Xherdan Shaqiri (r., mit Granit Xhaka) wurde mit dem FC Basel drei Mal Schweizer Meister © getty

Die Bundesliga-Stars spielen für die Schweiz in der WM-Quali. Doch durch ihre Herkunft schlagen zwei Herzen in Ihrer Brust.

Von Reinhard Franke

München - Zu Gast bei Freunden.

Bayern-Star Xherdan Shaqiri ist bester Laune.

Kein Wunder, mit seinen Schweizern gewann er in der WM-Qualifikation gegen Slowenien mit 2:0. (DATENCENTER: WM-Qualifikation)

Nach dem tollen Auftritt der Mannschaft von Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld ist Shaqiri voller Zuversicht, dass mit seinem Land einiges möglich ist auf dem Weg nach Brasilien.

Doch die Emotionen über den Sieg gegen die Slowenen sind bei dem "Zauberzwerg" nur ein zarter Vorbote für die Vorfreude auf das Spiel am Dienstag gegen Albanien in Luzern (WM-Quali ab 19.30 Uhr im LIVE-TICKER).

Es ist das Spiel gegen sein ursprüngliches Heimatland. Und es wird das Spiel, das zwei Herzen in Shaqiris Brust schlagen lässt.

Auf den Schuhen des Bayern-Stars sind drei Flaggen abgebildet: je eine der Schweiz, Albaniens und des Kosovos.

"Emotionales Spiel"

Für den 20-Jährigen wird es ein "emotionales Spiel", wie er in der Schweizer Tageszeitung "Blick" verrät.

Der Grund liegt auf der Hand. In albanischen Zeitungen wurde zuletzt immer wieder thematisiert, warum er für die Schweiz aufläuft.

"Die Albaner haben mich nie gefragt, ob ich für sie spielen möchte", so Shaqiri.

Shaqiri mit albanischen Wurzeln

So einfach ist es. Und doch ist seine Geschichte etwas verzwickter als bei vielen anderen Nationalspielern. Der Mittelfeldspieler der Bayern ist Kosovo-Albaner, ist Angehöriger des albanischen Volkes, das im Kosovo lebt.

Er stammt aus Gnjilan, will nach der Karriere auch dahin zurück, baut dort gerade ein Haus.

Seit 2008 ist der Kosovo unabhängig und momentan wird darüber nachgedacht, ob es bald eine eigene Nationalmannschaft geben wird.

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Besondere Brisanz bei Shaqiri und Co.

Und darin liegt die Brisanz: Was bedeutet das für Spieler wie Shaqiri, Granit Xhaka oder auch Valon Behrami? Die Drei haben alle schon für die Schweiz gespielt.

Für Shaqiri ist es jedenfalls eine Überlegung wert, doch mal für den Kosovo zu spielen: "Klar macht man sich da Gedanken. Ich komme ursprünglich aus dem Kosovo, wenn der Kosovo eine neue Nationalmannschaft bekommt, werde ich diese neue Situation beurteilen."

Noch ist es nicht so weit, erst müssen die UEFA und die FIFA darüber entscheiden, ob eine eigene Nationalmannschaft entstehen kann.

Shaqiri will nichts überstürzen, denn "ich fühle mich sehr wohl in der Schweizer Nationalmannschaft."

Auch Xhaka "müsste überlegen"

Auch sein Kollege bei der Nationalelf, Mönchengladbachs Mittelfeldspieler Granit Xhaka, hat ähnliche Gedankenspiele im Kopf.

"Ich müsste es mir überlegen", sagt Xhaka dem "Blick". "Aber ich denke, dass es frühestens in drei bis fünf Jahren der Fall sein könnte. Wer weiß, was bis dahin noch passiert?"

FIFA-Kommunikationsdirektor Walter De Gregorio bremst die Hoffnungen der beiden Bundesligaspieler: "Wir hatten noch nie solch einen Fall. Ein Wechsel ist aber ehr unwahrscheinlich, da gemäß der Statuten nur Spieler für ein neues Land spielen dürfen, wenn sie ohne Verschulden ihre Staatsbürgerschaft verloren haben."

Hodgson mit Personalsorgen

Über die emotionalen Probleme der beiden Schweizer können die Engländer nur müde lächeln.

Während beim Team von Hitzfeld alles bestens ist, werden die Personalsorgen in der englischen Fußball-Nationalmannschaft vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen die Ukraine am Dienstag (WM-Quali ab 19.30 Uhr im LIVE-TICKER) immer größer.

Am Montag musste auch Offensivspieler Theo Walcott wegen eines Virus für die Partie in London passen. Dies teilte Auswahltrainer Roy Hodgson mit, dem bereits die Stürmer Wayne Rooney und Andy Carroll fehlen.

Neulinge nachnominiert

Außerdem fallen die Verteidiger John Terry und Ashley Cole für das zweite Spiel der "Three Lions" nach dem 5:0 in Moldawien aus. Auch Gareth Barry, Ashley Young und Scott Parker stehen nicht zur Verfügung.

Hodgson reagierte am Montag mit der Nachnominierung der Neulinge Raheem Sterling aus Liverpool und Adam Lallana aus Southampton, außerdem berief der Coach noch Jake Livermore von Tottenham.

Daniel Sturridge litt laut Hodgson unter Magenkrämpfen, soll aber rechtzeitig fit für die Partie im Londoner Wembley-Stadion werden.

Alle Hoffnungen auf Lampard

Für die personell arg gebeutelten Engländer ist das Spiel gegen die Ukraine mehr als nur eine Erinnerung an den 1:0-Sieg bei der EM. Der Torschütze damals: Wayne Ronney.

Alle Hoffnungen ruhen auf dem Kapitän der Three Lions Frank Lampard. Der 34-Jährige fordert nach seiner ausgezeichneten Leistung beim 5:0-Auftaktsieg in Moldau den nächsten Schritt.

"Der Druck ist groß, aber wir brauchen Punkte." Und er fügt respektvoll hinzu: "Die Ukraine kann in der Gruppe vorne mitmischen."

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