Louis van Gaal (l.) gewann mit dem FC Bayern München 2010 das Double © imago

Louis van Gaal krempelt die Elftal nach der EM-Blamage erfolgreich um. Italien schwächelt, Ronaldos Kollegen stützen ihn.

München/Amsterdam - Louis van Gaal lächelte genüsslich und zupfte akkurat seine Oranje-Krawatte zurecht.

Der frühere Bayern-Trainer hatte vor dem zweiten Spiel seiner zweiten Amtszeit als Bondscoach eine Revolution ausgerufen.

Ein Torwart-Wechsel, alles auf Null im Sturm, die Alten raus:

Nach dem EM-Desaster stellte van Gaal in den Niederlanden einiges auf den Kopf und vieles infrage. Mit Erfolg.

"Ein herrliches Gefühl"

"Das ist ein herrliches Gefühl", sagte der 61-Jährige, deutlich schlanker als zu Bayern-Zeiten, nach dem 2:0 (1:0) gegen die Türkei. (DATENCENTER: WM-Qualifikation)

Und sofort dachte van Gaal zurück: An 2002, als er mit der Elftal in der WM-Qualifikation auf peinliche Weise gescheitert war.

"Wir haben seinerzeit in Amsterdam mit dem 2:2 gegen Irland schwach begonnen. Jetzt sind wir hier gut gestartet. Das war kein besonders schöner Sieg, aber ein wichtiger", sagte van Gaal.

Huntelaar nur auf der Bank

Für diesen Erfolg war er ein Risiko eingegangen. Van Gaal hatte Torhüter Maarten Stekelenburg degradiert und den "Nobody" Tim Krul aufgestellt.

Er hatte überraschend auf Klaas-Jan Huntelaar von Schalke 04 verzichtet und Robin van Persie aufgeboten, obwohl sämtliche Medien bereits von einer Entscheidung pro Huntelaar berichtet hatten.

Van Persie spielte - er erzielte das 1:0. Van Gaal hat vor dem Duell mit Ungarn am Dienstag im Sturm ein Luxusproblem.

"Klaas hat ein Tor gegen Belgien (2:4 im Test, Anm. d. Red.) gemacht. Van Persie gegen die Türkei auch", sagte van Gaal, mehr nicht, wohl, um den Konkurrenzkampf anzuheizen.

Van Gaal setzt auf junge Spieler

Denn auch die jungen Spieler drängen nach. In Amsterdam durfte kein einziger Spieler jenseits der 29 Jahre ran, dafür die Jungstars Jordy Clasie (21) und Daryl Janmaat (23).

[kaltura id="0_fpcmjvgi" class="full_size" title="Italien blamiert sich Oranje siegt"]

Die wurden allerdings zur Halbzeit auch schon wieder zum Duschen geschickt wurden. "Sie haben ihre Leistung aus dem Training nicht gebracht", sagte van Gaal.

Dennoch will er zur WM 2014 nach Brasilien mit einer jungen Mannschaft reisen. "Gegen Belgien habe ich der alten Garde vertraut. Sie hat mich enttäuscht. Jetzt habe ich junge Spieler zur Verfügung, und die habe ich eingesetzt", sagte er. "Ein 2:0 ist daher mehr, als ich erwartet hatte."

Dämpfer für Italien

Während sich die Elftal nach dem peinlichen Vorrunden-Aus bei der EM also langsam wieder aufrichtet, hat die Hochstimmung bei Vize-Europameister Italien einen herben Dämpfer bekommen.

Gegen Bulgarien kam die "Squadra Azzurra" nicht über ein mageres 2:2 hinaus und steht angesichts einer anspruchsvollen Gruppe mit Gegnern wie Tschechien und Dänemark schon etwas unter Druck.

Ein "hässliches Italien" beklagte die "Tuttosport", Trainer Cesaer Prandelli kritisierte vor allem die Einstellung seiner Spieler. "Wir brauchen eine andere Mentalität", sagte er.

Buffon hat viel zu tun

In Sofia musste Prandelli ohne die beiden Deutschland-Schrecks Antonio Cassano und Mario Balotelli (Augen-Operation) auskommen.

Während in der Offensive Pablo Osvaldo von AS Rom mit zwei Treffern in die Bresche sprang, gewährte die Defensive den Bulgaren zu viele Gelegenheiten.

"Wir hätten das Spiel auch verlieren können", sagte Torhüter Gianluigi Buffon, er hatte mit einigen Paraden großen Anteil daran, dass das totale Fiasko ausblieb.

"Ronaldo geht es gut"

Dem sah sich auch Portugal schon gegenüber, doch der schmollende Torjäger Cristiano Ronaldo brachte sein Team in Luxemburg mit dem Ausgleich zum 1:1 wieder in die Spur.

Am Ende stand dank Helder Postigas Treffer ein mauer 2:1-Sieg - das Thema nach der Partie war aber mal wieder nur Gemütszustand des Superstars.

"Ronaldo geht es gut, habt ihr das nicht gesehen?", sagte Nani, ehemaliger Mitspieler des Superstars bei Manchester United: "Er ist nicht traurig."

Glücklicher Sieg für Irland

In der deutschen Gruppe C konnte auch Irland die Blamage so eben verhindern. In Kasachstan lag das Team von Trainer-Routinier Giovanni Trapattoni bis kurz vor Schluss mit 0:1 zurück.

Erst der Doppelschlag von Robbie Keane (89./Foulelfmeter) und Kevin Doyle (90.) rettete den Iren einen schmeichelhaften Sieg. "Nur das Ergebnis zählt", sagte Trapattoni.

Keane ist 32, Doyle so gut wie 29 - unter Louis van Gaal hätten die "Boys in Green" die Partie wohl verloren.

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