Cristiano Ronaldo wechselte 2009 aus Manchester nach Madrid © getty

Portugal steht im Quali-Finish unter Druck, sogar die totale Blamage droht. Auf Schützenhilfe kann Ronaldo nicht hoffen.

Von Jan Reinold und Denis de Haas

München - Gut möglich, dass der 94-Millionen-Ronaldo und der 101-oder-doch-nur-91-Millionen-Bale im Sommer viel Zeit haben, endlich und endgültig zu klären, wer denn nun der teuerste Fußballer auf dem Planeten ist.

Denn vor dem Schlussspurt in der WM-Qualifikation sieht es so aus, als drohe den beiden Weltstars von Real Madrid beim Klassentreffen der Besten ihrer Zunft im nächsten Jahr in Brasilien nur die Zuschauerrolle.

Beim Waliser Gareth Bale ist das Verpassen der WM-Endrunde keine Überraschung, aber bei Cristiano Ronaldo wäre es das schon.

Russland mit Pflichtaufgaben

Zwei Spieltage vor Schluss liegt Portugal in der Gruppe F vor dem Duell mit Israel (Freitag, ab 21.45 Uhr LIVESCORES) einen Punkt hinter Spitzenreiter Russland (18 Punkte) (DATENCENTER: Die WM-Qualifikation).

Nicht viel, könnte man meinen, wozu also die Panikmache.

Das Problem ist nur, dass Russland am Freitag in Luxemburg (ab 20.30 Uhr LIVESCORES) antritt und am Dienstag in Aserbaidschan gastiert. Potenzielle Stolpersteine sehen irgendwie anders aus.

Ronaldo zuversichtlich

"Ich bin", sagt Ronaldo dennoch, "zuversichtlich". Man müsse die Ruhe bewahren, außerdem sei sich jeder der Verantwortung bewusst, schließlich stünden alle Nationalspieler bei großen Vereinen unter Vertrag.

Mit einem Scheitern will sich der Superstar in Diensten von Real Madrid gar nicht beschäftigen.

Völlig außer Acht lassen kann er, der beim jüngsten 4:2 in Nordirland mit seinem ersten Länderspiel-Hattrick Portugals einstigen Weltstar Eusebio (41 Tore) um zwei Tore überholt hatte, die schwierige Ausgangslage aber auch nicht.

"Wenn wir die beiden nächsten Spiele nicht gewinnen", meint Ronaldo, "brauchen wir gar nicht an die WM denken".

Almeida mit Durchhalteparolen

Die Lage beim WM-Dritten von 1966, der bei der EM 2012 im Halbfinale erst im Elfmeterschießen an Spanien scheiterte und den späteren Titelträger dabei so nahe an einer Niederlage hatte wie sonst kein Gegner beim Turnier in Polen und der Ukraine, ist mehr als angespannt.

Man ist sich der eigenen Ohnmacht bewusst. Schließlich hat die Mannschaft von Trainer Pauli Bento die direkte WM-Qualifikation nach der Niederlage in Russland (0:1) und den Patzern in Israel (3:3) und gegen Nordirland (1:1) nicht mehr in der eigenen Hand.

Daher übt man sich in Durchhalteparolen. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagt der Ex-Bremer Hugo Almeida: "Wir wissen, dass Russland theoretisch einfachere Spiele hat, aber man weiß ja nie. Wir müssen nur auf uns schauen."

Playoff-Duell mit Frankreich?

Wenn alles normal läuft, schauen die Portugiesen also nur auf sich - und werden Zweiter.

Sollte die Selecao dann als einer der acht besten Gruppenzweiten in die Playoffs einziehen, könnte es im schlimmsten Fall sogar zu einem K.o.-Duell mit Frankreich oder England kommen.

Ronaldo aber wollte - zumindest öffentlich - nicht über solche möglichen Schreckensszenarien sprechen. Vielmehr warnte er vor Israel, das als Drittplatzierter mit zwölf Punkten zumindest rechnerisch noch Chancen auf das direkte WM-Ticket hat.

"Ich habe manchmal gehört, dass Israel bereits das Handtuch geworfen hat. Aber das ist eine Lüge", sagte Portugals Kapitän: "Solange sie noch eine Chance haben, werden sie alles tun, um gegen uns zu gewinnen."

Schlechte Erinnerungen ans Hinspiel

Warnung genug sollte Portugal das 3:3 aus dem Hinspiel sein, als man bis Sekunden vor Schluss zurücklag.

Erst in der zweiten Minute der Nachspielzeit verhinderte Ronaldos Real-Teamkollege Fabio Coentrao die Blamage.

"Wir wissen, wie sehr wir in Israel gelitten haben", sagt daher Hugo Almeida.

Und Ronaldo gab die einleuchtende Parole aus: "Wir müssen einfach nur beide Spiele gewinnen und abwarten, was Russland macht."

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