten, wurde gelacht. Ausgerechnet die Mannschaft von Jürgen Klinsmann, Joachim Löws Vorgänger auf der deutschen Bank.

Und als schließlich Portugal gezogen wurde, ging fast schon ein Aufschrei durch die Halle ( 817600 DIASHOW: Bilder der Auslosung ). Wie so häufig bei vergangenen Turnieren treffen Philipp Lahm und Co. auf Cristiano Ronaldo.

"Wir sind Favorit"

"Das ist eine schwere Gruppe", sagte Bundestrainer Joachim Löw.

"Wir treffen auf alte Bekannte. Es ist nicht nur ein Wiedersehen mit Jürgen Klinsmann, Ghana hatten wir 2010 schon in unserer Gruppe, 2012 hatten wir Portugal im ersten Spiel."

"Alle Gegner sind machbar. Es ist klar, dass wir der Favorit sind", erklärte Oliver Bierhoff recht forsch.

Klima wichtiger als Gegner

Mehr Sorgen als die Gegner machen ihm "die Temperaturen in Fortaleza und Recife", ergänzte der DFB-Teammanager.

In Fortaleza und Recife herrscht im Juni/Juli feucht-heißes Klima, genauso wie in Salvador da Bahia. 75 Kilometer südlich vom Auslosungsort Costa do Sauipe trifft das DFB-Team am 16. Juni in seinem ersten Spiel auf Portugal.

In Fortaleza geht es am 21. Juni gegen Ghana, in Recife am 26. Juni gegen die USA.

Bierhoff und Löw müssen nun bald entscheiden, wo die deutsche Mannschaft während der WM ihr Quartier bezieht.

Itu oder Porto Seguro?

Nach der Auslosung und dem möglichen weiteren Turnierverlauf wäre es keine Überraschung, wenn die Wahl auf das Mabu Brasili Resort in Porto Seguro, etwa 600 Kilometer südlich von Salvador, fallen würde.

Der San Rapahel Country Club in Itu in der Nähe von Sao Paulo erscheint nun wegen der in der Vorrunde deutlich größeren Flugdistanzen eher unwahrscheinlich. Vielleicht gibt es aber noch eine weitere Alternative.

"Jetzt können wir beginnen, konkret zu arbeiten", sagte Löw, der mit Bierhoff die Anlagen am Wochenende noch einmal inspizieren will.

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Emotionales Duell

Für den Bundestrainer und den Teammanager hat das Aufeinandertreffen mit Jürgen Klinsmann einen besonderen emotionalen Aspekt.

"Die USA in der Gruppe zu haben, ist etwas ganz Besonderes. Jürgen und ich haben seit langer Zeit ein sehr gutes und inniges Verhältnis", sagte Löw.

"Man weiß, wie gut Jürgen eine Mannschaft einstellen und sie heiß machen kann. Das wird ein tolles Spiel", meinte Bierhoff. ( 816143 DIASHOW: Die deutschen Vorrundenspiele seit 2002 ).

"Der Fußball schreibt all diese verrückten Geschichten, jetzt kommt die nächste hinzu", sagte Klinsmann nach der Auslosung lächelnd. "Für uns ist es eine Wahnsinns-Gruppe. Es ist eine Gruppe, die könnte nicht schwieriger sein."

Klinsmann mit Kampfansage

Wenn es für beide Mannschaften optimal läuft, ist das letzte Spiel ein Duell um den Gruppensieg.

Klinsmann machte der deutschen Elf vorsorglich schon einmal eine Ansage. "Wir wollen Deutschland einen echten Kampf liefern und werden sehen, was möglich ist", sagte der ehemalige Trainer der DFB-Auswahl.

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Sollte Deutschland Gruppensieger werden, könnte der Gegner im Achtelfinale im eher kalten Porto Alegre Belgien, Südkorea, Russland oder Algerien heißen.

Im Viertelfinale könnte es gegen Franck Riberys Franzosen oder Ottmar Hitzfelds Schweizer gehen.

Portugal-Coach Bento mit leisen Tönen

Im Halbfinale wäre dann Brasilien der Gegner. Dass der Gastgeber seine Gruppe A gegen Kroatien, Kamerun und Australien gewinnt, ist anzunehmen.

Wird das DFB-Team Gruppenzweiter, könnten Argentinien im Viertelfinale und Weltmeister Spanien oder Vize-Champion Niederlande im Halbfinale lauern.

"Deutschland ist heißer Favorit auf den Gruppensieg", erklärte Portugals Trainer Paulo Bento: "Ghana und die USA sind gut organisiert und verfügen über individuelle Qualität. Unser Ziel ist es, in die K.o.-Runde einzuziehen."

Unterschiedliche Erfahrungen mit den WM-Gegnern

Bei der EM 2012 lieferten sich Deutschland und Portugal ein von Taktik geprägtes Duell, das die DFB-Auswahl 1:0 gewann. Beide Teams zogen damals in die K.0.-Runde ein.

Gegen die USA verlor Deutschland Anfang Juni 3:4, allerdings fehlten Löw damals fast sämtliche Stammspieler.

Gegen Ghana gab es 2010 eine 1:0-Zitterpartie, in der die Brüder Jerome und Kevin-Prince Boateng aufeinandertrafen.

"Ich freue mich auf das Duell und das nächste Spiel gegen meinen Bruder bei einer Weltmeisterschaft", twitterte der Schalker. "Auch das Spiel gegen meinen Mannschaftskameraden Jermaine Jones ist einfach toll."

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Bierhoff "nicht unzufrieden"

"Das ist eine Hammergruppe, in der der Druck bei Portugal und Deutschland liegt. Dass wir gegen Deutschland spielen, ist großartig, denn das ist das Land, in dem ich geboren wurde", freute sich Jones, der Kapitän der US-Auswahl.

Die Gruppe G ist eben ein Treffen alter Bekannter. Und wenn man auf die starke Gruppe D mit Uruguay, Italien und England blickt, können alle ganz gut damit leben.

"Wir müssen nicht unzufrieden sein", sagte Oliver Bierhoff. Wenn er das richtige Quartier gefunden hat, wird er wohl auch zufrieden sein.

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