FIFA-Chef-Mediziner Jiri Dvorak hat die Debatte über die Doping-Affäre von 1966 mit einer überraschenden Aussage über Ephedrin wieder angeheizt.

Der gebürtige Tscheche behauptete, das Schnupfenmittel sei bei der WM in England nicht verboten gewesen und entlastete damit die drei deutschen Spieler, bei denen das Mittel gefunden worden war.

Doping-Experten widersprachen Dvorak vehement.

"Ephedrin wurde erst für die WM 1970 auf die Liste der verbotenen Substanzen gesetzt. Auf der Liste standen unter Stimulanzien Amphetamine. Das war damals die Modedroge", sagte Dvorak.

Damit wären die drei deutschen Nationalspieler, die das Mittel bei der WM 1966 in England eingenommen haben, entlastet.

Doping-Experte Fritz Sörgel ist anderer Meinung.

"Da fehlen Herrn Dvorak offensichtlich die chemischen Grundkenntnisse", sagte der Nürnberger Wissenschaftler.

"Natürlich war Ephedrin schon damals ein verbotener Stoff. Im Jahr vor der WM hatte eine Konferenz nämlich festgelegt, dass Amphetamin und davon in einer bestimmten Form abgeleitete Stoffe, zu denen Ephedrin eindeutig gehört, verboten sind", so Sörgel.

Auch Giselher Spitzer hatte in seinem Beitrag zur Studie "Doping in Deutschland von 1950 bis heute" den Stoff als verboten bezeichnet.

Dass bei den Spielern Ephedrin gefunden wurde, steht auch für Dvorak außer Frage.

Der damalige FIFA-Mediziner Mihailo Andrejevic habe in einem Schreiben an den deutschen Leichtathletik-Präsidenten Max Danz darauf hingewiesen.

"Der Brief von Doktor Andrejevic ist mir bekannt. Es ist ein vertraulicher Brief von Kollege zu Kollege, keine Namen, es wird lediglich erwähnt, dass geringe Spuren von Ephedrin gefunden wurden", sagte Dvorak.

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