Marc Wilmots trainiert seit 2012 die belgische Nationalmannschaft © getty

Ein Ex-Schalker formt das Starensemble zu einem Top-Team mit gewaltigem Marktwert: Kann Belgien den WM-Titel holen?

Von Denis de Haas

München - Vor dem Abflug musste Marc Wilmots noch telefonieren.

Schließlich hatte sich ein Staatsoberhaupt bei ihm gemeldet.

Belgiens König Philippe höchstpersönlich wollte gratulieren. Grund genug gab es: Nationaltrainer Wilmots hatte sich mit seiner Truppe durch ein 2:1 in Kroatien soeben souverän für die WM in Brasilien qualifiziert.

Das Ende einer zwölf Jahre andauernden Leidenszeit! 2002 in Japan und Südkorea waren die Belgier zuletzt bei einem großen Turnier dabei - damals noch mit dem Spieler Wilmots.

Der Anfang einer glorreichen Zukunft? Nur wenige Teams sind mit derartig vielen hochkarätigen Talenten gespickt wie die "Roten Teufel".

"Team kann Weltmeister werden"

Der Marktwert der Startelf wird auf insgesamt 220 Millionen Euro beziffert. In Kroatien standen neun Spieler von Champions-League-Klubs in der Anfangsformation.

Ist Wilmots' Wundertruppe sogar reif für den ganz großen Coup?

"Dieses Team", sagt Chris Coleman: "Kann sogar Weltmeister werden." Coleman ist Nationaltrainer von Wales und muss zum Abschluss der Qualifikation am Dienstag in Brüssel ran.

Es wird wohl keine Lustreise für die Briten: Die Belgier holten bislang 25 von 27 Punkten.

Spieler europaweit begehrt

Die jüngsten Erfolge sind der vorläufige Höhepunkt einer kontinuierlichen Entwicklung.

In Belgien reifte eine Generation heran, die ihre Fans mit Champagner-Fußball begeistert. Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking sorgte man erstmals nach langer Durststrecke wieder für Aufsehen: Es gab zwar keine Medaille, reichte aber immerhin zum beachtlichen vierten Platz.

Seitdem stehen belgische Spieler europaweit hoch im Kurs.

Hazard, de Bruyne Co.

Eden Hazard und der Ex-Bremer Kevin de Bruyne verdienen ihr Geld beim FC Chelsea und begeistern mit Tempodribblings sowie Zug zum Tor.

Im zentralen Mittelfeld vertraut Wilmots auf Alex Witsel (Zenit St. Petersburg) und Marouane Fellaini (Manchester United). Die beiden robusten Strategen mit den Afro-Frisuren setzen die offensiven Flitzer mit Pässen in Szene.

In der Innenverteidigung gibt ein Triple-Gewinner die Kommandos. Bayerns Abwehrspieler Daniel van Buyten verleiht der talentierten Truppe die nötige Routine.

Und ganz vorne spielt eine echte Kante: Romelu Lukaku.

"Denken noch nicht an Brasilien"

Auch der Matchwinner des Spiels in Kroatien steht bei einem Champions-League-Teilnehmer unter Vertrag. Allerdings hat der FC Chelsea seinen Jungstar derzeit an den FC Everton verliehen.

Dort trifft der 20-Jährige Woche für Woche.

Dass er es auch international kann, bewies Sturmtank Lukaku in Zagreb und traf doppelt.

Während seine Teamkollegen nach dem Erfolg auf den Putz hauten, blieb Lukaku sachlich "Wir denken noch nicht an Brasilien, wir werden weiterarbeiten", sagte der Angreifer.

Verletzte kehren zurück

Keine Frage: Die Mannschaft kann noch stärker werden.

Bis zum Turnier in Brasilien dürften weitere Topstars ins belgische Team zurückkehren.

Der angeschlagene Arsenal-Kapitän Thomas Vermaelen saß in Zagreb 90 Minuten auf der Bank. Der frühere Hamburger Vincent Kompany von Manchester City fehlte mit einer Muskelverletzung. Kehren sie zurück, wird das Gerangel um die Stammplätze richtig groß.

Januzaj auf dem Zettel

Erst recht, wenn sich auch noch Adnan Januzaj für eine Karriere im belgischen Team entscheidet (Bericht).

Um den 18 Jahre alten Mittelfeldmann von Manchester United buhlen gleich mehrere Nationen. Die Belgier dürften dem Teenager wohl die besten Perspektiven bieten.

Aber: Januzaj könnte das Starensemble allenfalls weiter veredeln. Eine starke Mannschaft hat der Ex-Schalker Wilmots ohnehin zur Verfügung.

Scifos Erben gefunden

Eine solche Dichte an talentierten Spielern hatte die Nation zuletzt in den 80er-Jahren.

Damals begann Enzo Scifos Aufstieg. Der Spielmacher führte die Truppe gemeinsam mit Bayern-Torwart Jean-Marie Pfaff und Kapitän Jan Ceulemans bei der WM 1986 bis ins Halbfinale.

Die Nachfolger dieses namhaften Trios scheinen inzwischen gefunden. Das weiß sogar König Philippe.

"Er hat mir gesagt, dass er stolz auf meine Spieler ist", berichtete Wilmots vom Telefonat mit dem Monarchen.

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