Für die Transparenz-Expertin Sylvia Schenk sind die Ephedrin-Befunde bei deutschen Fußball-Nationalspielern während der WM-Endrunde 1966 in England nicht zwangsläufig mit Dopingfällen gleichzusetzen.

"Mir sind Details der damals geltenden Anti-Doping-Regelungen und Analysemethoden nicht bekannt. Aber 'feine Spuren von Ephedrin' könnte auch heißen, dass keine Anzeichen für eine leistungssteigernde Verwendung vorgelegen haben, Ephedrin ist in fast jedem Hustenmittel. Vielleicht hat die FIFA deswegen auch keine Sperren verhängt", sagte die frühere Leichtathletin und ehemalige Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID).

In der am Montag veröffentlichten Doping-Studie verweisen die Autoren auf den schon zuvor bekannten Ephedrin-Fall von drei Spielern des deutschen WM-Teams von 1966.

Im Abschlussbericht der Studie erwähnen die Forscher den Brief eines früheren Funktionärs des Weltverbandes FIFA, in dem "feine Spuren von Ephedrin" bei drei deutschen Spielern erwähnt werden.

Schenk moniert in dem Zusammenhang einen Mangel an weiterführenden Recherchen der Wissenschaftler.

Denn hätte die FIFA für den Fall von Hinweisen auf vorsätzliche Einnahme der verbotenen Substanz keine Sperren verhängt, "wäre ja der Skandal, dass die FIFA ihre eigenen Regeln gebrochen hätte. Hier habe ich noch viele Fragen", sagte die Sportbeauftragte der Anti-Korruptions-Agentur Transperancy International.

Generell enthielte die Studie "aus meiner Sicht manche Schlüsse und Ableitungen, die angesichts der Faktenlage mutig sind. An manchen Stellen der Studie wird stark mit Vermutungen, Verdacht, Rückschlüssen gearbeitet".

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte die Doping-Vorwürfe schon 2011 nach Bekanntgabe der Ephedrin-Befunde überprüfen lassen und danach zurückgewiesen.

Auch mehrere Spieler des WM-Kaders von 1966 wie die heutigen Ehrenspielführer Franz Beckenbauer und Uwe Seeler dementierten gezieltes Doping im deutschen Lager beim WM-Turnier in England durch Ephedrin.

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