In Brasilien fanden während des Confed Cups Massendemonstrationen statt © getty

Die Gruppenauslosung soll ein glänzender Auftakt für die WM in Brasilien werden. Aber soziale Proteste drohen sie zu überschatten.

Von Martina Farmbauer

München/Costa do Sauipe - Jeder erwartete von Brasilien den nächsten WM-Titel nach 1958.

Auch dank Mane Garrincha wurde dies 1962 Wirklichkeit. Der filigrane Außenstürmer gilt neben Pele als der größte Fußballer des Landes.

Und was sagte sein Nationaltrainer über ihn? Aymore Moreira meinte: Der Stürmer spiele so, als wäre er auf einem Feld in seinem Heimatort Pau Grande, im Nordosten Rios.

Jetzt ist Brasilien selbst Gastgeber der Weltmeisterschaft, die Erwartungen sind riesig und es sieht so aus, als könnte dem Land ein wenig von der Einstellung Garrinchas nicht schaden.

Sportlich läuft es gut, doch im Land rumort es.

Der Confed Cup war als Standortbestimmung für Brasilien sehr wichtig. Und diesen hat die Selecao mit 3:0 gegen Weltmeister Spanien für sich entschieden.

Massenproteste gegen Missstände

Angespannt ist aber die Stimmung im Land des fünfmaligen Weltmeisters trotzdem, neue Proteste sind angekündigt. Schon beim Confederations Cup im Juni schaute die Welt auf Brasilien, weil in den großen Städten des Landes Massendemonstrationen stattfanden.

Demonstrationen gegen viele Missstände: Das schlechte Gesundheits- und Bildungssystem, die marode Infrastruktur, ein heruntergekommenes Transportwesen, hohe Ticketpreise im Nahverkehr, niedrige Löhne, Wohnungsnot, Preiswucher in den Metropolen.

4,4 Millionen Euro für Auslosungsort

Und nun findet in Costa do Sauipe am Freitag die Gruppenlosung für die WM-Endrunde statt. Die Auslosung ist so etwas wie ein Trostpreis für den Bundesstaat Bahia, der gerne das Eröffnungsspiel anstelle von Sao Paulo gehabt hätte - und beschloss, zu beeindrucken.

Er wählte nicht die Hauptstadt Salvador, sondern den paradiesischen Küstenort mit seinen teuren Resorts 76 Kilometer nördlich von Salvador. 14 Millionen Reais, umgerechnet 4,4 Millionen Euro, kostete der Bau der Arena Sauipe, die die Auslosung beherbergen wird.

Reich und Arm liegen weit auseinander

Es sind genau diese Verschwendung und Großmannssucht, die die Bürger auf die Straße treiben in einem Land, das zu den zehn größten Wirtschaftsnationen der Welt gehört, das aber auch im Human Development Report des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen auf einem Platz jenseits der 80 steht.

Und in dem die reichsten zehn Prozent das Dreißigfache an Einkommen beziehen, was die ärmsten 40 Prozent nach Hause bringen.

"Gegen Modell der Mega-Sportveranstaltung"

"Wir sind gegen das Modell dieser Mega-Sportveranstaltungen, die nur einigen korrupten Eliten im Lande großen Konzernen und einer fragwürdigen Organisation wie der FIFA nutzen", sagte Gustavo Mehl der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Mehl ist einer der Organisatoren des sogenannten Comite Popular, das Proteste gegen die WM vorbereitet.

Und dann die Bauunfälle, bei denen zuletzt in Sao Paulo zwei Arbeiter ums Leben kamen, als ein Kran auf das Dach des Itaquerao-Stadions stürzte. ( 813756 DIASHOW: Die Bilder des Unglücksorts ).

Der Zeitdruck auf die Organisatoren ist enorm - ebenso wie der sportliche Druck auf die Nationalmannschaft "enorm" sein wird, wie Neymar sagte.

Überzeugende Bilanz

Bisher ist diese damit gut umgegangen, dies zeigt die Jahresbilanz. 19 Testspiele sowie Partien beim Confederations Cup hat die Selecao heuer bestritten und davon nur zwei verloren, gegen England mit 1:2 und gegen die Schweiz (0:1).

Zuletzt, als Deutschland gegen Italien sowie England testete und Portugal sich gegen Schweden einen Platz bei der WM sicherte, gewann Brasilien gegen Chile (2:1) und Honduras (5:0), die beide Teilnehmer der Weltmeisterschaft sind.

Luiz Felipe Scolari ist im vergangenen November als Trainer angetreten. Er ist der bisher letzte, der mit Brasilien den WM-Titel geholt hat, in Japan und Südkorea 2002 gegen Deutschland.

"Brasilien wird Weltmeister werden"

Alles andere als der Titel wäre für die Fußballverrückten Brasilianer bei der Heim-WM eine Enttäuschung. Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari sagte: "Es gibt keinen Druck, Weltmeister zu werden. Brasilien wird Weltmeister werden." Wenn das mal kein Druck ist.

Darüber hinaus gilt es, den Maracanaco auszumerzen, den Schock vom Maracana-Stadion 1950.

Damals führte Brasilien im Finale gegen Uruguay mit 1:0, die Zeitungen mit der Schlagzeile "Weltmeister" waren bereits gedruckt, ehe sich die Celeste mit 2:1 den Sieg holte.

Der Schock soll so groß gewesen sein, dass sich Menschen von den Tribünen in den Tod stürzten.

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