Nach der Aufdeckung des größten Fußball-Wettskandals hat Wolfgang Bosbach, der Vorsitzende des Innenausschusses des Bundestages, die Strafverfolgungsbehörden und die Verbände in die Pflicht genommen.

Der CDU-Politiker forderte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" von den Behörden nach Abschluss der Ermittlungen die Offenlegung der betroffenen Klubs und der verdächtigen Spiele.

Ansonsten würden laut Bosbach "Spekulationen Tor und Tür geöffnet" sowie eine "große Zahl von Vereinen, Spielern und Schiedsrichtern unter Generalverdacht gestellt".

Zudem müssen nach Ansicht Bosbachs die Verbände ihre Werkzeuge gegen Manipulationen auf den Prüfstand stellen.

"Wir müssen dringend überprüfen, ob die von den Verbänden bisher installierten nationalen und internationalen Frühwarnsysteme tatsächlich effektiv sind", sagte der 60-Jährige.

Die europäische Polizeibehörde Europol hat am Montag bekanntgegeben, dass es zwischen 2008 und 2011 insgesamt 380 manipulierte Spiele in Europa gegeben haben soll. In rund 300 weiteren verdächtigen Partien, die zumeist außerhalb Europas stattgefunden haben, laufen derzeit Ermittlungen.

Insgesamt sollen 425 Spieler, Schiedsrichter, Funktionäre und Kriminelle involviert gewesen sein. Das kriminelle Netzwerk soll laut Europol von Singapur aus gesteuert werden.

Die Korruptions-Expertin Sylvia Schenk, Vorstandsmitglied von Transparency International Deutschland, sieht den deutschen Profifußball allerdings nur bedingt gefährdet.

"Wo Spieler sehr gut bezahlt werden, ist es sehr viel schwieriger sie zu bestechen, als dort, wo Spieler - gerade in osteuropäischen Ländern - sehr schlecht oder manchmal gar nicht bezahlt werden, weil der Verein das Geld nicht hat. Und insofern ist es bei uns eher in den unteren Ligen ein Problem", sagte Schenk "HR-Info".

Für Schenk ist Prävention das wichtigste Werkzeug im Kampf gegen Manipulationen. Schon junge Spieler müssten ausreichend geschult werden, damit sie für solche Machenschaften nicht anfällig seien.

Laut Schenk müsse es zwar Sanktionen geben, Strafen allein aber würden die Probleme nicht lösen. Das hätten Erfahrungen aus dem Doping-Bereich gezeigt.

Derweil mehren sich die Berichte, dass es sich bei dem von Europol genannten Champions-League-Spiel auf englischem Boden um die Partie zwischen dem FC Liverpool und dem ungarischen Vertreter VSC Debrecen handeln soll.

Das vermelden englische Blätter und die dänische Zeitung "Ekstra Bladet". Die Begegnung fand am 16. September 2009 und endete 1:0 für Liverpool.

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