Coach Erik ten Hag muss mit Bayern II die Aufstiegsspiele gegen Fortuna Köln meistern. Auch für ihn gilt ein Guardiola-Gesetz.

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Von Mathias Frohnapfel

München - Erik ten Hag ist inspiriert. Jedenfalls verwendet er das Wort mehr als einmal, wenn er über seine Arbeit beim FC Bayern spricht.

Dabei ist das Umfeld beim deutschen Rekordmeisters eines, das man als Trainer der Zweiten Mannschaft der Münchner ja auch als bedrohlich empfinden könnte - angesichts der Erwartung, unbedingt wieder in die Dritte Liga aufzusteigen und möglichst bald den nächsten Thomas Müller für die erste Garde abzuliefern.

Und natürlich angesichts der geballten Fußball-Kompetenz in Gestalt von Chefcoach Pep Guardiola und Sportvorstand Matthias Sammer.

Der lässt sich, so es irgend geht, kein Spiel der Regionalliga-Mannschaft entgehen.

Und wer während solcher Partien schon einmal in der Nähe von Sammer gesessen hat, weiß, dass er sie um keinen Deut weniger ernst nimmt als die Auftritte von Philipp Lahm und dessen Kollegen.

Viele Gespräche mit Sammer

"Ich bin inspiriert von ihm", lässt ten Hag auf SPORT1-Nachfrage über Sammer wissen.

Über Fußball sprechen sie oft lange und natürlich "über das Leben" an sich. Ten Hag ist Sammers Mann. Was nicht nur daran liegt, dass der Niederländer seinen Schädel ähnlich glattrasiert präsentiert wie Sammer.

Sammer hat ten Hag vom niederländischen Aufsteiger Go Ahead Eagles Deventer München gelotst, damit der das Aufstiegskunststück auch mit den "kleinen Bayern" wiederholt.

Teil 1 der Mission glückte ten Hag bereits, der FCB ist Meister in der Regionalliga Bayern. Damit ist Ten Hag bereits erfolgreicher, als es das Team unter seinem prominenten Vorgänger Mehmet Scholl war.

Zusammenstoß der Systeme

In den Aufstiegsspielen gegen Fortuna-Köln soll am Mittwoch (19 Uhr) und Sonntag (14 Uhr) die Rückkehr in die Dritte Liga gelingen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Ten Hag prophezeit seinen Spielern in den Duellen mit dem Meister der Regionalliga West einen "Zusammenstoß der Systeme und Stile".

Die Münchner wollen dabei auf jeden Fall ihrem eigenen Stil treu bleiben, der auf Dominanz und Ballbesitz fußt.

Eigenen Stil entwickelt

Ten Hags heikle Mission dabei: Einerseits soll er Guardiolas Stil praktizieren lassen, andererseits müssen jene taktischen Leitlinien so angebracht sein, dass sie seine junge Mannschaft nicht aus der Bahn werfen.

"Ich sage es mal so: Ballbesitz ist wichtig, es ist aber auch mein Stil", erklärt ten Hag auf SPORT1-Nachfrage: "Ich bin aber auch froh, dass wir über die Saison unseren eigenen Stil entwickelt haben und zwar in mehreren Systemen, das macht die Mannschaft flexibel und variabel."

94 Treffer haben die Münchner mit ihren drei Top-Torjägern Kevin Friesenbichler, Julian Green (beide je 15) und Tobias Schweinsteiger (14) in der Regionalliga erzielt, 33 kassiert.

Führungsriege schaut genau hin

Dem Trainer fallen im Rückblick die Fortschritte beim Forechecking ein. "Wir arbeiten jetzt auch gegen den Ball gut", stellt der 44-Jährige zufrieden fest.

Dieser Mix aus Dominanz und Defensivhandwerk muss auch gegen Köln klappen.

Schließlich wird die Führungsriege der Münchner um Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Sportvorstand Sammer genau beobachten, mit welcher Handschrift Bayern II in jenen entscheidenden Spielen auftritt.

Für Pep Guardiola gilt das sowieso.

Der Münchner Chefstratege startete selbst als Coach von Barcelonas zweiter Auswahl seine Trainerkarriere, und wie Bayern II musste auch Barcelona II damals in die Provinz.

Tingeln durch die Provinz

Wie es ist, beispielsweise unter den speziellen Bedingungen im oberbayerischen 3.000-Seelen-Ort Buchbach oder in Schalding-Heining (bei Passau) bestehen zu müssen, ahnt Guardiola.

Ten Hag berichtet von "formellen und informellen Treffen" mit dem Katalanen und sagt: "Es ist etwas Besonderes, in einem Klub mit Pep Guardiola zusammenzuarbeiten."

Guardiola leitete auch mal eine Einheit der Zweiten Mannschaft, um selbst einen noch einen besseren Eindruck von Kevin Friesenbichler, Alessandro Schöpf und Co zu bekommen.

Gütesiegel dank Friesenbichler

Friesenbichler geht jetzt zu Benfica Lissabon, Schöpf würde sich am liebsten zu Borussia Mönchengladbach ausleihen lassen.

Für ten Hag sind solche Wechsel Gütesiegel und Rückschlag zugleich.

Im Idealfall sollen Spieler aus der Reserve in die Erste Mannschaft gebracht werden, als Talent-Import, der beweist, dass beim FCB nach Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Diego Contento, Holger Badstuber und Thomas Müller der Weg weiterhin möglich ist bis zu den Profis.

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