In einer Generalabrechnung mit den Verhältnissen in den internationalen Fußball-Organisationen hat FIFA-Reformer Mark Pieth die Aufklärungsarbeit im Schmiergeld-Skandal beim Weltverband infrage gestellt.

In einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" wirft der Schweizer außerdem zahlreichen Spitzenfunktionären eine Blockade der offiziell versprochenen Transparenz-Bemühungen, Verbindungen zu ehemaligen Diktatoren und mittelalterlichen Sexismus vor.

Exemplarisch für die mangelnde Reformfähigkeit des Weltverbandes FIFA ist für Pieth das für März angekündigte Ende der Untersuchungen zur Schmiergeld-Affäre um den einstigen FIFA-Vermarkter ISL.

"Der Weg verstößt gegen die Statuten", sagte der Strafrechtler und verurteilte die Pläne für die Vorlage des Abschlussberichtes von Chefermittler Michael Garcia bei der FIFA-Exekutive.

Laut Ethikreglement müsste der Fall, in dem FIFA-Boss Joseph S. Blatter Kenntnis von millionenschweren Bestechungsgelder für seinen Vorgänger Joao Havelange und andere Top-Funktionäre des Weltverbandes hatte, entweder eingestellt oder aber der unabhängigen Spruchkammer unter Vorsitz des Münchner Richters Hans-Joachim Eckert vorgelegt werden.

"Ich habe mit Eckert gesprochen", sagte Pieth: "Wir setzen dieselben Fragezeichen. Unklar ist ja auch: Wie kann man sagen, Garcia wird im März fertig sein. Das weiß man doch nicht."

Offenbar fürchtet der Basler die Gefahr, dass Eckert durch Umgehung seines Gremiums seiner Möglichkeiten zu eigenständigen Ermittlungen beraubt werden könnte.

Doch alleine die Personalie Garcia ist für Pieth, der Ende 2011 den Vorsitz der unabhängigen Kommission für Regierungsführung bei der FIFA übernommen hatte, bezeichnend für die herrschenden Missstände.

Der Jurist stellte klar, dass der US-Amerikaner nicht einmal zu seinem erweiterten Kandidatenkreis für die Schlüsselposition gehört hatte und lediglich durch Verbindungen der FIFA zur länderübergreifenden Ermittlungsbehörde Interpol ins Amt gekommen ist.

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