Luis Suarez (l.) und Diego Forlan wurden WM-Vierte 2010 © getty

Der Südamerika-Meister droht, die Qualifikation für die WM zu verpassen. Ausgerechnet jetzt geht es in die Höhe von Quito.

Von Martina Farmbauer

Quito/München - Oscar Tabarez ist das, was man landläufig einen "coolen Hund" nennt.

Mit verschränkten Armen und gutmütig lächelnd sitzt er in Montevideo in dieser Woche vor der Presse und beantwortet Fragen zu Messi, Schiedsrichtern und anderen Themen. Aber über das eine Thema, das fast alle interessiert, redet er nicht. Der Nationaltrainer Uruguays sagt: "Daran denken wir nicht."

Tabarez Tabu ist, dass Uruguay sich nicht direkt oder möglicherweise gar nicht für die Weltmeisterschaft in Brasilien 2014 qualifizieren könnte. (DATENCENTER: Die WM-Qualifikation)

Uruguay, der aktuelle Südamerika-Meister und WM-Vierte von 2010, der in Südafrika mit den Stars Diego Forlan, Luis Suarez, Edinson Cavani und Diego Lugano so viel Aufsehen erregte.

Woran Oscar Tabarez nicht denken mag, ist jedoch nicht so undenkbar.

Uruguay ist kurz davor, die direkte Qualifikation zu verpassen, in Quito hat die Celeste an diesem Freitag eine Art Endspiel gegen Ecuador.

Nur die ersten Vier der Südamerika-Gruppe qualifizieren sich direkt für die Weltmeisterschaft, Uruguay ist Fünfter, Ecuador Vierter, mit ebenso vielen Punkten (22) wie Uruguay, aber dem besseren Torverhältnis (plus vier).

"Ein sehr emotionales Spiel"

"Das ist natürlich ein sehr emotionales Spiel", sagt Tabarez dann doch, "weil es darüber entscheidet, wer von uns beiden sich direkt qualifiziert und wer in die Relegation muss." Und er sagt noch: "Das ist die Stunde der Wahrheit."

Der fünfte Platz bedeutet die Relegation gegen Jordanien. Uruguay müsste mindestens um die WM-Qualifikation zittern.

Doch Luis Suarez, einer der verbliebenen Stars von 2010, der dem FC Liverpool am vergangenen Wochenende zum Sieg gegen Crystal Palace verhalf, ist zuversichtlich.

Die Tageszeitung "La República" aus Uruguay zitiert ihn mit den Worten: "Wir wissen, dass uns ein Punkt die Relegation sichert, aber wir wissen auch, dass wir uns direkt qualifizieren können."

Aus sieben Spielen nur zwei Punkte

Uruguay war als einer der Favoriten in die Qualifikation gestartet, aber zwischen September 2012 und Juni 2013 holte die Mannschaft aus sieben Spielen nur zwei Punkte.

Sie ist nicht mehr dieselbe, unter anderem ist Forlan von Atletico Madrid zum SC Internacional aus Porto Alegre gewechselt, im entscheidenden Spiel ist der Mann, der 2010 zum besten Spieler des Turnier gewählt wurde, Spekulationen uruguayischer Medien zufolge nicht von Anfang an dabei.

Auch wenn noch vor ein paar Monaten selbst die Relegation in weiter Ferne lag - nun geht Uruguay mit dem Schwung aus drei gewonnenen Partien nacheinander - in Venezuela (1:0) und Peru (2:1) und zu Hause gegen das starke Kolumbien (2:0), das auf Platz zwei der Tabelle steht - in dieses Spiel in Quito.

Dagegen hat Ecuador zuletzt nur zwei Punkte aus drei Partien geholt und zudem noch den plötzlichen Tod seines Spielers Cristian Benitez zu verkraften.

Dennoch sagt Suarez: "Es wird ein schwieriges Spiel in Quito."

Und das nicht nur wegen der Höhe. Die Hauptstadt Ecuadors liegt zwar nicht so hoch wie La Paz in Bolivien, wo auf 4000 Metern 2009 schon Argentinien mit 1:6 verlor.

Himmel nah, Luft dünn

Aber wer schon einmal kurz nach der Ankunft einen Spaziergang in Quito gemacht hat, der weiß, dass hier nicht nur der Himmel näher, sondern die Luft immer noch dünn genug ist, um sportliche Höchstleistungen zu erschweren.

Uruguay ist die bisher letzte Mannschaft, die in der WM-Qualifikation in Quitos Höhe gewonnen hat, vor fast genau zwei Jahren war das, am 10. Oktober 2009, Siegtorschütze zum 2:1 damals: Diego Forlan.

"Der Körper reagiert nicht gleich wie anderswo", sagt Lugano über Ecuadors Höhenvorteil. "Das ist eine Realität und das müssen wir berücksichtigen."

Die Ecuadorianer, die natürlich auch um die Bedeutung der Partie wissen, haben das Klima noch angeheizt, indem sie sich schon im Voraus über den brasilianischen Schiedsrichter Sandro Ricci beschwerten, weil sie zuletzt schlechte Erfahrungen mit brasilianischen Schiedsrichtern gemacht hätten.

Präsident will Wogen glätten

Sebastian Bauza, der Präsident des uruguayischen Fußballverbandes, sah sich deshalb dazu veranlasst, dem Team bereits vorauszufliegen, um die Wogen zu glätten.

Aber Endspiel ist Endspiel, weshalb der ecuadorianische Trainer, der Kolumbianer Renaldo Rueda, "La republica" zufolge sagt: "Es wird ein sehr körperbetontes Spiel voller (An-)Spannung werden. Wir werden alles geben, bis wir nicht wir mehr können."

Charruas-Coach Rueda verweist darauf, dass "wir es gewohnt sind, uns schwierigen Umstände gegen mächtige Gegner entgegen zu stellen".

Ecuador hat sich für seine drei bisherigen WM-Teilnahmen seit 2001 jeweils direkt qualifiziert, Uruguay dagegen ist es gewohnt, das Ticket in letzter Minute zu lösen (oder auch nicht).

Relegation gegen Costa Rica

Selbst für die grandiose WM 2010 hatten die "Himmelblauen" sich in der Relegation gegen Costa Rica qualifiziert.

Im Playoffspiel für die WM in Südkorea und Japan 2002 behielten sie gegen Australien ebenfalls die Oberhand. In der Qualifikation zur WM 2006 in Deutschland unterlag Uruguay jedoch in der Relegation gegen Australien.

Als Fußballgroßmacht, die es schon einmal war, wurde das Land vom Rio de la Plata, das die erste Fußball-Weltmeisterschaft als Gastgeber 1930 gewonnen hatte und dann im Maracanãa-Stadion 1950 triumphierte, erst wieder wahrgenommen, als Forlan, Suarez, Cavani und Lugano in Südafrika auf sich aufmerksam machten.

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