Giovanni Trapattoni führte den FC Bayern München 1997 zur deutschen Meisterschaft © getty

Der Altmeister muss sich in Irland wachsender Kritik erwehren. Italien stolpert, der Coach nimmt aber die Spieler in die Pflicht.

Von Matthias Becker

München - Das Unverständnis sprach Giovanni Trapattoni aus den Augen, als er sich in Astana den Fragen des irischen Fernsehens stellte.

Gerade hatte der italienische Altmeister sein 50. Spiel als Nationaltrainer Irlands hinter sich gebracht und einen schmeichelhaften 2:1-Erfolg in Kasachstan zum Auftakt der deutschen WM-Qualifikationsgruppe C eingefahren. (DATENCENTER: WM-Qualifikation)

Mit der Spielweise seines Teams sei er keineswegs zufrieden, erklärte der immer energischer argumentierende Trapattoni zwar: "Aber im Moment zählt nur das Ergebnis."

Es wollte dem 73-Jährigen nicht in den Sinn, dass der Interviewer immer bohrendere Fragen stellte, hatten die "boys in green" doch gewonnen.

Keane und Doyle retten Trap

Nur der späte Doppelschlag von Robbie Keane und Kevin Doyle hat den auf der Insel lange so verehrten Trapattoni vor einer noch heftigeren Diskussion um seine Person bewahrt.

Bei der EM überzeugten die Iren nur durch die Stimmgewalt der Fans, nun also der holprige Start in die Kampagne, die Irland erstmals seit 2002 zu einem WM-Turnier führen soll.

Im Spiel beim 142. der Weltrangliste habe Irland "lange Zeit wie der 143. ausgesehen", spottete der "Irish Independent".

Der Druck steigt

Vor dem Duell mit der deutschen Mannschaft am 12. Oktober wächst der Druck auf Trapattoni, auch wenn Torschütze Keane sagte:

"Deutschland hat eine bessere Mannschaft, , aber wenn wir alles geben, können wir gewinnen."

Die altertümliche Hoch-und-Weit-Taktik geht den Iren auf die Nerven, auch wenn damit Spiele wie das in Kasachstan gewonnen werden. Die Ansprüche sind gewachsen.

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Prandelli kritisiert Spieler

Trapattoni war aber nicht der einzige italienische Coach, für den es ein ungemütliches Wochenende war. Auch Cesare Prandelli, der Italien bei der EM noch ins Finale geführt hatte und gefeiert wurde, musste sich nach dem dünnen 2:2 der "Squadra Azzurra" in Bulgarien Kritik gefallen lassen.

"Eine erbärmliche Vorstellung - wo ist das schöne Spiel hin?", fragte die "Gazzetta dello Sport".

Der Coach nahm seinen Kader in die Pflicht. "Die Einstellung meiner Spieler war nicht ausreichend. Wir brauchen eine andere Mentalität", forderte Prandelli.

De Rossi fällt aus

Die positivste Nachricht für die Italiener kam am Samstag aus Kopenhagen, wo die beiden vermeintlich stärksten Gruppengegner Dänemark und Tschechien beim 0:0 ebenfalls die Punkt teilten.

Personell plagen Prandelli aber vor dem Spiel gegen Außenseiter Malta große Probleme. Neben den EM-Helden Mario Balotelli (Augen-OP) und Antonio Cassano (mangelnde Fitness) fällt auch Daniele de Rossi aus.

Der Mittelfeld-Motor des AS Rom zog sich in Bulgarien eine Oberschenkelzerrung zu und muss wohl mindestens zwei Wochen pausieren.

Solider Auftakt für Capello

Für Prandellis italienischen Landsmann Fabio Capello verlief der Pflichtspiel-Auftakt als russischer Nationaltrainer zumindest zufriedenstellend. Beim 2:0 (1:0) gegen Nordirland klappte aber auch noch längst nicht alles so, wie sich "Don Fabio" das vorstellt.

"Natürlich können und müssen wir noch besser spielen", sagte der Italiener: "Doch ich war nicht unzufrieden, der Sieg war absolut wichtig."

Mit Blick auf die Heim-WM 2018 will der 66-Jährige eine drastische Verjüngung des Kaders der "Sbornaja". Und die scheint Capello ohne Rücksicht auf Verluste durchzuziehen, sonst hätte er kaum Andrej Arschawin, bei der EM noch Kapitän, aus dem Kader gestrichen.

Deschamps bemängelt Chancenverwertung

Ein früherer Wahl-Italiener, Didier Deschamps, startete mit Frankreich erfolgreich in seine Amtszeit. Die Equipe Tricolore siegte 1:0 in Finnland.

"Es muss nicht immer so laufen, man muss nicht immer gleich gewinnen. Deswegen bin ich sehr glücklich mit dem Ergebnis", sagte der 43 Jahre alte Ex-Profi, der den Job als Nachfolger von Laurent Blanc Anfang Juli übernommen hatte.

Nach der katastrophalen EM sieht Deschamps in den nächsten Monaten noch viel Arbeit auf sich zukommen.

"Wir müssen unbedingt unsere Chancen besser nutzen. Es kann nicht sein, dass wir so viele Möglichkeiten auslassen", sagte Deschamps.

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