Englands Trainer Roy Hodgson (l.) beschwerte sich über die Schiedsrichter © getty

Die "Three Lions" enttäuschen das Londoner Publikum, Hogdson hadert mit dem Schiedsrichter. Spanien feiert den "Elite-Soldado".

London/Tiflis - Roy Hodgson hatte davor gewarnt.

Dieser großartige olympische Sommer könne einen ziemlichen Druck auf sein Team ausüben, hatte der englische Nationaltrainer mit erhobenem Zeigefinger gesagt.

Knapp 24 Stunden später schien der Glanz der vergangenen Monate endgültig aus London verflogen zu sein - eben weil Hodgsons "Three Lions" im altehrwürdigen Wembley-Stadion wieder mal keine Helden waren.(DATENCENTER: WM-Qualifikation)

"Ich bin nicht sicher, ob ich akzeptieren kann, dass es keine gute Leistung war", sagte Hodgson nach dem enttäuschenden 1:1 (1:1) gegen die Ukraine in der WM-Qualifikation: "Ich glaube, so schlecht waren wir nicht." (Bericht)

Gereicht hat es trotzdem nicht, um die hohen Erwartungen zu erfüllen. Das von den knapp 70.000 begeisterten und von den Olympischen Spielen verwöhnten Fans erwartete Schützenfest blieb aus.

Lampard gleicht aus

Jewhan Konopljanka schockte die Gastgeber nach 39 Minuten mit einem Traumtor aus 25 Metern, Frank Lampard bewahrte England per Foulelfmeter in der Schlussphase vor einer noch größeren Ernüchterung (87.).

Immerhin "einen fantastischen Charakter gezeigt" habe die Mannschaft, sagte Kapitän Steven Gerrard:

"Wir wollten dieses Spiel gewinnen. Wir haben im eigenen Stadion mit den Zuschauern im Rücken gespielt - wir sind enttäuscht, dass es nicht drei Punkte geworden sind."

Gerrard selbst sorgte mit seiner Gelb-Roten Karte kurz vor dem Abpfiff für den unrühmlichen Schlusspunkt, der Hodgson endgültig auf die Palme brachte.

Hodgson schimpft über Schiedsrichter

Mit erhobenem Zeigefinger "begleitete" der 65-Jährige das Schiedsrichtergespann in die Kabine, in der ersten Halbzeit hatte Cuneyt Cakir (Türkei) ein Tor von Jermain Defoe zurückgepfiffen.

"Ich verstehe das nicht", sagte Hodgson: "Steven Gerrard vom Platz zu stellen war unglücklich. Vor Defoes Tor wurde ein Foul gepfiffen, das wir von der Bank nicht gesehen haben".

Mit Gerrard in den letzten Sekunden wäre vielleicht sogar der Sieg gelungen, gab der Trainer zu Bedenken.

London "olympiakrank"

Es passte irgendwie alles nicht in dieser lauen Wembley-Nacht. Zweimal verhinderte der Pfosten das englische Glück, die Halbzeit-Show mit 15 britischen Olympischen Medaillengewinnern verlor nach dem Rückstand etwas an Stimmung.

"Olympsick", titelte die "Sun" - "olympiakrank" habe sich Hodgsons Mannschaft präsentiert.

Spanien macht "Uff..."

Auch im Land des Welt- und Europameisters gab es wenig Grund zur Begeisterung. Unter der Überschrift "Ufff..." brachte die "Marca" die Stimmung in Spanien auf den Punkt.

Die "Furia Roja" schrammte in Georgien nur haarscharf an einer Auftaktpleite vorbei. Den mühsamen 1:0 (0:0)-Sieg in Tiflis machte Stürmer Roberto Soldado erst in der 86. Minute perfekt.

"Soldado lässt die Mauer fallen", titelte "Marca", während ?AS? den "Elite-Soldado" feierte. Ausgerechnet Roberto Soldado, der den EM-Triumph der Iberer in Polen und der Ukraine in diesem Sommer nur vor dem Fernseher erlebt hatte.

Trainer Vicente del Bosque hatte ihn überraschend nicht nominiert.

Spaniens Serie hält

"Der Abstand zwischen den Teams in der Qualifikation wird immer geringer. Dieses Spiel hat uns das demonstriert", sagte del Bosque:

"Ein Unentschieden wäre ein Rückschritt gewesen. Es hat uns der Abschluss gefehlt. Deswegen waren das drei sehr wichtige Punkte."

Für die Spanier war es das 21. Pflichtspiel in Serie ohne Niederlage und der 23. Sieg nacheinander in EM- und WM-Qualifikationsspielen.

Georgiens Torwart glänzt

Trainerfuchs del Bosque, der im Laufe des Spiels Torvorbereiter Cesc Fabregas eingewechselt hatte, lobte nach dem Sieg die "außergewöhnliche Leistung" der Gastgeber, die "uns das Leben mit ihrem großen Enthusiasmus schwer gemacht haben".

Vor allem Schlussmann Giorgi Lori brachte mit einer Weltklasse-Leistung die spanischen Spieler, die rekordverdächtige 80 Prozent Ballbesitz hatten, zur Verzweiflung.

Pech hatte zudem David Silva, der nach einer knappen halben Stunde nur den Pfosten traf.

Die letzten zwanzig Minuten musste das Team von Trainer Temuri Kezbaia wegen einer Verletzung allerdings auf Lori verzichten, die Einwechslung von Debütant Roin Kwaschwadse öffnete ein kleines Loch in der georgischen Mauer.

Das nutzte letztlich Roberto Soldado.

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