Marko Arnautovic (l.) verpasste sein achtes Länderspiel-Tor © imago

Nach seiner vergebenen Großchance gegen das DFB-Team übt der Österreicher Selbstkritik. Seine Kollegen bleiben zuversichtlich.

Von Christoph Lother und Thorsten Mesch

Wien/München - Teamkollege Martin Harnik nahm ihn nach dem Abpfiff zwar in den Arm, doch Marko Arnautovic war untröstlich.

"Ich will Entschuldigung sagen ans ganze Land. Das war allein mein Fehler", sagte der Stürmer von Werder Bremen mit Blick auf seine vergebene Großchance aus der 87. Minute des WM-Qualifikationsspiels gegen Deutschland.

Er hätte zum Helden einer ganzen Nation werden können, stattdessen aber stolperte Arnautovic die Hereingabe des eingewechselten Jakob Jantscher aus wenigen Metern am Tor der DFB-Elf vorbei.

Somit besiegelte er unfreiwillig die 1:2 (0:1)-Niederlage der Österreicher. Seit 1986 wartet die Alpenrepublik auf einen Sieg gegen das DFB-Team. (SPIELBERICHT: Löw-Elf gelingt Dusel-Sieg)

Die Flanke von Jantscher sei "ideal gekommen", beteuerte Arnautovic anschließend und ergänzte: "Da gibt es keine Entschuldigung. So einen muss ich reinmachen."

"Die haben wieder mit Glück gewonnen"

Auch aus seiner Spielanalyse war Arnautovic' Schmerz deutlich abzulesen.

Das ÖFB-Team habe "sensationell gearbeitet, ist immer wieder aufgestanden, auch nach dem 0:2" und sei insgesamt "klar überlegen" gewesen, betonte der 23-Jährige nach seinem 20. Länderspiel.(DATENCENTER: WM-Qualifikation).

Die Deutschen hingegen "haben einen Elfmeter bekommen, ich weiß nicht, ob er gerecht war oder nicht, die haben wieder mit Glück gewonnen."

Österreichern fehlt letzte Kaltschnäuzigkeit

Dafür, dass die Österreicher wie schon während der EM-Qualfikation im Juni 2011 äußerst unglücklich gegen Deutschland verloren, war allerdings nicht nur Arnautovic verantwortlich.

Bei aller Kampf- und Laufbereitschaft, die man der Elf von Trainer Marcel Koller an diesem Abend zweifelsohne attestieren musste, fehlte ihr in der einen oder anderen Szene vielleicht doch noch die entscheidende Prise Kaltschnäuzigkeit - gerade vor dem Tor.

So forderten Julian Baumgartlinger und Zlatko Junuzovic im Mittelfeld zwar immer wieder Bälle und versuchten die Offensive der Gastgeber in Szene zu setzen, der allerletzte Tick an Kreativität, für den womöglich der verletzt auf der Tribüne sitzende Bayern-Spieler David Alaba hätte sorgen können, ging den Rot-Weiß-Roten aber ab.

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Chancenverwertung als großes Manko

Entsprechend sahen Arnautovic' Teamkollegen von Schuldzuweisungen und öffentlicher Kritik am Unglücksraben ab, nahmen stattdessen die gesamte Mannschaft in die Pflicht.

"Wir müssen vor dem Tor geiler werden", forderte Abwehrspieler Sebastian Prödl und Junuzovic beklagte: "Wir haben unsere Chancen nicht genutzt, deswegen stehen wir mit leeren Händen da."

Auch Trainer Koller nahm Arnautovic in Schutz: "30, 50 Zentimeter vor ihm springt der Ball nochmal kurz auf und er geht ihm ans Schienbein, er trifft ihn nicht richtig." Zugleich fügte er aber an: "Das sind halt die Hundertstelsekunden, wo die Anspannung schon weg geht und die Freude zu früh kommt. Das ist dann entscheidend".

Über Arnautovic' Vorlage zum 1:2-Anschlusstreffer der Hausherren durch Junuzovic in der 57. Minute sagte Koller: "Das hat er noch viel besser drauf. Er muss viel mehr solcher Szenen provozieren mit seinem Körper, seiner Schnelligkeit, seiner Technik."

Traum der Gastgeber bleibt unerfüllt

Daraus, dass sie sich für die Partie gegen Deutschland viel vorgenommen und entsprechend schwer an der Pleite zu schlucken hatten, machten die Österreicher unterdessen keinen Hehl.

"Mit dem fantastischen Publikum und der Atmosphäre hatten wir uns schon etwas ausgerechnet. Aber die Deutschen waren effizient und haben ihre Stärke aufblitzen lassen", gestand etwa der Wolfsburger Emanuel Pogatetz.

Und Prödl erklärte: "Das ist Ernüchterung pur. Jeder in der Kabine ist niedergeschlagen. Wir haben uns vor dem Spiel sehr viel erträumt." Zugleich fügte der Vereinskamerad von Arnautovic und Junuzovic bei Werder aber auch trotzig an: "Mit unserer Leistung haben wir die Berechtigung dieser Träume bestätigt."

Presse lobt Auftritt der Österreicher

Auch bei Pogatetz wich die Enttäuschung über die neuerliche Niederlage gegen Deutschland schnell wieder der Zuversicht, die die Österreicher und ihr lautstarker Anhang schon lange Zeit vor dem Anpfiff im ausverkauften Wiener Ernst-Happel-Stadion versprüht hatten.

"Wir waren ein ebenbürtiger Gegner und haben gezeigt, dass wir in unserer Entwicklung einen Schritt nach vorne gemacht haben", so der Innenverteidiger.

Die österreichische Presse sah das am Morgen danach nicht anders und bescheinigte der Heim-Elf einen "glücklosen Kampf auf Augenhöhe" ("Kleine Zeitung") sowie "eine Niederlage von jener Sorte, auf die man aufbauen kann" ("Die Presse").

Kür folgt Pflichtaufgabe

Fortgesetzt werden soll dieser Aufbau möglichst schon beim Auswärtsspiel Mitte Oktober in Kasachstan.

Anders als gegen die DFB-Elf, planen Kollers Mannen dort fest mit drei Punkten.

Er wolle "gestärkt aus der Niederlage hervorgehen", betont der Trainer, schließlich wären es gegen Deutschland ohnehin nur "Bonuspunkte gewesen".

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