Jürgen Klinsmann (l.) ist seit Juli 2011 Trainer der US-Nationalmannschaft © getty

Durch zwei Freistoßtore verliert die USA auf Jamaika. Kritik am taktischen System wischt der Ex-Bundestrainer hinterher beiseite.

Kingston/München - Bei den "Reggae Boyz" bekamen Jürgen Klinsmann und das US-Nationalteam den Blues.

"Es ist eine ganze Menge falsch gelaufen", klagte der frühere Bundestrainer nach der 1:2 (1:1)-Pleite seiner Elf in der WM-Qualifikation auf Jamaika und schimpfte über Nachlässigkeiten seiner Spieler.

"Sie hatten vielleicht das Gefühl, es auch kompliziert machen zu können. Ich habe schon in der Halbzeit gewarnt, dass es so nicht geht. Wir haben uns zu viele Ballverluste erlaubt und durch Fouls unnötig die Freistöße provoziert, durch die wir letztlich auch verloren haben. Außerdem waren die Jamaikaner hungriger und entschlossener", sagte Klinsmann.

Sieg im Rückspiel Pflicht

Sein Ärger erscheint nicht nur wegen des vergeblichen Einsatzes eines Mentaltrainers in der Vorbereitung allzu verständlich.

Durch die erste Pflichtspiel-Niederlage unter Klinsmanns Regie steht seine Mannschaft im Kampf um die Tickets zum WM-Turnier 2014 in Brasilien nach der ersten Hälfte der vorletzten Ausscheidungsrunde unerwartet stark unter Druck. (DATENCENTER: Die WM-Qualifikation)

Ein Erfolg im Rückspiel am Dienstag in Columbus ist durch den herben Rückschlag schlichtweg Pflicht.

Bundesliga-Trio im Einsatz

Die Euphorie im US-Lager nach dem ersten Länderspiel-Sieg beim Nachbarn Mexiko vor Monatsfrist jedenfalls ist schon wieder verflogen.

Bis zur Revanche gegen den früheren WM-Teilnehmer Jamaika stellte Klinsmann seiner Mannschaft, in der das Bundesliga-Trio Jermaine Jones (Schalke) sowie Fabian Johnson und als Einwechselspieler Danny Williams (beide Hoffenheim) in Kingston zum Einsatz kam, viel Arbeit in Aussicht.

[kaltura id="0_goox8hrd" class="full_size" title="Historische Pleite f r Klinsmann"]

"Aus solchen Niederlagen kann man viel lernen, und das Gute ist, dass wir dieses Ergebnis in wenigen Tagen schon wieder reparieren können - wenn wir die Fehler vermeiden, die wir auf Jamaika begangen haben. Darüber werden wir reden."

Klinsmann wischt Systemkritik weg

Gesprächsbedarf besteht nach der ersten Pleite im 19. Duell mit Jamaika, die Rodolph Austin (22.) und Luton Shelton (62.) jeweils per Freistoß trotz der US-Führung durch Clint Dempsey nach nur 36 Sekunden besiegelten, allemal.

Kritik an Aufstellung und Taktik wollte Klinsmann gleichwohl nicht gelten lassen.

"Man kann mir die Schuld geben. Aber wir waren nicht überheblich, und wenn man durch zwei Freistöße verliert, hat es nichts mit einem 4-4-2- oder 4-3-3-System zu tun", sagte der Schwabe zur sechsten Pleite im 17. Spiel seiner rund 13-monatigen Amtszeit.

Jamaika schlechtes Pflaster

Auf- und Einstellung hin, Spielsystem her - der "Fluch der Karibik" traf nun auch Klinsmann.

Schon in ihren vier vorherigen WM-Qualifikationsspielen auf Jamaika hatten die US-Boys immer nur ein Unentschieden erreicht.

Die Klinsmann-Elf steht für die siebte WM-Teilnahme seit 1990 in Folge vor den letzten drei Spielen unter Zugzwang. In der Tabelle der Gruppe A liegen die USA vor dem zweiten Abschnitt mit vier Punkten aus drei Spielen auf Platz drei, gleichauf mit dem zweitplatzierten Rivalen Guatemala.

Jamaika führt die Vierer-Gruppe, aus der die zwei besten Mannschaften in die CONCACAF-Endrunde um drei WM-Tickets einziehen, mit sieben Zählern an.

Den Druck auf seine Spieler sieht Klinsmann nicht als Problem an: "In einer WM-Qualifikation ist immer Druck da. Es ist doch wunderbar, es geht dann schließlich auch um etwas."

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